13/02/2026
Rainer Schallenberg zu Gast im Westfälischen Volksblatt
Der Jazzclub Paderborn ist eine Topadresse
Paderborn„Wir bekommen jede Woche drei, vier neue Mitglieder“, stellt Rainer Schallenberg nicht ohne Stolz fest. Bis Ende des vergangenen Jahres sei 300 die Zielmarke gewesen. Die habe man inzwischen deutlich überschritten, erzählt der Vorsitzende des Jazzclubs Paderborn.
Der heimische Jazzclub schwimmt auf einer Woge des Erfolgs. Nicht nur was den Zulauf an Mitgliedern angeht, sondern auch im Hinblick auf das nationale und internationale Renommee.
„Ich bekomme pro Tag zehn bis 20 Anfragen von Bands und Künstlern, die bei uns spielen möchten – 500 E-Mails in nur acht Wochen“, berichtet Rainer Schallenberg und rechnet vor: „Ich könnte jeden Tag ein Konzert machen.“
Bis zu 20 Konzerte im Jahr
Das möchte er aber nicht und ist auch logistisch unmöglich. Erstens finden im Deelenhaus an der Krämerstraße nicht ausschließlich Jazz-Konzerte statt und zweitens wirkt eine Flut von Veranstaltungen beliebig. Und so hält das Team des Jazzclubs an seinem Konzept fest, zwischen 18 und 20 Konzerte im Jahr anzubieten.
Die Güteklasse der Konzerte hat sich weit über Paderborn hinaus herumgesprochen. „Wir haben eine Kartenauslastung von 95 Prozent“, betont Rainer Schallenberg. 130 Musikfreunde passten ins Deelenhaus, im Schnitt seien immer 122 da.
Manche Musiker werden gleich für zwei Konzerte verpflichtet, um die Nachfrage decken zu können. Theoretisch könnte der Jazzclub Paderborn auch in die sanierte „Kulturwerkstatt“ an der Bahnhofstraße ausweichen, wo ja im Frühjahr der Betrieb wieder anlaufen soll. „Die Kulturwerkstatt ist nur ein Thema, wenn wir eine Band verpflichtet haben, die 500 Leute anzieht“, sagt Rainer Schallenberg.
Das Deelenhaus ist in den vergangenen Jahren von der vermeintlichen Übergangs- zur Dauerheimat des Jazzclubs geworden. Die ohnehin schon ausgezeichnete Akustik („das Publikum sitzt in der Band“) wolle man mit Hilfe von Sponsoren noch weiter verbessern, kündigt Rainer Schallenberg an.
Monitore dokumentieren filigranes Fingerspiel
Auch die Augen der Konzertbesucher werden verwöhnt, mehrere Monitore dokumentieren live das filigrane Fingerspiel der Musikerinnen und Musiker. Der Jazzclub profitiert davon, dass die meisten Musiker in mehreren Bands spielen und die Jazzszene gut vernetzt ist. So spricht sich herum, dass es sich lohnt, nach Paderborn zu kommen, weil nicht nur der Sound, sondern auch die Betreuung durch die Gastgeber ausgezeichnet ist.
Rainer Schallenberg erinnert sich noch gut an den Auftritt der englischen Bluessängerin Kyla Brox unmittelbar vor der Corona-Pandemie. Die Rückfahrt habe direkt in die Quarantäne und für die Künstlerin und ihre Band zu einem finanziellen Drahtseilakt geführt. „Wir haben damals nicht nur die Gage bezahlt, sondern auch noch Geld für Kyla Brox gesammelt“, erzählt Rainer Schallenberg.
Gerade erst am 7. Februar gastierte die Königin des britischen Soul und Blues erneut im Deelenhaus, und das, obwohl nach dem Brexit die Organisation von Touren außerhalb der Insel bürokratischer und komplizierter geworden ist.
Auch in den nächsten Monaten lohnt sich der Besuch der Konzerte. Rainer Schallenberg freut sich besonders auf den Auftritt von Jeff Cascaro am 27. Februar um 19.30 Uhr. Der Sänger und Trompeter bewegt sich mit spielerischer Leichtigkeit zwischen Jazz und Soul. Im Deelenhaus können ihn die Zuhörer mit seinem Quartett erleben. „Ich höre Jeff Cascaro seit fünf Jahren ständig im Hintergrund“, outet sich Rainer Schallenberg als größter Fan.
Bereits eine Woche vorher, am 21. Februar, wird an eine Tradition angeknüpft. In der Paderhalle sind bei der „Jazz & Blues Party“ vier internationale Topbands vereint, darunter mit der Letvian Blues Band alte Bekannte. Hinzu kommen die Soul Survivors, die Jimmy Reiter Band und Henk Kraeijeveld mit dessen Mitstreitern. Tickets für die „Jazz & Blues Party“ gibt es über die Paderhalle, die Karten für die Konzerte im Deelenhaus über den mittlerweile modernen und professionellen Internetauftritt des Jazzclubs Paderborn, den es seit 1982 gibt und der aktuell vielleicht seine beste Zeit erlebt.
Attraktive Eintrittspreise
„Die Eintrittspreise sind für das, was wir bieten, lächerlich niedrig“, findet Rainer Schallenberg. Nichtmitglieder zahlen im Online-Vorverkauf 24 Euro, an der Abendkasse 28. Mitglieder kommen noch günstiger rein: für 18 beziehungsweise 22 Euro. Da rentieren sich die fünf Euro Mitgliedsbeitrag schnell. Schüler und Studenten können sich Jazz, Blues, Swing, Funk und Soul auch leisten. An der Abendkasse kosten die Tickets für sie nur 10 Euro.
Aber kommen Studenten überhaupt, wo Jazz doch als Musik der Älteren gilt? Früher sei das auch in Paderborn so gewesen, räumt Rainer Schallenberg ein, aber durch die gezielte Auswahl der Musiker und Bands habe man es geschafft, ein altersgemischtes Publikum zu bekommen, vom Studenten bis zum 80-jährigen Senior.
Das erste Veranstaltungshalbjahr endet am 10. Juli. Es bietet attraktive Konzerte zum Beispiel mit der nigerianischen Sängerin Justina Lee Brown und ihrer Band (27. März), mit Quadro Nuevo mit mediterraner musikalischer Leichtigkeit (14. März) und nicht zu vergessen dem New Yorker Trompeter und Sänger Benny Benack III am 22. Mai. Bei ihm werden im Publikum Erinnerungen an Louis Armstrong und Frank Sinatra aufkommen. Gleich zweimal werden die Bluescats mit Sänger Greg Copeland ihre musikalische Klasse unter Beweis stellen, und zwar am 26. und 27. Juni. Mit Jin Jim aus der jungen europäischen Jazzszene geht das Halbjahr dann zu Ende.
Vorlauf von fast einem Jahr
Musiker und Bands gehen Rainer Schallenberg nicht aus. „Ich habe einen Vorlauf von fast einem Jahr“, sagt er. Der Jazzclub Paderborn habe sich zu einem, wenn nicht zu dem angesagtesten in Deutschland gemausert.