05/09/2026
Ein Fest für Frieden und Demokratie (Tag 1)
Freitag 28.8.2026
Biebergemünd-Kassel. Es ist ein sonniger Freitag. An der Günthersmühle im Kasselgrund herrscht emsiges Treiben, die Vorbereitungen zum Friedensfest, das über das ganze Wochenende nahezu 500 Besucher anlocken wird, sind im Gange. Als gemeinsame Aktion der beiden Vereine Naturfreunde Offenbach und Kunst- und Kulturinitiative SpessArt06050 e.V. steht das Fest unmissverständlich für Frieden und demokratische Werte.
Begonnen hatte das Fest schon am Freitagmorgen ganz bewusst mit jungen Menschen. Rund 30 Schülerinnen und Schüler aus Gelnhausen wanderten zur Günthersmühle. Die Veranstalter hätten sich zwar eine noch größere Beteiligung von Schulen gewünscht, doch mit den anwesenden Schülerinnen und Schülern konnte intensiv gearbeitet werden. So fanden ein Antidiskriminierungsworkshop, Angebote und Gespräche zu Critical Whiteness, Demokratie und gesellschaftlicher Vielfalt statt.
Als Schirmherr der guten Sache konnte der Bürgermeister von Biebergemünd, Matthias Schmitt, gewonnen werden, der sich gemeinsam mit Landrat Thorsten Stolz am Nachmittag sich zur offiziellen Festeröffnung eingefunden hatte. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Wiegelmann war anwesend.
Nach der Begrüßung durch Matthias Wickert und Robert Weißenbrunner, die stellvertretend für das Organisationsteam der beiden Vereine allen Beteiligten dankten, wendete sich Bürgermeister Schmitt mit einem emotionalen Grußwort an die Anwesenden. Hierbei zitierte er u.a. Hermann Hesse mit seinen Gedanken zum Frieden kurz nach Beginn des 1. Weltkriegs: „Friede, jeder hat’s gehabt, keiner hat’s geschätzt …“ und betonte, dass unser Leben in Europa seit dem 2. Weltkrieg von Krieg verschont blieb und wir alle hier dies hoch schätzen sollten. Kultur sei eine Aufgabe für alle und nicht nur für obere Instanzen.
Landrat Thorsten Stolz lobte in seinem Grußwort die Inhalte der 3-tägigen Veranstaltung, insbesondere hier die Zusammenführung von Politik, Kunst und Kultur. Es sei notwendiger denn je, Frieden und Demokratie hochzuhalten.
Demokratischer Dialog: Nicht immer einer Meinung
Zur Frage des Staat-Bürger-Verhältnisses und was jeder Einzelne hier einbringen kann, meinte der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Wiegelmann in seinen Grußworten, dass das Ehrenamt in weitere Bereiche des öffentlichen Lebens Eingang finden müsse. Doch bereits bei der Eröffnung wurde sichtbar, dass das Fest unterschiedliche politische Positionen ausdrücklich aushalten sollte, denn bei der Frage nach öffentlichen Zeichen gegen Rassismus entstand ein konkreter Dissens.
Von Veranstalterseite wurde der Wunsch formuliert, an jedem öffentlichen Gebäude ein Schild mit der Botschaft „Kein Platz für Rassismus“ zu sehen. Wiegelmann vertrat sinngemäß die Position, solche zusätzlichen Schilder seien unnötig, denn die Flagge Schwarz-Rot-Gold sei an öffentlichen Gebäuden bereits präsent und stehe selbst für Demokratie und gegen Rassismus. Für die Veranstalter war diese Kontroverse ein erstes praktisches Beispiel dafür, dass demokratischer Dialog nicht voraussetzt, einer Meinung zu sein.
Eindrucksvoll bot sich gleich zu Anfang des Friedensfestes ein gemeinsamer Rundgang über das Gelände, zum einen durch die „Schilder der Gerechtigkeit“ sowie durch die Ausstellung „Gesicht zeigen gegen Rassismus und Antisemitismus“ von Nico Deeg. Gezeigt wurden unter anderem Gesichter aus verschiedenen Kulturen, Religionen und Lebensarten. Eindrucksvoll erzählt jedes der Portraits eine ganz persönliche Geschichte über einen Menschen, der sich gegen Vorurteile, Hass, Hetze und Gewalt positioniert und selbst Ausgrenzung erlebt hat. Im Anschluss besuchten Bürgermeister, Landrat und weitere Gäste die Informationsstände der Bündnispartner Helping Hands, Amnesty International und Omas gegen Rechts auf dem Gelände.
Kabarett mit politischem Tiefgang
„Kein Wohlfühlprogramm heute: Denken ist erlaubt – noch!“ so startete Tom Kabaredo sein anspruchsvolles Bühnenprogramm „Mut ist, wenn man trotzdem lacht“ und verblüffte, ja erschreckte die Anwesenden sogleich mit einem KI-generierten Marschlied im Singstil von Helene Fischer. Von Erich Kästner - listig mit Witz - über Karl Valentin – scheinbar harmlos, unverständlich – bis Werner Fink spannte er u.a. den Bogen derer, die sich auf unterschiedliche Weise gegen das Regime gewehrt hatten. Zwischendurch musste das Programm wegen eines starken Regenschauers kurz unterbrochen werden, was die Stimmung unter den Anwesenden kaum eintrübte.
Mit Danny June Smiths klarer Stimme und Gitarre erlebten sie an diesem Abend einen musikalisch wunderbar ins Thema eingebundenen Abschluss mit Protest-, Friedens- und Mutmach-Liedern.