26/08/2026
Péter Nádas verstorben
„Es gibt nichts so Kleines, in dem man nicht das Größte finden könnte.“
Péter Nádas, der "große Vermesser der europäischen Seelenlandschaft“ (so die Literaturkritikerin Iris Radisch) galt neben Imre Kertész und Péter Esterházy als eine der wirkmächtigsten Stimmen der ungarischen und europäischen Gegenwartsliteratur. Sein Werk ist eine kompromisslose Topografie des 20. Jahrhunderts, in der die politischen Umbrüche Mitteleuropas meisterhaft mit den feinsten Regungen des menschlichen Körpers und der Psyche verwoben werden. Seine Hauptwerke - Buch der Erinnerung (1986), Parallelgeschichten (2005), Aufleuchtende Details (2017) - sind Monumente der Weltliteratur.
Bevor Nádas sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete er als Fotograf und Reporter. Dieser geschärfte visuelle Sinn prägte seine Prosa tiefgreifend: Seine Sätze besitzen eine mikroskopische Schärfe. Er verharrt bei Phänomenen, die andere übersehen – bei einem Atemzug, einer Hautberührung oder dem Zwielicht einer Budapester Straße –, um darin das Ganze einer Epoche freizulegen.
Nádas’ Schaffen steht in der großen europäischen Tradition von Marcel Proust, Thomas Mann und Robert Musil. Ausgezeichnet mit zahlreichen internationalen Preisen (unter anderem dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und dem Franz-Kafka-Preis), bleibt sein Werk ein unerschütterliches Zeugnis für die Macht der ästhetischen Genauigkeit gegenüber dem Vergessen.
Péter Nádas war mehrfach Gast im Liszt-Institut Stuttgart und wir arbeiteten gerade an seiner nächsten Lesung im Frühjahr 2027 in Stuttgart.
Wir werden Péter Nádas und sein Werk vermissen. Nun wird seine Stimme in seinen Werken weiter nachhallen und wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.