21/09/2021
Seit dem Juni 2021 hängen unsere "Wunschnistkästen" am "Schaubüdchen", dem "Kiosk für Kleine Künste" in Bochum.
Über 50 kleine Wunschbotschaften haben uns bisher erreicht. Darunter sind kleine, aber auch ganz große Wünsche!
Sie bilden die Grundlage für ein paar traumtheoretische Überlegungen.
Herzlichen Dank an die alle Wünschenden
und viel Spaß beim Lesen:
"Traumtheoretisch betrachtet sind Wünsche, wie auch Träume, Geschichten, die wir uns selber erzählen und die weit über das hinausreichen (können), was ist; also wie ich bin und wie ich augenblicklich lebe und mein Leben betrachte. Bei Wünschen gilt dies umso mehr, da sie immer auf etwas Zukünftiges gerichtet sind und oft gespeist werden aus der Differenz, wie mein Leben gerade verläuft und was ich generell erwarte. (z.B. Reise ins Ausland) Wünsche sind also auch Möglichkeiten des „Überunsnachdenkens“ und der „Neuerfindung“ des eigenen Selbst, wie der Wunsch mit Tieren sprechen zu können!
Jede Wunschformulierung ist dann eine Art Visualisierung, d.h. durch die Imagination bringe ich mich selber schon in die Situation einer möglichen Wunscherfüllung (Traum).
Ich bin also dem Inhalt/ Gegenstand meines Wunsches zum „Greifen nah“ und kann zum Beispiel auch „erfahren“, wie gut es sich anfühlt, wenn ich mir meinen Wunsch erfüllt habe. Um eines der vorliegenden Beispiele zu nennen: Auf einem Wunschzettel wird der Wunsch nach einem Hund geäußert. Wenn ich mir nun also vorstelle, mir ausmale, d.h. mir selber erzähle, wie der Hund konkret aussieht, wo ich seinen Schlafplatz einrichte, wie ich mit ihm spiele und spazierengehe, dann entsteht schon ein sehr konkretes Bild des Hundes, der zu mir passt, und vorallem erlebe ich mich, wie ich mich dabei fühle! Dabei wird mir immer besser bewusst, was konkret ich mir wünsche und was ich dazu beitragen kann, damit sich mein Wunsch erfüllt. Wünsche sind eben auch Ziele, die wir uns im Leben setzen und erreichen wollen!
Darüberhinaus wird mir klar, welche Gegebenheiten vorhanden sein müssen, damit sich mein Wunsch erfüllen kann! Dies können Faktoren sein, die ich selbst beeinflussen kann oder sie sind allgemeiner bzw. gesellschaft- licher "Natur"! Gerade die Pandemie-Situation hat sicher großen Einfluss auf die geäußerten Wünsche! Ganz deutlich wird dies in den Wünschen nach Nähe, Zusammensein mit Freunden, dem Wunsch nach einem Haustier, aber auch nach Sichtbarkeit! Wie der Wunsch von Jason: „Ein Blatt soll hier hängen mit meinem Namen drauf: Jason“! Da ist ganz stark das Gefühl von Bedeutung, was in der gegenwärtigen oder zurückliegenden Situation von monatelangem Homeschooling auf einen Verlust des Bedeutungsraums Schule oder des sozialen Netzes verweisen kann! Dieses Kind/ dieser Jugendliche möchte gesehen, wahrgenommen werden und dies wurde durch die Coronasituation natürlich erheblich erschwert. Ganz ähnlich bei den Wünschen, die ein völliges Gegenbild zur (eigenen) Gegenwart etablieren: relativer Reichtum, Pool, freie sexuelle Beziehungen ("Model Divna"), sich auf einen fernen Ort (Kurach) beziehen oder belanglos und banal scheinen: Big Mac, ein Track von Farid Bang! Das sind auch Möglichkeiten mit der Gegenwart umzugehen, indem ich sie ganz konsequent verweigere.
Oder man kann die Gegenwart verwandeln! Indem man – wie die Kinder ihre Wunschzettel gestaltet haben – nicht auf Worte zurückgreift, sondern auf Formen und sich in Kreise, Ketten oder Quadrate verwandelt, wird die Gegenwart zu Objekten, die von außen gar nicht mehr lesbar sind. Und die Betrachtenden werden, ähnlich wie bei Träumen, völlig fasziniert sein von dem, was sie nicht verstehen."
(aus Dr. Peter Donas: "Hoffen und Handeln - Transformation durch Träumen", erschienen bei Klar.Traum-Verlag, Klagenfurt, 2021)
Träumt weiter!