01/05/2022
WER WAR LOUIS MOREAU GOTTSCHALK?
Louis Moreau Gottschalk, ein wahrhaft kosmopolitischer Komponist und Klaviervirtuose, der in Nord- und Südamerika auftrat, war in Brasilien sehr beliebt. Er ist ein New-World-Gegenstück zu Franz Liszt mit starken Affinitäten zu tropischen Breiten, daher TROPICALISZT. Louis Moreau Gottschalk (1829-1869) wurde in New Orleans geboren, er studierte in Paris, wo er Georges Bizet und Camille Saint-Saëns kennenlernte. Zurück in Louisiana begann er eine pianistische Virtuosenkarriere, die ihn quer durch das Land, in die Karibik und nach Südamerika führte. Dieser „tropische Liszt“ reiste mit zwei Klavieren, einem Klavierstimmer und seinem Impresario in Sonderzügen. Er wurde in Salons, in Theatern und Königshäusern, auf offenen Plätzen und an Strandpromenaden gefeiert.
Die Parallelen mit dem Leben seines Zeitgenossen Franz Liszt sind unverkennbar. Während Liszt ungarische „Zigeunermusik“ als Inspirationsquelle diente, war Gottschalks Musik von den afro-amerikanischen Rhythmen und Melodien der Südstaaten getränkt. Dies drückt sich bereits in Titeln wie „Bamboula“ oder „Banjo“ aus. Kompositionen wie „Souvenir de Puerto Rico“ sind musikalische Signaturen aus den Ländern, die er bereiste. Gottschalks „Grand Fantaisie Triomphale Sur L'Hymne National Bresilien“, eine virtuose Improvisation über die brasilianische Nationalhymne, sowohl für Piano Solo als auch in einer Fassung für Klavier und Orchester, begeisterte in Rio de Janeiro den brasilianischen Kaiser Dom Pedro II samt seines gesamten Hofstaats. Beide, Liszt wie Gottschalk, legten Tausende von Kilometer auf Konzertreisen zurück. Sie waren beide spieltechnisch, musikalisch, geistig und an stilistischer Offenheit ihrer Zeit weit voraus.
Diese musikalische Weltläufigkeit soll im 150. Jubiläumjahr der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar mit „Tropicaliszt“ gewürdigt werden. Dazu treffen sich Studierende des Instituts für Klavier unter Prof. Thomas Steinhöfel, Studierende der Musikwissenschaft unter Prof. Tiago de Oliveira Pinto und Medienkünstler der Bauhaus Universität unter Prof. Micky Remann (Immersive Medien) zu einem multimedialen Projekt, bei dem mehrere Klaviere erklingen, mit Musik von Gottschalk und Liszt. Zugleich werden die Musikstücke in 360° Projektionen visualisiert und auf das vom Fraunhofer Institut entwickelte SpatialSound System übertragen. Die bewegten Visualisierungen werden von den Bauhausstudierenden für jedes Stück eigens kreiert. Die hochschulübergreifende Zusammenarbeit knüpft an gemeinsame Projekte zwischen Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und der Bauhaus-Universität Weimar an, namentlich „Visualisierte Musik“ (2018) und „Cirque du Bauhaus“ (2019). Die Uraufführung von „Tropicaliszt“ findet zur Eröffnung des 16. FullDome Festivals am 11. Mai 2022 im Zeiss-Planetarium Jena statt.
https://www.tropicaliszt.de/