27/09/2025
„Das macht mir echt Sorgen!“
Das platzte neulich mittags aus einem Tischnachbarn heraus. Er meinte die Drohnen über dem Kopenhagener Flughafen und deutete an, dass Russland wohl den dritten Weltkrieg suche.
Ich versuchte, ihm eine alternative Sichtweise zu vermitteln, aber er hatte schon zu viele Berichte der etablierten Medien gesehen, in denen ausschließlich Putin als Aggressor genannt wird, den absurderweise danach gelüsten soll, Mitteleuropa anzugreifen.
Ich sagte: Putin ist sicher ein korrupter und brutaler Autokrat. Aber dumm ist er nicht. Er weiß, dass Russland gegen die NATO keine Chance hat. Und was sollte er denn im Westen wollen? Landgewinn? Russland ist schon riesig. Bodenschätze? Hat Russland alle selbst. In der Geschichte sind westliche Nachbarn öfter in Russland einmarschiert als andersrum. Russland hat daher mindestens so starke Gründe, dem Westen zu misstrauen wie umgekehrt.
Ich ließ mir den Bericht zeigen. Da stand: „Drohnen über Kopenhagener Flughafen. Eine Beteiligung Russlands wird nicht ausgeschlossen.“
Ich musste fast lachen: „Lieber Christoph, das ist als würde morgen im Intranet stehen: „Drei unaufgeklärte Fälle von Veruntreuung im Unternehmen. Eine Beteiligung Christophs wird nicht ausgeschlossen.“ Das tut wie Unschuldsvermutung – setzt aber ohne Indizien einen ungeheuerlichen Verdacht. Das ist kein Journalismus, das ist Propaganda. Kriegspropaganda. Irgendjemand hat ein Interesse daran, Unsicherheit, Misstrauen und Feindseligkeit zu streuen.
Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher treuen Naivität Bürger davon ausgehen, dass Propaganda etwas ist, das nur die anderen tun aber nie die eigene Regierung. Natürlich berichten ALLE Medien in allen Ländern gefärbt bis einseitig. Je staatsnäher desto gefärbter.
Die westliche Propaganda fällt uns nur nicht so auf, weil wir in ihr groß geworden sind. Sie bildet unsere Referenzkoordinaten von denen aus wir alles andere beurteilen. Wir betrachten die Welt eurozentrisch, halten unsere Werte für überlegen und denken, wir seien die Guten. Wir stellen daher alles in Frage – nur nicht die eigenen Positionen.
Wohl dem, der auch schon in anderen Ländern oder Kontinenten gelebt hat und die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten konnte. Und wohl dem, der sich in diesen nervösen Zeiten seine innere Ruhe bewahren kann. Und nicht alles glaubt, was Medien erzählen.