01/09/2026
Moving Voices begeisterten beim Sommerkonzert in St. Mariä Heimsuchung
Benefizveranstaltung für das Dr. Ehmann Haus in Siegburg
Eine Stunde raus aus dem Alltag, eintauchen in die Welt von Gospel und Pop und dabei gemeinsam etwas Gutes tun: Genau das hatten sich die Moving Voices e. V. für ihr diesjähriges Sommerkonzert vorgenommen. Unter dem Motto „Look at the World“ lud der Chor am Sonntag in seine Heimatkirche St. Mariä Heimsuchung in Sankt Augustin ein – und bescherte seinem Publikum einen ebenso abwechslungsreichen wie berührenden musikalischen Nachmittag.
Pünktlich um 17 Uhr zogen die rund 40 Sängerinnen und Sänger – darunter fünf Männer, die in ihren Stimmen von sechs weiteren Frauen stimmkräftig unterstützt werden – von den Seiten der Kirche ein. Schon der Auftakt machte deutlich, dass hier niemand einfach nur ein Konzert „absolvieren“ wollte: Mit „Power“ startete der Chor schwungvoll und energiegeladen. Und wie selbstverständlich sangen die Moving Voices dabei auswendig. Die Freude am gemeinsamen Singen war vom ersten Ton an spürbar.
Unter der Leitung von Karsten Rentzsch steht der Chor für einen ausgesprochen feinen und akkurat ausgearbeiteten Chorklang – vor allem aber für eine mitreißende musikalische Präsenz. Rentzsch übernahm dabei nicht nur die Chorleitung und die Begleitung am E-Piano, sondern führte auch charmant durch das Programm.
Sein erklärtes Ziel für den Nachmittag: eine Stunde lang Abstand vom Alltag zu gewinnen. Die Songs sollten von Menschen und Momenten erzählen, die verbinden, von Glauben und Hoffnung, aber auch von Verlust und den Dingen, die uns bewegen.
Nach dem kraftvollen Einstieg wurde es zunächst nachdenklicher. John Rutters „Look at the World“, das dem Konzert seinen Titel gab, erklang nach einer deutschen Rezitation des Textes durch zwei Chormitglieder. Die Klavierbegleitung unterstrich dabei die besinnliche Atmosphäre. Auch „In the Midst“ des dänischen Gospelmusikers Hans Christian Jochimsen schlug ruhigere Töne an. Das Stück hatte bereits im vergangenen Jahr zum Programm gehört, war inzwischen jedoch musikalisch weiter verfeinert worden. Überhaupt gehören Jochimsens Lieder zu den Favoriten der Moving Voices und finden immer wieder Eingang in das Programm des Chores.
Zwischen den musikalischen Beiträgen nahm sich Karsten Rentzsch Zeit für das Publikum – und wollte zunächst einmal wissen, wer denn eigentlich vor ihm saß. Wer war schon einmal bei einem Konzert der Moving Voices? Wer war bereits im vergangenen Jahr dabei? Und wer war freiwillig gekommen? Die Reaktionen sorgten für Heiterkeit. Ganz nebenbei nutzte der Chorleiter die Gelegenheit, Werbung für die Chorgemeinschaft zu machen: Wer Lust auf das gemeinsame Singen bekommen habe, sei herzlich eingeladen, mittwochs um 20 Uhr bei den Proben im Pfarrheim vorbeizuschauen.
Musikalisch bewegten sich die Moving Voices anschließend in den Fußstapfen großer Stimmen wie Whitney Houston und Mariah Carey. Mit Musik aus dem Animationsfilm „Der Prinz von Ägypten“ ging es um Moses und den Auszug aus Ägypten. Hans Zimmer komponierte die Filmmusik, Stephen Schwartz schrieb die Liedtexte. Besonders bekannt wurde der Soundtrack durch „When You Believe“, den großen Hit und Oscar-prämierten Song. Auch hier gingen dem Gesang deutsche Worte voraus – die Botschaft: Wunder können geschehen, wenn man daran glaubt.
Danach durfte natürlich Gospel nicht fehlen. Bei „Good News“ zeigte sich einmal mehr die klangliche Vielseitigkeit des Chores. Teilweise a ca****la und in unterschiedlichen Gruppen gesungen, entstand ein abwechslungsreiches Klangbild, das die Stimmen ganz unmittelbar wirken ließ.
Mit dem nächsten Programmteil wechselte die Stimmung erneut. Nun ging es um Menschen, die uns fehlen. Musik, so die Botschaft, kann einen Raum für Verlust schaffen und Gefühle auffangen, für die manchmal die Worte fehlen. Mit „Someone You Loved“ von dem schottischen Singer-Songwriter Lewis Capaldi griff der Chor einen Song auf, der nach dem Tod seiner Großmutter entstand und 2019 Platz eins der britischen Charts erreichte.
Für „Hallelujah“ von Leonard Cohen kam dann neben der Klavierbegleitung die Gitarre hinzu – also gewissermaßen die „Band“ zum Chor. Das Stück ist bei den Moving Voices längst Bestandteil des Repertoires: Bereits vor vier Jahren hatte der Chor den bekannten Klassiker gesungen.
Doch singen die Moving Voices eigentlich ausschließlich auf Englisch? Natürlich nicht! Für die Antwort hatte Karsten Rentzsch einen besonderen Trumpf aus der musikalischen Trickkiste parat: „One Way Wind“ von The Cats aus dem Jahr 1971 – diesmal in einer sinngemäßen deutschen Übersetzung. Schließlich lassen sich Songtitel und Liedtexte nicht immer einfach Wort für Wort übertragen. Das a-ca****la arrangierte Stück bewies eindrucksvoll, dass auch bekannte englischsprachige Popmusik auf Deutsch ihre Wirkung entfalten kann.
Nach acht Liedern verabschiedete sich der Moderator von seinem Publikum. Doch der Konzertnachmittag hatte noch eine wichtige Botschaft: Die Welt ein kleines bisschen besser zu machen – mit Musik, aber auch mit konkreter Unterstützung. Denn das Sommerkonzert war zugleich eine Benefizveranstaltung. Die Spenden gingen in diesem Jahr an das Dr. Ehmann Kinderhaus in Siegburg, das inzwischen an drei Standorten Kinder und Jugendliche mit Krankheiten oder Behinderungen betreut.
Musikalisch ging es anschließend noch einmal zurück zum Gospel. Mit „Majesty Unveiled“ präsentierten die Moving Voices einen ganz neuen Song von Hans Christian Jochimsen. Ein passender musikalischer Höhepunkt, bevor eine Chor-Sprecherin das Wort ergriff und sich bei Karsten Rentzsch bedankte. Seit inzwischen fünfeinhalb Jahren steht er am Pult des Chores. Rentzsch selbst ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, noch einmal für die Moving Voices zu werben. Eine „tolle Truppe“ sei der Chor, und die Mittwochsproben machen viel Freude.
Zum Abschluss wurde es noch einmal deutsch und besinnlich: „Sei behütet“ setzte einen warmen, tröstlichen Schlusspunkt unter das offizielle Programm.
Aber natürlich konnten die Moving Voices ihr Publikum nicht einfach so gehen lassen. Mit „Let Me Fly“, erneut von Hans Christian Jochimsen, gab es die Zugabe. Und dabei pflegt der Chor eine kleine Tradition mit prominenten Vorbildern: „Das haben wir mit den Wiener Philharmonikern gemeinsam“, scherzte Karsten Rentzsch – immer dieselbe Zugabe.
So endete ein Sommerkonzert, das seinem Motto in jeder Hinsicht gerecht wurde. „Look at the World“ war nicht nur der Titel eines Liedes, sondern eine Einladung, die Welt mit offenen Augen zu betrachten: die Menschen, die uns verbinden, die Momente, die uns berühren, die Verluste, die uns begleiten – und die Möglichkeit, mit Musik und gemeinsamer Hilfe ein wenig Positives weiterzugeben. Und ihr Publikum nahm sie begeistert an.
Foto und Text: Anita Brandtstäter