31/08/2020
Ich habe mir in den schlimmsten Phasen im Krankenhaus Theatertexte vorgesagt, einfach um zu kontrollieren, ob das noch geht. Das war wie eine Aufforderung an das eigene Hirn, nicht wegzukippen – als würde man es am Kragen schütteln aus Panik. Bereits im Krankenwagen habe ich damit angefangen und ellenlange Passagen aus dem Faust deklamiert. Zehn Jahre war es her, dass ich Mephisto gespielt hatte, und doch war alles wieder da. Als hätte die Angst die verschütteten Zeilen freigesprengt: Schwindet, ihr dunklen / Wölbungen droben! Reizender schaue / freundlich der blaue / Äther herein! ... Der Sanitäter dachte sich bestimmt: Jesus Maria! Wo bin ich denn hier reingeraten? Das ist wirklich das Klischee aller Klischees: Ein Burgschauspieler, der auf dem Weg ins Krankenhaus Goethe rezitiert.
Joachim Meyerhoff ist ein Meister des Theaters und auch darin, sich literarisch zu entblößen. Dann erleidet er einen Schlaganfall. Ein Gespräch über einen Zusammenbruch