26/11/2025
💡𝗩𝗼𝗺 𝗪𝗼𝗿𝘁 𝗜𝗺𝗮𝗴𝗼 – 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝘄𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗜𝗺𝗮𝗴𝗼 𝗜𝗺𝗮𝗴𝗼 𝗵𝗲𝗶ß𝘁 💡
Ja, die Biologie hatte zeitlich die Nase vorn. Schon 1767 führte der Biologie-Pionier Carl von Linne den Begriff Imago als wissenschaftlichen Fachbegriff in der Insektenkunde ein: Imago als die „wahre Gestalt“ eines ausgewachsenen Schmetterlings 🦋, im Gegensatz zu seinen Raupen 🐛, seinen sozusagen noch „verkleideten“ Vorstufen. Also das voll entwickelte Insekt als echtes Abbild oder eben Imago im Schöpfungsplan. Diese Bedeutung hat der Begriff Imago in der Biologie übrigens bis heute.
140 Jahre länger hat es gedauert bis durch Carl Gustav Jung der Begriff Imago in die Psychologie eingeführt wurde. In „Wandlungen und Symbole der Libido“ (1912) gab er Imago eine gänzlich neue Bedeutung: Die inneren Bilder bedeutender Bezugspersonen (meist der Eltern), die das Unbewusste des Menschen prägen. Jung schrieb: „Das Imago ist kein Abbild der wirklichen Eltern, sondern ein subjektives, affektiv gefärbtes Bild.“ Damit sind wir schon nahe an dem dran, was wir unter Imago verstehen: Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts und dann vor allem 1988 mit der Erstausgabe „Getting the Love You Want“ schärften Harville Hendrix und Helen LaKelly Hunt die Jungsche Definition von Imago auf unbewusste Kindheits-Beziehungsbilder und deren Einfluss auf die Partnerwahl. 💞
Wir können nur spekulieren, warum C.G. Jung den Begriff Imago wählte – nur spärlich hat er sich dazu geäußert. Bekannt ist, dass er die Bezeichnung „Bild“ oder „Erinnerung“ ablehnte, da ihm diese alltäglichen Begriffe zu stark mit Bedeutungen und Assoziationen besetzt waren. Imago als vergleichsweise neutrales Wort konnte es wohl am besten: die Bedeutung der unbewusst prägenden Beziehungserfahrungen transportieren. 🧠
Und so koexistieren heute die Begriffe Imago in Biologie und Psychologie friedlich nebeneinander und unterscheiden sich heute außer in ihrer Bedeutung auch grammatikalisch, wenn es um die Mehrzahl geht: Imagos heißt es bei uns – Imagines in der Biologie. Und ganz ehrlich… da Imago ein lateinisches Wort ist, hat grammatikalisch eigentlich wieder die Biologie die Nase vorn. 😉