05/09/2026
👀 Ein Blick hinter die Kulissen
Bevor die erste Wolle ins Farbbad kommt, beginnt die Färbung mit einem Bleistift. ✏️🧶 Auf meinem Tisch liegt heute kein Kochlöffel, liegen keine Farbtöpfe – nur ein Zettel, ein Bleistift, ein Radiergummi und eine ganze Menge Zahlen.
Für Sie sieht das vielleicht aus wie eine kleine, geheimnisvolle Buchführung. Für mich ist es etwas ganz anderes: der Plan für meine nächsten zwei Färbetage. 📋
Diesmal stehen dort die Nummern 1 bis 18. Achtzehn Farbbäder, die ich von Hand über dem Holzfeuer färben werde. 🔥 Ich rieche schon jetzt den Rauch, höre das leise Knistern der Scheite und spüre die Wärme, die mir gleich ins Gesicht steigen wird. Achtzehn kleine Vorhaben, die erst noch wahr werden müssen.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Womit färbt sie ihre Wolle eigentlich? 🤔
Ich arbeite mit sogenannten Säurefarben – speziellen Farbstoffen, die sich besonders gut mit tierischen Fasern wie Wolle verbinden. Sie schenken mir eine große Vielfalt an Farbtönen, und je nach Menge und Färbeweise entstehen ganz unterschiedliche Wirkungen. 🎨
Keine Sorge: „Säurefarbe" bedeutet nicht, dass hier etwas Gefährliches im Topf brodelt. 😉 Der Name kommt daher, dass sich der Farbstoff nur in saurer Umgebung wirklich mit der Wollfaser verbindet. Diese Säure wird gewonnen aus – ausgepressten Zitronensaft oder ganz gewöhnlichen Haushaltsessig, je nachdem, was zur jeweiligen Färbung passt. 🍋
Ein Farbbad ist dabei einfach der Topf, in dem die Wolle gemeinsam Farbe annimmt. 🍲 In jeden dieser Töpfe kommen sieben Wollstränge. Sie bekommen später denselben Farbnamen, weil sie gemeinsam denselben Weg durch dasselbe Wasser gegangen sind.
Warum ausgerechnet sieben? Ganz praktisch: Meine Farbtöpfe fassen nicht mehr als ein Kilogramm Wolle sinnvoll. ⚖️ Bei der Wolle mit Silberfaden kommt noch ein zweiter Grund hinzu – die Stränge brauchen Platz, um sich frei zu bewegen. Liegen sie zu dicht gedrängt, verfängt sich der Silberfaden zwischen ihnen, und es entsteht ein kleiner Fitz, den ich lieber vermeide. Sieben Stränge geben jedem genug Raum – und mir den nötigen Überblick. 🧶
Für Sie beim Einkauf bedeutet das: Alle sieben Stränge stammen aus demselben Farbbad. Brauchen Sie mehrere Stränge für ein größeres Strick- oder Häkelprojekt, achte ich darauf, Ihnen möglichst Stränge aus demselben Bad anzubieten.
Werfen Sie einen Blick auf meine Notizen: 👀 Bei Nr. 6 und 7, „Meerglanz", sehen Sie zwei Farbbäder mit demselben Namen, aber unterschiedlichen Mengenangaben – einmal 6 Gramm Säurefarbe, einmal 8 Gramm. Genau das ist so ein kleiner Versuch: Ich färbe dieselbe Farbe zweimal mit leicht abweichender Menge, um zu sehen, welche Version am Ende die schönere ist. Wird der Ton kräftig oder eher zart – und trifft er am Ende, was ich mir vorgestellt habe? Solche kleinen Versuche gehören zu meiner Arbeit wie das Feuer selbst. 🔥
Handarbeit bedeutet nämlich auch: Kein Strang gleicht exakt dem anderen. Auch wenn sieben Stränge gemeinsam im selben Topf liegen, nimmt jeder die Farbe ein kleines bisschen anders an. Mal ist einer heller, mal ein anderer dunkler, mal setzt sich an einer Stelle etwas mehr Farbe fest. Genau diese kleinen Unterschiede sind es, die handgefärbte Wolle lebendig machen. ✨ Zwischen verschiedenen Farbbädern können diese Unterschiede allerdings deutlich größer ausfallen – deshalb ist meine Nummerierung so wichtig.
Aber zurück zu meinem Blatt. 📝
In der nächsten Spalte würde normalerweise die Farbe stehen, die ich mischen möchte. Diesmal habe ich sie alle im Kopf – meine Liste ist übersichtlich genug, dass ich sie nicht extra notieren musste.
Namen wie Samtkirche, Rubinfeuer, Nebelspuk oder Feenwiege fallen einem übrigens nicht einfach so ein. 💭 Die tüftle ich gemeinsam mit Sophie aus – manchmal sitzen wir länger an einem einzigen Namen als an der Farbe selbst, bis er wirklich passt.
Auch die Buchstaben P und G tauchen auf meinem Zettel auf. Sie erinnern mich daran, auf welche Art ich die Farbe in die Wolle bringen möchte – denn die Technik entscheidet ganz wesentlich über das spätere Bild. Das muss ich schon bei der Planung mitdenken.
Und dann kommt meine Farbnummer. Für mich ist sie weit mehr als nur eine Zahl. 🔍
Nehmen wir 16.2.5 als Beispiel. Die erste Zahl, die 16, verrät mir das Material – hier Merinowolle (Superfein) mit Polyamid und Glitzerfaden. ✨ Die zweite, die 2, gehört zu meinem Farbnamen und hilft mir, Farben und Varianten auseinanderzuhalten. Die letzte, die 5, sagt mir: Dies ist bereits das fünfte Farbbad mit diesem Namen. Eine 1 wäre das erste gewesen, eine 5 das fünfte – und so weiter.
So kann ich noch lange nach dem Färben nachvollziehen, was genau geschehen ist: aus welcher Spinnerei die Wolle stammt, wann ich sie gefärbt habe, welche Herstellungsnummer sie dort trug. Aus einem kleinen Zettel mit Zahlen wird auf diese Weise mein persönliches Gedächtnis. 📝
Und eines darf in diesem Plan natürlich nie fehlen: das Holzfeuer. 🔥
So genau ich auch alles in meinen Aufzeichnungen festhalte – einen Knopf zum Drücken gibt es beim Holzfeuer nicht. Ein Holzfeuer lebt. Die Hitze verändert sich, das Wasser reagiert, und ich muss während des ganzen Färbens immer wieder hinschauen, was im Topf geschieht. 👀
Mein Zettel ist die Grundlage für die Färbetage – aber er ersetzt nie meine Erfahrung. Manches wird genau so, wie ich es geplant habe. Und manchmal zeigt mir der Topf etwas ganz anderes. Dann heißt es: beobachten, überlegen, reagieren.
Genau das ist für mich der eigentliche Reiz am Handfärben. Die Planung gibt die Richtung vor. Das Ergebnis aber entsteht erst im Zusammenspiel von Wolle, Farbe, Wasser, Feuer – und meinen Händen. ❤️
Ein Färbetag beginnt für mich deshalb nie erst am Farbtopf.
Die Färbung beginnt bereits mit der Planung. ✏️🧶🔥