27/05/2026
und____________Eva-Maria Reiner
Besichtigung der Ausstellung bis 6. Juni
montags 19:30 bis 23 Uhr
freitags 15 bis 18 Uhr
samstags 11 bis 15 Uhr
und nach Vereinbarung unter
0151-67602730 oder 0711-650067 oder
[email protected]
Finissage am Samstag, 6. Juni, 11 bis 15 Uhr
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Einführungstext zur Eröffnung von Gilbert Fels:
und Schnitt
eine strenge weiß-schwarze Welt / von hoher Faszination / öffnet sich / und verbirgt zugleich viele Bedingungen ihres Entstehens / ins Auge springt zunächst / die Überraschung / dass Schrift im Spiel ist / nicht nur im Spiel, sondern wesentliches Element / was in unerwarteter Weise die Frage evoziert, worum es sich handelt bei diesen Arbeiten / hier /
taste ich mich versuchend-beschreibend voran / an den Exponaten dieser Ausstellung mit dem einfachen, aber vielleicht umso mehr be/sagenden Titel »und« /
ein Verbindungswort, eine Konjunktion / von lateinisch: conjungere: verbinden, verknüpfen, zusammenfügen / und verbunden, verknüpft, zusammengefügt werden hier Elemente zweier Sphären / der literarischen Welt entstammend, Buchstaben, Schriftzüge, Wörter / in Umsetzungen und Gestaltungen bildhafter Natur /
dabei sind Schnitte zentrale Mittel / Schnitte unterschiedlichster Arten und Kategorien / Einschnitte, in welchen wiederum Ausschnitte stecken / zu schmalen länglichen Streifen geschnittene Papiere / Konturschnitte, Scherenschnitt / alle bedruckt / oder selbst Buchstabe /
dementsprechend auch Schriftschnitte / unterschiedlichster Schriftarten, Punktzahlen, also Schriftgrößen, und Anmutungen: regular, kursiv, condensed, light, bold /
schon der Buchstabe selbst gehört beiden Sphären an / ist graphisches Zeichen / und Bestandteil von Morphemen, kleinsten bedeutungstragenden sprachlichen Einheiten / also Schrift / die hier in sehr unterschiedlichen Ausprägungen eine tragende, jedenfalls dominante Rolle spielt /
als Schwarzwert zum einen / auf Papieren unterschiedlichster Beschaffenheit / sowie in den Rahmen, Umrandungen, Räumen / der Vitrinen und Vitrinentürme / Mögliche Szenen genannt / die ein breites Spektrum an Weißfarbigkeiten entfalten /
und / als Bedeutungsträger semantischer Information / obwohl dieser die Eineindeutigkeit oft genommen ist / denn hier hat die Autorin / im weitesten Sinn dieses Begriffs als Urheberin / vielerorts, was Literaten eher nicht tun, die Wörter teilweise unkenntlich gemacht / treibt sie ein gewagtes Spiel / dreht sie / im Munde herum / zerlegt sie / spiegelt, verkleinert, vergrößert sie, schreibt sie rückwärts, spiegelt sie wieder, staucht sie, dehnt sie / und bewegt, dreht, schlingt, fädelt sie quer durch die drei Dimensionen ihrer Vitrinen / die wortwörtlich Spielräume sind /
nun sagt jedes geschriebene Wort / was immer es an sich bedeute / auch: Lies mich! / also, wir lesen /
in einer der vier Vitrinen ethisch ästhetisch privat öffentlich Individualkunst Kollektivkunst poetisch politisch / lesen in einer zweiten Vitrine in wechselnden Konstellationen Kollegin Kollege / Singular, Pural, maskulin, feminin / vice versa / und andersherum / begleitet vom Schriftzug der Künstlerin / sehen in einer dritten Vitrine reiche Metamorphosen des »und« sowie wieder den, hier gespiegelten Namenszug / und in der letzten zu Möbius-Bändern und Kleeblattknoten verschlungene und bedruckte Streifen Papiers /
dazu kommen, die Künstlerin nennt sie Cut-outs, frühe Collagen in kastenförmigen Rahmen / auch hier ist ihr Namenszug vertreten / und das titelgebende »und« /
ethisch ästhetisch et cetera / antagonistische Prädikate, die einen Diskursraum aufspannen / vielleicht sogar eine Matrix / innerhalb welcher / oder bezogen auf die / sich Fragen verorten lassen, die Relevanz von Kunst / und Kunstwerken betreffend / und / das Stichwort der Kollegenschaft auf das gleichzeitig und vorausgehend Entstandene verweist / auf die Tatsache, dass Werke der Kunst niemals im leeren Raum entstehen, sondern immer mit Werken der Kunst interagieren / was Pfeile noch unterstreichen / und das ebenfalls in vielerlei typographischen Variationen inszenierte Wort »und« seinerseits impliziert /
wäre also hier / unter Inanspruchnahme auch sprachlicher Mittel / eine bildnerische Aussage getroffen, die / was immer auch ansonsten den großen sinnlichen Reichtum dieser Arbeiten ausmacht / ein klares Bekenntnis setzt für ein gedanklich-planendes, also reflektiertes künstlerisches Agieren / in Zeiten, in denen das Adlibitum / unter Verweis auf Authentizität / sich qualitativer Anstrengung oft enthoben glaubt? /
denn auch handwerklich sehen wir artifizielle Präzisionsarbeit / sowohl am Rechner, auf dem diese Textstreifen / samt ihrer Verfremdungen, Umkehrungen, Krebse, Spiegelungen / und gelegentlich auch Krümmungen / angelegt sind / als – eben – auch als hochsubtile Schnitt- und Schneidekunst / in der Montage auf dazu vorbereiteten Feldern / sowie den Streifenscharen und kunstvoll verschlungenen Bändern und Bündeln /
dazu verraten Entwurfsskizzen / die genau genommen technische Zeichnungen sind / allerdings mit einer ihresgleichen in Ingenieursbüros so nicht eigenen Poesie / hier unterscheiden sich die gestaltenden Hände / das akribische Planen der komplexen Settings und Arrangements /
eine Strecke führt eine ganze Entwicklungslinie vor / die in einer Collage resümiert / bei der der es jedoch nicht bleibt, Ableitungen testen weitere mögliche Stadien aus / doch / zum Glück / und aus Eigenart / erschöpft sich die Lesbarkeit von Kunstwerken nicht in erläuternd-ver- und untersuchenden Reden /
welche Signale also nachhallen / und je stärkere, umso relevanter die Arbeiten / in den Echoräumen unserer Sinne / steht auf einem anderen, steht auf jedes eigenem Stern / und ist Wirkung dieser Bildwerke allein / lauschen wir noch wenig ihren Rückkopplungen nach.