23/08/2026
Zum 34. mal jähren sich die rassistischen Angriffe in Rostock-Lichtenhagen.
Der Angriff auf das „Sonnenblumenhaus“ in Rostock-Lichtenhagen, das größte Progrom in Deutschland nach 1945 fiel in eine Welle rassistischer Gewalttaten, zu der unter anderem schwere Ausschreitungen in Hoyerswerder und Mannheim-Schönau fielen.
Hunderte Menschen versammelten sich vor dem mehrstöckigen Plattenbau, skandierten „Deutschland den Deutschen - Ausländer raus“, attackierten das Gebäude mit Steine und Molotow-Cocktails, setzten es anschließend in Brand.
Der Stadtteil Rostock-Lichtenhagen avanciert zu einem Topos und ist bis heute der symbolische und prägende Katalysator für ein nach 1945 neues, „rechtes“ Selbstbewusstsein.“
Weniger Entsetzen über die Gewalt, dafür Debatten über Asylpolitik und die hohe Zahl der Asylsuchenden, die direkt mit den gewalttätigen Exzessen in Verbindung gebracht wurden.
„Wir müssen handeln gegen den Missbrauch des Asylrechts, der dazu geführt hat, dass wir einen unkontrollierten Zustrom in unser Land bekommen haben.“
Ähnlich die Kommentare der Bürger*innen vor laufender Kamera. Rassistische Argumentationsmuster, die nicht nur von Rechtsextremen, sondern zum Teil auch von demokratischen Parteien und Medien propagiert wurden.
Staatliche Reaktionen durch Polizei und Justiz gegen die rassistischen Gewalttäter und die schweigende Mehrheit? Nur zögerlich.
Bis heute hat keine wirkliche Aufarbeitung über das strukturelle Versagen der politisch Verantwortlichen stattgefunden.
Der letzte Lichtenhagen-Prozess begann erst zehn Jahre nach den Ausschreitungen.
Ebenso gibt es bis heute keine Entschädigung für die Opfer des Angriffs - bis 1997 mussten sie um ihre Aufenthaltserlaubnis kämpfen.
Lediglich Bewährungsstrafen für die drei Angeklagten - symbolhaft für den Gewaltmob, symbolhaft für das juristische Versagen.
Rostock- Lichtenhagen stellt kein singuläres Ereignis dar, sondern ist der Höhepunkt einer Serie ähnlicher Ausschreitungen, in deren Verlauf temporäre rechte Dominanzräume entstanden und bis heute existieren.