28/09/2016
CADAM. arbeiten zu fünft an „Europa war eine Frau | Europa ishte grua“, mit den vier Mitgliedern von HAVEIT wächst die Gruppe auf neun Personen an. Viele Perspektiven, unterschiedliche Sichtweisen, mehrere Schwerpunkte. Drei Fragen an CADAM. – fünfzehn Antworten!
1. Wie definiert ihr Feminismus für euch?
Christina Dettelbacher: Feminismus ist für mich im Idealfall ein Miteinander von Männern und Frauen, die zusammen für Gleichberechtigung eintreten und einstehen, mit dem Wissen, dass es für alle wichtig ist – nicht nur für die Frauen. Diskussionen über das Rasieren oder der Ausschluss von Männern interessieren mich nicht.
Anna Donderer: Fairness & Rasurthemen.
Anna Wieczorek: Manchmal gegen „Männer“ und manchmal gegen „Frauen“ dafür kämpfen, dass es um Menschen geht.
Juliane Rahn: Feminismus ist für mich mehr als jene Selbstverwirklichung à la „anything goes“ ohne Zuschreibungen und Erwartungshaltungen, sondern insbesondere: dass wir durch unser Denken und Handeln unverletzliche Grundrechte für alle einfordern und auch ermöglichen. Das bedeutet für mich Freiheit und Gleichheit – und Demokratie.
Friedrich Rackwitz: Man trennt gern, differenziert dann und lässt Trennungen gesellschaftlich vorantreiben, damit keine gemeinsame politische Kraft entstehen kann. Aus Partikularinteressen wird sich kein gemeinsamer Wille formen. Dabei müsste man zusammenarbeiten und sich nicht zersplittern lassen. It all goes along with: first it is and should be about humans and then about man and women.
2. Ihr wart im Sommer länger im Kosovo: Was hat euch am meisten verstört/verzückt/erstaunt?
Christina: Dass keine Karren mit Eseln und alten Mütterlein durch Pristhina zockeln. Die Offenheit und wahnsinnige Gastfreundlichkeit der Leute. Wie wir uns der Illusion der Ähnlichkeit hingeben können, obwohl die Umstände, in denen wir leben, uns sehr unterschiedlich machen.
Anna D.: Progressivität draußen - starres System drinnen.
Anna W.: Dass Emanzipation mehr bedeutet als der eigene Kontext hergibt.
Juliane: Verstört: Der Außenblick der „Nicht-Anderen“. Das mit der postkolonialen Perspektive, das ist ein weiter Weg. Verzückt: Kosovo ist das einzige europäische Land, das den Europatag als nationalen Feiertag hat. Erstaunt: Die Wut, die doch vorher immer unsere war.
Friedrich: Sind die Kosovaren Opfer? Wollen sie, dass sie als solche wahrgenommen und dadurch auch ernst genommen werden? Ist das vielleicht eher unsere projizierte Perspektive? Ich habe davon nichts erlebt. Eher: Viel Aufregung, viel Ärger, viel Verzweiflung, viel Mut, viel Bewusstsein.
3. Welche Fragestellungen interessieren euch im Rahmen der Recherche/des Workshops in München besonders?
Christina: Wie kann man eine Verbindung zwischen der „HAVEITʼschen“ und der „CADAMʼschen“ Perspektive auf Feminismus schaffen, um sich besser gegenseitig und dadurch auch selbst besser kennenzulernen?
Anna D.: Erfahrungserweiterung, probieren probieren probieren.
Anna W.: Die Suche nach gemeinsamem Austausch hinter politischen Parolen (Gemeinsam für Feminismus!).
Juliane: Im Rahmen der Recherche: Was hat das Ganze mit Europa zu tun? Also wie kann man feministische Perspektiven auch auf die Auseinandersetzung mit Regionen, die in Debatten entweder gar nicht oder nur entstellt oder vorgefertigt (ja, wir wissen, wie der Laden dort läuft) vorkommen, übertragen? Im Rahmen des Workshops: Feminismus aus Eitelkeit vs. politische Feminismen und wenn ja, Kunst oder Politik?
Friedrich: How to form a group that works beyond particular interests?