18/07/2026
Gerne möchte ich die Sommerpause nutzen, um unser letztes Konzert nochmals etwas näher zu beleuchten.
Lang, lang ist's her
Fünfundzwanzig Jahre sind wahrlich eine echt lange Zeit. So lange hat es jedenfalls gedauert, bis wir in der Dörverdener Kirche unser zweites Konzert geben konnten.
Erster Auftritt am 21. Januar 2001, erneuter Auftritt am 14. Juni 2026. Das bietet mir die Gelegenheit zu einer kleinen Analyse: Was hat sich verändert und was ist geblieben in dieser Zeit?
Starten wir mit dem, was geblieben ist und damit die wichtigste Feststellung: Unser Chor ist immer noch aktiv! Leider kann das nicht von allen Chören und Gesangsgruppierungen gesagt werden.
Die Chorleitung hatte damals immer noch, durchgehend seit der Gründung des Chores (1990), Pastorenfrau Beate Köhler, die bis 2002 blieb, uns also insgesamt 12 Jahre anleitete. Fünf Wechsel in der Chorleitung folgten, bis 2013 Falko Wermuth das Dirigat übernahm und damit nun der Chorleiter mit der längsten „Amtszeit“ ist.
Die insgesamt fünf Chorleiterinnen und drei Chorleiter, mit denen wir zusammen musizieren durften, waren sehr unterschiedlich in ihrem Auftreten und auch in ihren musikalischen Schwerpunkten. Aber stets hat uns der Wechsel weitere musikalische Horizonte eröffnet und somit ein Stück flexibler gemacht.
2001 stand noch auf den Programmzetteln zu lesen, dass „wir es unglaubwürdig fänden, wenn wir versuchen würden, schwarze Gospelsängerinnen und -sänger nachzuahmen, … weil wir zu wenig von dem Gefühl verstehen, das sie in ihre Lieder hineinlegen. … Aber wir singen ihre Lieder als unsere Lieder, weil wir Freude an dieser Musik haben – und weil es uns wichtig ist, die Inhalte der Lieder weiterzugeben.“
Insgesamt zwanzig Lieder standen damals auf dem Programm, das überwiegend aus traditionellen Spirituels, Gospels und Worksongs bestand, für die es sicherlich zutreffend ist, dass wir die Umstände kaum nachvollziehen können, unter denen sie von den Sklaven gesungen wurden.
25 Jahre später formulieren wir es in unseren Programmzetteln, die es also zur Information für das Publikum immer noch gibt, etwas anders: „Was sind eigentlich Gospel? Der „Gospel“ bedient sich zwar gerne wiederkehrender Stilelemente, ist aber an sich kein einheitlicher Musikstil. Man kann sagen, die Antwort ist ebenso vielschichtig wie einfach: Immer, wenn das Lied von der Liebe zu Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist handelt oder der Bibel im Allgemeinen, wenn Leid, Elend oder Freude der Menschen, Liebe, Nächstenliebe oder Vergebung thematisiert werden, dann können Sie von einem Gospel sprechen!"
Dieses Verständnis eröffnet uns die Möglichkeit, auch moderne Musikstücke, die uns aus Filmen und dem Popbereich im Ohr liegen, in unser Programm aufzunehmen. Dazu werden sie mit neuen Arrangementes und textlichen Überarbeitung, die eine christliche Aussage beinhalten, zum Gospel umgestaltet. Gerne bedienen wir uns auch an den Veröffentlichungen der aktuell sehr lebendigen europäischen Gospelszene und ihrer Komponisten.
Diesmal hatten wir insgesammt siebzehn Lieder vorbereitet, die aber in etwa den gleichen Zeitrahmen, ca. zwei Stunden, abdeckten.
Übrigens hat es ein einziges Lied von damals geschafft, auch immer noch aktuell zu sein: Wade in the Water – der Auszug der Israeliten durch das Rote Meer!
Damals drängelten sich rund siebzig Sängerinnen und Sänger im Altarraum zuzüglich sieben Instrumente sowie ein Mischpult die zum Einsatz kamen – eingetragene Mitglieder im Chor seinerzeit: 117!.
Diesmal erfüllten rund dreißig Stimmen, Gitarre, Bass und das Keyboard unseres Chorleiters ebenso erfolgreich den Kirchenraum – eingetragen Mitglieder aktuell 61.
Festzustellen ist jedoch, dass die Anzahl der Solistinnen und Solisten, die in verschiedenen Liedern zum Einsatz kamen, deutlich zurückgegangen ist (14/6).
Die Redaktionsmitarbeiterin der Kreiszeitung, die damals das Konzert verfolgte, beendete ihren Presseartikel wie folgt: „Das Auditorium zeigte sich hingerissen, ehrte die Sänger durch spontane Begeisterung und Standing Ovations und bedankte sich überschwänglich für diesen musikalischen Lichtblick in dunkler Zeit.“
Diese Mitarbeiterin ist zwar immer noch dort tätig, war aber zum neuerlichen Termin verhindert. Ihr Fazit hätte diesmal aber genauso lauten können.