25/09/2018
_Heute vor 112 Jahren, am 25.09.1906, wurde Dmitri Schostakowitsch geboren. Er war einer der bedeutendsten Komponisten Russlands im 20. Jahrhundert.
“Um die Geschichte unseres Landes zwischen 1930 und 1970 nachzuleben, reicht es aus, die Sinfonien von Schostakowitsch zu hören“. Rostropowitsch nannte sinfonischen Schaffen Schostakowitschs eine «Geheimgeschichte Russlands».
Er schrieb dem Regime von Josef Stalin Hymnen und blieb gleichzeitig doch auf Distanz zum Diktatur. Schostakowitsch wurde in der Sowjetunion mal als dekadent und formalistisch kritisiert, mal als der repräsentative Komponist des Sozialismus gefeiert.
“Sie glauben, dass er‚ zerbrechlich, schwach, verschlossen, grenzenlos unkonventionell und rein wie ein Kind sei. Das stimmt nicht ganz. Und wenn es so wäre, hätte seine große Kunst nicht entstehen können. Er ist durchaus auch so, wie Sie sagen. Aber er ist zugleich hart, bissig, ungewöhnlich klug, wahrscheinlich stark, despotisch und nicht ganz so gut. […] Man muss ihn auch von dieser Seite sehen. Erst dann kann man irgendwie seine Kunst verstehen.” Schrieb sein Freund in einem Brief.
Neben 15 Sinfonien, Instrumentalkonzerten, Bühnenwerken und Filmmusik komponierte er 15 Streichquartette, die zu den Hauptwerken des Kammermusikrepertoires aus dem 20. Jahrhundert zählen.
_Das bekannteste von seinen Streichquartetten, Nr.8, in der bearbeitung für Kammerorchester hören Sie in unserem nächsten Konzert am 28.09.18
_Es ist ein düster-komplexes Werk, mit dem Schostakowitsch persönliche Erinnerungen an Verfolgung, Gängelung und Krieg musikalisch reflektierte und dabei auf verschiedene Motive eigener Kompositionen zurückgriff. Er zitiert seine 1., 5. und 8. Sinfonien, Oper “Lady Macbeth”, Klaviertrio Nr.2 und ein allen Russen bekanntes Lied: "Erschöpft durch die Härte des Gefängnisses". Laut den Memoiren sagte er: „Das Warten auf die Exekution ist eines der Themen, die mich mein Leben lang gemartert haben, viele Seiten meiner Musik sprechen davon.“
“… ich [habe] ein niemandem nützendes und ideologisch verwerfliches Quartett geschrieben. Ich dachte darüber nach, dass, sollte ich irgendwann einmal sterben, kaum jemand ein Werk schreiben wird, das meinem Andenken gewidmet ist. Deshalb habe ich beschlossen, selbst etwas Derartiges zu schreiben. Man könnte auf seinen Einband auch schreiben: “Gewidmet dem Andenken des Komponisten dieses Quartetts”.
Obwohl Schostakowitsch behauptete, er könne das Achte Quartett nie ohne Tränen hören, ist das Werk nicht selbstmitleidig.Es geht über den individuellen Schmerz hinaus, um alle menschlichen Verzweiflungen anzugehen. Die Qual, die sie ausspricht, ist die tragische, menschliche Agonie all jener, die schwere Verluste erlitten haben, sei es durch Faschismus, Krieg oder persönliche Trauer. Schostakowitschs Achtes Streichquartett resoniert mit dieser bitteren universellen Erfahrung; es ist wirklich "Musik, die mit dem Blut des Herzens geschrieben wurde"; deshalb ist es ein Meisterwerk des zwanzigsten Jahrhunderts.