24/06/2026
ARCHIV-POST vom Stadtarchiv Stolberg
Mit der ARCHIV-POST berichtet das Stadtarchiv als zentrale Gedächtniseinrichtung aus der Alltagsarbeit, aus der Geschichte oder auch von besonderen Fortschritten, Archivalien oder anderem.
Nr. 06/26: Bemalter Bauzaun an der Rathausbaustelle
Wer heute den Standort des ehemaligen und des künftigen neuen Rathauses passiert, nimmt Bauzäune wahr, die informative wie auch künstlerische Elemente zeigen, die der Tristesse der Baustellenrealität entgegenwirken.
Vor über 50 Jahren war die Idee bereits schon einmal gedacht und gemacht worden. Die Kinder Stolberger Schulen waren die Künstler, die mit Pinseln, Farbe und Kreativität eine lange Bildergalerie entstehen ließen. Im Frühjahr 1975 hatten Schüler der Hauptschule Kogelshäuserstraße den Anfang gemacht, als sie die Planken mit einer maritimen Unterseewelt bevölkerten: Seesterne, Fische, Quallen und Seehunde wurden farbenfroh aufgemalt. Wie die Tageszeitung berichtete, wurde der 1. Stellvertretende Bürgermeister Mathias Breuer als zufälliger Augenzeuge auf die Aktion aufmerksam und überzeugte rasch Stadtdirektor Heinrich Römer von der Idee, einen Malwettbewerb auszuloben und allen Stolberger Schulen die Möglichkeit der künstlerischen Betätigung am Gesamtkunstwerk zu ermöglichen.
Gesagt – getan. Über das genaue Verfahren schweigen sich die Quellen aus, aber die Presse berichtete weiter über Stolbergs Plein-air-Künstler/innen. Viertklässler der Grundschule Bischofstraße unter Anleitung der Lehrerin Monika Hermes, die per Losverfahren ausgewählt worden waren, dekorierten den Bauzaun mit großen Blumenbildern, und Gymnasiasten setzten das Endlos-Werk fort. Bunte indianische Totempfähle wurden in Reihe der Absperrung hinzugefügt und ein langer Zug mit Dampflokomotive passierte das Bauschild, während der Gehsteig die Rolle eines Bahnsteigs übernahm.
Die Dampflokeisenbahn fand im Folgejahr 1976 beim großen Abschiedsfest endgültig ihr Ende in Stolberg und im Frühjahr darauf wurde 1977 der Bauzaun als längste Stolberger Schülerkunstgalerie wieder abgebaut und gab den Blick frei auf das neue Gebäude. Bis es heute soweit ist, lockt die Fläche hinter dem aktuellen und teils nicht minder bunten Bauzaun in diesem Sommer zum Feiern und Verweilen ein. ‚Mein Sommer in Stolberg‘ verwandelt die Ödnis der Baustelle bis September in eine attraktive Wohlfühl-Oase. Das hat es so vor 50 Jahren nicht gegeben.
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Bild: Stolberger Schülerinnen setzen letzte Pinselstriche an ihren Kunstwerken am Bretterzaun der Rathausbaustelle (Bildsammlung Stadtarchiv Stolberg, 1975, Original-Farbaufnahme)