17/10/2014
Neue Stipendiatinnen für das Atelier Galata
Medienkünstlerin Marianna Christofides und Filmemacherin Mareike Wegener leben und arbeiten 2015 in Istanbul
Das Stipendium für Bildende Kunst der Stadt Köln im Atelier Galata erhält die Kölnerin Marianna Christofides. Sie wohnt und arbeitet von Juli bis Dezember 2015 in Istanbul. Zur Entscheidung des Auswahlgremiums für Christofides schreibt dessen Mitglied Dr. Gregor Jansen: „Die 1980 auf Zypern geborene Marianna Christofides überzeugte die Jury mit ihrem Rechercheprojekt im urbanen Raum Istanbul. Basierend auf geologischen Zuständen unterhalb des Stadtraums wird auch der urbane Raum transformiert, da alle nicht erdbebensicheren Gebäude abgerissen und neu errichtet werden sollen. Die Nordanatolische Platte ist auch ein Sinnbild für die kulturelle und politische Situation der Türkei: Der zentrale Teil des Landes wandert nach Westen ab, doch der nördliche Rand hängt fest an Asien, eine Spannung, die sich in starken Erdbeben entlädt. Marianna Christofides möchte entlang der nordanatolischen Verwerfung eine poetische Narrative entstehen lassen, basierend auf Recherchen und Reisen, den Begegnungen und Mikrogeschichten, deren filmische Dokumentation der Weg und das Ziel ist. Ihre Absicht der Oberflächenbeschreibungen will sich einem Geschichtsort nähern und einen neuen entwerfen. Dieses Projekt und die bisherige künstlerische Arbeit von Marianna Christofides überzeugten sehr, und somit möchten wir ihr für die Umsetzung vor Ort das Künstlerstipendium Atelier Galata der Stadt Köln in Istanbul 2015 für sechs Monate gewähren.“
Das Literaturstipendium der Stadt Köln in Istanbul für das Jahr 2015 geht an die Kölner Drehbuchautorin Mareike Wegener. Sie nutzt das Atelier Galata von Januar bis Juni. Zur Entscheidung der Jury schreibt Lilian Haberer: „Die in Köln lebende Filmemacherin und Drehbuchautorin Mareike Wegener widmet sich seit ihrem Studium der Medialen Künste mit Schwerpunkt Regie und Malerei an der Kunsthochschule für Medien in Köln, als Stipendiatin für Documentary Media Studies an der The New School for General Studies und als Doktorandin an der European Graduate School Saas-Fee dem künstlerischen Dokumentarfilm.
Ihre filmische Sprache und die Narration lassen sich nicht von ihrem Sujet vereinnahmen, das oftmals die Kunst oder ein das Portrait einer Künstlerin oder eines Künstlers thematisiert. In ihrer Rolle als Drehbuchautorin widmet sich aber auch geo- und gesellschaftspolitischen Themen („I want to see the manager“, „Peak“). Vielmehr wählt Mareike Wegener einen eigenen, distanzierten Blick, den sie mit ihrer Abschlussarbeit an der KHM zum Multitalent, Fluxus- und Performancekünstler der Beatnik-Generation, Al Hansen, zu einem Schwerpunkt ausbaut: der Vielstimmigkeit und Brüchigkeit einer künstlerischen Biografie nachzugehen. Dies stellte Wegener mit ihrem vielfach preisgekrönten und auf der DOCUMENTA (13) präsentierten Film über den im Jahr 2000 unter ungeklärten Umständen verstorbenen Künstler Mark Lombardi signifikant unter Beweis. Lombardi hatte die Finanzströme und die konspirativen Verbindungen von Politik- und Finanzwelt untersucht.
Für das Stipendium in Istanbul befasst sich Mareike Wegener – die noch einen engen Bezug zur bildenden Kunst hat, da sie mit Künstlerkolleginnen und -kollegen in der Produktion und Postproduktion zusammenarbeitet – mit den im Stadtbild von Istanbul sehr präsenten streunenden Hunden. Diese wird sie als Bestandteil des urbanen und kulturellen Gefüges in Form eines kinematographischen Essays in den Blick nehmen. Dabei arbeitet sie mit Bildmontagen und orchestrierendem Originalton und bezieht historische (Text-)Fragmente ein. Mareike Wegeners eingereichter Projektvorschlag als filmischer Essay und ihre Film- und Drehbucharbeiten sind so überzeugend, dass ihr das Literaturstipendium des Atelier Galata in Istanbul für ihre Vor-Ort Recherche zugesprochen wurde.“
Der Auswahljury gehörten Dr. Lilian Haberer vom Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln, Dr. Gregor Jansen, Direktor der Kunsthalle Düsseldorf, Mischa Kuball, Professor an der Kunsthochschule für Medien Köln, Tanja Goethe, Stipendiatin des Jahres 2014, und Kulturamtsleiterin Barbara Foerster an.