02/06/2026
Wer war Horst Middelhoff?
Horst Middelhoff war vielen bekannt als „der Mann mit Kamera und Kopftuch“. Neben diesen charakteristischen Merkmalen zeichneten ihn besonders seine präzise Beobachtungsgabe und sein genauer, oft kritischer Blick aus, der aber stets viel Sympathie für seine Motive durchblicken ließ. Zeitlebens galt seine Leidenschaft der Fotografie, und das, was er mit seiner Kamera dokumentierte, war roh und ungefiltert. Er sah sich als Dokumentar und war doch auch Akteur, er stand an der Seitenlinie und mitten im Geschehen.
1942 in einer Nachkriegsunterkunft auf dem katholisch-oberbayerischen Land geboren und aufgewachsen, war die frühe Gewissheit, schwul zu sein, nicht leicht. In der queeren Community Münchens hingegen fand Horst Middelhoff Ende der 1980er Jahre seine Heimat. Obwohl er lieber hinter als vor der Kamera stand, zeugen seine Aufnahmen umso mehr von seinem großen Engagement für die Münchner Szene. Er setzte sich unter anderem für die Stärkung queerer Sichtbarkeit, die Abschaffung des §175 und für die Errichtung eines Rosa-Winkel-Gedenksteins in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein. Zudem bereicherten seine Texte und Fotos über Jahre die Szeneblätter „Südwind“, „Sergej“ und „Leo“.
Ob bei politischen Protesten oder beim Feiern in den Szenekneipen – als Chronist seiner Zeit hinterlässt Hort Middelhoff mit seinen Aufnahmen ein einzigartiges Zeugnis der Münchner queeren Geschichte. Eine Auswahl seiner Fotografien ist vom 18.06. bis zum 27.06.2026 in der Bar & Galerie Graf Rumford zu sehen.
Ausstellungsorganisation und Kuration: Lisa Hirdes
In Kooperation mit dem Forum Queeres Archiv München e.V.
Mit freundlicher Unterstützung der Münchner Regenbogen-Stiftung
Foto: Nachlass Horst Middelhoff