08/05/2026
Am Ende der Welt, dort wo die alten Wege Europas im Wind verschwinden, erreichte ich Cape Finisterre.
Die Menschen nennen diesen Ort Fisterra — das Ende der Erde.
Doch als ich dort ankam, verstand ich, dass es niemals das Ende war.
Es war ein Übergang.
Eines Morgens, nach einem Sturm, fand ich am Strand ein Stück Treibholz.
Verdreht, vom Salz gezeichnet, glatt geschliffen vom ewigen Atem des Meeres.
Es sah aus wie ein alter Wanderstab, als hätte der Ozean ihn absichtlich für mich aufgehoben
Tagelang schnitzte ich daran.
Nicht, um etwas Perfektes zu erschaffen — sondern um zuzuhören.
Denn Holz spricht zu denen, die Geduld haben.
An die Spitze setzte ich ein Stück Holz, rund und vom Wasser geformt.
Es sah aus wie ein Gesicht.
Nicht menschlich.
Nicht göttlich.
Eher wie der Ausdruck eines Wesens, das gleichzeitig lacht und schweigt.
Ein alter Fischer sagte mir auf spanisch :
„Das Meer nimmt dir zuerst alles Falsche weg.
Erst danach gibt es dir etwas zurück.“
Erst später verstande ich es, als ich es übersetzt hatte !
Leila und ich gingen weiter entlang der Küste, zwei Wesen, aber ein Rhythmus.
Denn manche Bindungen entstehen nicht durch Sprache.
Sie entstehen durch gemeinsam überstandene Stürme.
Sie hatte Angst in die Wellen zu gehen.
Als ich vor ging, kam sie mir nach,was bedeutet:
„Ich vertraue dir mehr als meiner Angst.“ 🐕
Und irgendwo zwischen Himmel, Meer und Wind verstand ich:
Am Ende der Welt findet man nicht Antworten.
Man verliert nur endlich die Fragen, die nie wirklich wichtig waren.
Beste Grüsse aus Fisterra