Initiative Jazz Braunschweig e.V.

Initiative Jazz Braunschweig e.V. Initiative Jazz Braunschweig e.V. Liebe Jazzfreunde! Heute gehören ihr etwa 100 Mitglieder an. Die Musiker-Initiative organisiert etwa 10 Konzerte pro Jahr.

Zeitgenössischer Jazz ist in Braunschweig schon lange von größerer Bedeutung: bereits 1978 wurde die Musikerinitiative Braunschweig e.V. gegründet, ein als gemeinnützig anerkannter eingetragener Verein, der sich die Förderung des modernen Jazz und der Weltmusik zum Ziel gesetzt hat. Der Name "Musiker-Initiative" mag etwas verwirren, steht doch der Verein grundsätzlich allen Interessierten offen -

Musikern wie Laien, Jazz-Enthusiasten wie Liebhabern der improvisierten Musik; doch es waren vorwiegend Jazz-Musiker, die die Musiker-Initiative seinerzeit gegründet haben. Als Veranstaltungsorte sind in erster Linie das Städtische Museum, das Staatstheater, der Burgplatz, die Paulikirche, der Braunschweiger Dom, die NORD/LB in der Dankwardstraße und das Piccolo Theater Lindenhof zu nennen. Zudem betreibt die Musiker-Initiative in Zusammenarbeit mit der "Baßgeige" am Bäckerklint seit Jahren eine erfolgreiche Nachwuchsförderung durch die Organisation von Sessions. Seit 30 Jahren hat die Musiker-Initiative einem breiten Publikum kontinuierlich Stars aus der Jazzszene präsentiert. Stellvertretend für die vielen renommierten nationalen und internationalen Künstler seien genannt:

Albert Mangelsdorff, Ray Anderson, Art Ensemble Of Chicago, Carla Bley, Ray Brown, Gary Burton, Betty Carter, Jack DeJohnette, Wolfgang Dauner, Peter Erskine, Richard Galliano, Jan Garbarek, Stephane Grapelli, Dave Holland, Elvin Jones, Diana Krall, Joachim Kühn, John McLaughlin, Pat Metheny, Gary Peacock, John Scofield, Ralph Towner, Nils Wogram und Joe
Zawinul. Neben diesen etablierten Künstlern bietet die Musiker-Initiative auch den Jazz-Musikern ein Forum, die auf künstlerisch hohem Niveau noch an der Schwelle einer von der Fachpresse bereits aufmerksam beobachteten Karriere stehen. So fand auch das Jean-Michel Pilc Trio, das Frank Spaniol Quartett, Mark Wyand oder Silke Eberhards "mohnmarzipan" hier in Braunschweig ein begeistertes Publikum.

12/06/2026

Initiative Jazz Braunschweig e.V. proudly presents:

Chettin’5: More from Chet and Stan
(Regio-Konzert)
Freitag, 19. Juni 2026 | 20:00 Uhr
Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Walter Kuhlgatz – Trompete/Gesang
Karle Bardowicks – Tenorsaxophon
Elmar Vibrans – Klavier
Heinrich Römisch – Kontrabass
Maximilian Schneider – Schlagzeug

Die Musik der Jazzgiganten Chet Baker und Stan Getz ist zeitlos und unvergessen. Jeder für sich hinterließ ein beeindruckendes musikalisches Vermächtnis.
Standen sie gemeinsam auf der Bühne bildeten sie in einem Spannungsfeld aus emotionaler Zerbrechlichkeit auf der einen und kühler Eleganz auf der anderen Seite eine wunderbare musikalische Symbiose.
Besonders in Erinnerung geblieben sind die Stockholm-Konzerte in den 80er Jahren. Chettin’5 folgt den Spuren dieser Ausnahmekünstler und ihrer Zusammenarbeit auf eigene Weise.
Alle Musiker sind aus Braunschweig und in der hiesigen Jazz-Szene und darüber hinaus bekannt. Walter Kuhlgatz, Elmar Vibrans und Heinrich Römisch haben sich schon seit vielen Jahren als Trio den unvergessenen Standards Chet Bakers verschrieben.
Durch die Erweiterung zum Quintett mit dem großartigen Tenorsaxophonisten Karle Bardowicks und Maximilian Schneider am Schlagzeug wird der musikalische Bogen weiter gespannt. Die Zuhörer erwartet atmosphärisch dichter moderner Jazz, intensiv, swingend, cool, zupackend, melancholisch…

» Videos / Musik
Karten:
• Musikalien Bartels, Braunschweig, Wilhelmstraße 89, Tel.: 05 31 / 12 57 12
• Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden, Tel.: 05 31 / 1 66 06
• Applaus Kulturproduktionen, Tel.: 01 63 / 258 33 58,
Online über applaus.online-ticket.de
• Abendkasse
Eintritt:
Abendkasse 20 € / ermäßigt 15 € / Schüler*innen, Auszubildende,
Studierende, FSJler*innen, BFDler*innen 10 €

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

12/06/2026

RIP: James „Blood“ Ulmer

In New York ist am 3. Juni der Gitarrist James „Blood“ Ulmer gestorben. Mit seinem unverwechselbaren, schroffen Stil bildete er den Missing Link zwischen freiem Jazz und Blues. Ulmer war der erste elektrische Gitarrist in der Band von Ornette Coleman und einer der exponiertesten Adepten von dessen Spielsystem Harmolodics. Obwohl sein abstrakter, fraktaler Stil mit der wieselflinken Gitarrenmagie von Jimi Hendrix kaum etwas zu tun hatte, wurde er offen als dessen Nachfolger gehandelt, was zum Teil am ähnlichen Stimmtimbre lag. Die andere Parallele war die Verschränkung von Innovation und Tradition in seinem verzerrten Gitarrenspiel, das selbst in freitonalen Exkursionen im Blues wurzelte.

Willie James „Blood“ Ulmer gab 1940 als sein Geburtsjahr an, wurde aber womöglich erst im Februar 1942 in St. Matthews, South Carolina geboren. Er war das älteste von acht Kindern, sein Vater James David Ulmer war baptistischer Prediger und schenkte Willie James seine erste Gitarre. Seine Lehrjahre verbrachte Ulmer als Sideman von R&B- und Soul-Jazz-Künstlern in Pittsburgh, Columbus und Detroit, bevor er 1971 nach New York zog. Hier spielte er unter anderem mit Art Blakey, Rashied Ali und vor allem den Saxofonisten Ornette Coleman und Arthur Blythe. Die Mitwirkung an dessen Alben für Columbia verschaffte Ulmer selbst einen Vertrag mit dem Major-Label, wo er von 1981 bis 1983 drei LPs veröffentlichte, die seinen Namen weit über New York hinaus etablierten. Free Funk war damals ein Buzzword, und Ulmers vorwärtsdrängende Arrangements aus seelenvollem Call & Response und halluzinatorischen Akkordschraffuren passten dazu wie die Faust aufs Auge. Hardcore-Fans bevorzugen das bereits 1980 auf Rough Trade veröffentlichte, ruppigere Mini-Album „Are You Glad To Be In America?“. Seinem Durchbruch als Solokünstler folgte eine Phase emsiger Tour- und Studio-Arbeit, wobei sich letztere vor allem in zahlreichen Veröffentlichungen auf dem japanischen Label DIW niederschlug. Live war er mit Colemans Prime Time, der eigenen Band Odyssey und dem Music Revelation Ensemble (mit David Murray, Pharoah Sanders und John Zorn) unterwegs.

Konstant passte Ulmer seinen Stil allen erdenklichen Konstellationen an, ohne sich jemals selbst anzupassen. Die Saiten schlug er ausschließlich mit dem Daumen an, seit seiner Zeit mit Coleman stimmte er zudem alle sechs auf den gleichen Ton, was ihm erlaubte, zwischen ein- und mehrstimmigen Single-Lines zu changieren und dabei im Dauerkontakt mit dem archaischen Blues zu bleiben. Auf dem Album „Music Speaks Louder Than Words“ interpretierte er 1996 die Kompositionen seines Mentors Coleman. Als zweiter Frühling seiner Studio-Karriere gelten die vornehmlich dem Blues verpflichteten Alben „Memphis Blood: The Sun Session“ 2001 und „No Escape From The Blues: The Electric Lady Sessions“ 2003, die beide von Vernon Reid produziert wurden, sowie „Blue Blood“ 2001 mit Keyboarder Bernie Worrell, Pianistin Amina Claudine Myers und Bill Laswell als Bassist und Produzent. The Roots holten ihn 2002 für die experimentelle „Water“-Suite vom Album „Phrenology“. Auch als es hernach stiller um ihn wurde, blieb Ulmer produktiv. Für eine Ehrenrunde mit dem skandinavischen Garagenjazz-Trio The Thing kehrte er 2015 noch einmal zu seinem zersplitterten, harmolodischen Spiel zurück, was auf dem Album „Baby Talk“ 2017 dokumentiert wurde. Seinen letzten öffentlichen Auftritt absolvierte er 2024 auf dem Detroit Jazz Festival. Ulmers Tod bestätigte seine Familie in einem Social-Media-Statement mit den Worten: „Seine Musik war furchtlos, ebenso wie sein Geist.“

Text Eric Mandel

10/06/2026
09/06/2026

Harriet Tubman & Georgia Anne Muldrow
Electrical Field Of Love: PI Recordings/Integral

Die Supergroup Harriet Tubman neigt nicht zu Schnellschüssen. In knapp drei Jahrzehnten bringt es das Trio mit Gitarrist Brandon Ross, Bassist Melvin Gibbs und Drummer JT Lewis gerade mal auf ein halbes Dutzend Alben. Der Power-Jazz-Rock der Formation steht seit jeher in der Tradition der Jimi Hendrix Experience, und auch diesmal trägt sie diese Energie erfolgreich ins 21. Jahrhundert. Die entscheidende Veränderung ist die Erweiterung ihrer Besetzung um die Sängerin und Laut-Poetin Georgia Anne Muldrow, die über ein weites Spektrum an vokalen Möglichkeiten von schamanistischer Beschwörung über halsbrecherische Stimmakrobatik bis hin zu klarem Jazzgesang verfügt. Damit fügt sie sich wunderbar in die Band ein, deren Instrumente sie in ihrer Stimme amalgamiert, als würde sie mit ihnen nach Belieben jonglieren. Mit unglaublicher Power und ebensolchem Drive vermitteln die vier zwischen Avantgarde und Alter Garde. Indem jede und jeder der Gruppe die jeweils drei anderen beständig vor sich hertreibt, kommt eine sich stetig steigernde Spannung zwischen klassischem Jazz-Fock, Free-Funk und Afrofuturismus auf.

Text Wolf Kampmann, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 08. Jun 2026

09/06/2026

Stefan Schöler Trio: Psalm B
Double Moon/Bertus

Dieses Trio swingt. Aber im Gegensatz zu konventionell swingenden Pianisten beherzigt Stefan Schöler eine befreite, erweiterte Tonalität. Man hört darin den Einfluss eines Paul Bley, eines John Taylor. Schölers Klavierphrasierung ist melodisch und klar, gleichzeitig aber abstrakt und eigensinnig – diese reife Stilistik überzeugt von Anfang bis Ende. „Psalm B“ ist das Nachfolgealbum zu „Folklore“ von 2024 – dort war noch das Stück „Psalm A“ zu hören. Erneut erhält Schöler kompetente Unterstützung durch Lukas Keller (Bass) und Simon Bräumer (Drums). Erneut präsentiert dieses Trio acht Stücke von Schöler und einen einzigen Jazzstandard – diesmal ist es „Stella By Starlight“. Mit „Bob Chigarillo“ und „Was du nachher noch gesagt hast“ gehören zwei kompakte, schnelle Swingnummern zum Programm, mit „Romanze vom Wald“ und „Ronny & Francesko“ zwei bewegend schöne Balladen. Und im Schlusstitel „Psalm C“ kommt zudem noch der Country-Gospel-Groove des frühen Keith Jarrett zum Tragen. Sicherlich eines der hörenswertesten Pianotrio-Alben des Jahres.

Text Hans-Jürgen Schaal, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 08. Jun 2026

09/06/2026

Dave Holland / Norma Winstone / London Vocal Project
Vital Spark (Music Of Kenny Wheeler)
Edition/H'Art

Es ist in erster Linie eine englische Initiative. Dave Holland, Norma Winstone, das London Vocal Projekt sowie andere beteiligte Musiker wie Nikki Iles, James Maddren, Mark Lockheart, John Paricelli und sogar das Label – sie alles stammen von der britischen Insel und wollten einem unscheinbaren Giganten und Freund noch einmal die Ehre zu erweisen. Kenny Wheeler inspirierte sie alle, die meisten durften mit ihn arbeiten, nun wollten sie mit einer Auswahl aus seinen letzten Kompositio-nen den typischen Wheeler in die Gegenwart transferieren, seine lyrische, aber unsentimentale, stets harmonisch reichhaltige und doch weitläufige Kraft. Für „Vital Spark“ schrieb Winstone neue Texte, auch des Trompeters Vertonungen von Gedichten von Stevie Smith, Lewis Carroll und William Blake finden sich darunter, während Peter Churchill behutsame Arrangements baute und Holland einige seiner wärmsten Soli aus seinem Bass fließen ließ. Dass allerdings erst Winstone und der Chor den Werken des 2014 verstorbenen Melancholikers eine emotionale Tiefe verleihen, überrascht doch. Und es weckt die Lust darauf, mal wieder „Gnu High“ in den Player zu legen.

Text Reinhard Köchl, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 08. Jun 2026

07/06/2026

Jeff Parker ETA IVtet: Happy Today
International Anthem/Indigo

Läuft für Jeff Parker. Neue Alben mit Tortoise und Chilli-Peppers-Bass-Kobold Flea; und dann diese Quartett-Platten! „Happy Today“ ist das dritte Live-Album seines ETA IVtet, erstmals nicht mehr in einer Cocktail-Bar, sondern in einem 500er-Raum in Los Angeles eingespielt. Groove-basierte Improvisationen, Songs, die je eine Vinylseite einnehmen, warm und dicht aufgenommen. Was Saxofonist Josh Johnson spielt, klingt nach den Loops, die Labelkollege Makaya McCraven bastelt – nur dass hier alles unbearbeitet geblieben ist. Die Rhythm-Section mit Anna Butterss (Bass) und Jay Bellerose (Drums): locked in wie nach Jahrzehnten im Proberaum. Gitarrist Parker soliert sensationell zurückhaltend. Das Album solle ein „Statement of joy“ angesichts des Elends sein, sagt der Bandleader, lächelnd auf dem Cover abgebildet. Echos von LoFi-HipHop, obskuren Soul-Jazz-Platten, Downbeat Jams. Jeff Parker ist auf dem Zenit seiner Kunst.

Text Jan Paersch, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 04. Jun 2026

07/06/2026

Aki Rissanen: Imaginary Mountains
Edition/H'Art

Klavier und E-Piano spielt der finnische Pianist Aki Rissanen auf „Imaginary Mountains“ und macht damit deutlich, dass es sich nicht um ein übliches Klaviertrio handelt. Ganz im Gegenteil, mit seinen Landsleuten, dem Bassisten Antti Lötjönen und dem Schlagzeuger Teppo Mäkynen, bringt er im Titeltrack HipHop-Beats und musikalische Figuren aus der Minimal Music ins Spiel, das dem Übervater dieser Musik Erik Satie gewidmete „For E“ (Satie verwendete Ostinati-Wiederholungen) steckt zum Beispiel voller Opulenz und Variantenreichtum. „Black Narcissus“ wiederum hat mit dem bekannten Song (und Album) von Joe Henderson nichts zu tun (oder vielleicht doch?), sondern beinhaltet lässige Beat-Verschleifungen von Mäkynen, über die Rissanen seine Töne und Akkorde legt. Mit „1905″ ist auch eine Ballade dabei, das ebenfalls mit einer Jahreszahl betitelte „2025″ hört sich dagegen ganz anders an: brüchig, kantig – und frei.

Text Rolf Thomas, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 04. Jun 2026

07/06/2026

Marilyn Crispell / Anders Jormin
Memento. ECM/Universal
Dass die Chemie stimmte, wussten Marilyn Crispell und Anders Jormin schon bei ihrer ersten Begegnung. Als sie das Spiel des Bassisten Jormin hörte, habe das eine Saite in ihr zum Schwingen gebracht, erinnert sich die Pianistin Crispell. Und weil gut Ding eben Weile haben will, dauerte das erste Duoprojekt so lange. Nun aber gibt es „Memento“. Und es drängt sich die Frage auf, wie ein perfekt harmonierendes Zweiergespann eigentlich klingen sollte. Wahrscheinlich genau wie hier. Denn Klavier und Kontrabass erschöpfen sich nicht in egoistischen Monologen, auf die man bestenfalls eine Antithese setzen könnte. Es geht ums Zuhören, ums Reflektieren, um Gedanken, die weitergesponnen werden, auch um Pausen an der richtigen Stelle. Bestes Beispiel: Crispells „The Beach At Newquay“, in der das Piano Sonnenspiegelungen des Meeres an der Küste von Cornwall skizziert, zu denen Jormins hochgestimmter Arco-Bass Möwenschreie heraufbeschwört. Jeder Ton zählt, kann nicht zurückgenommen werden, was die Angelegenheit nicht gerade zum unmittelbaren Hörvergnügen erhebt. Aber die Musik klingt nach wie ein Ohrwurm. Komisch und doch irgendwie faszinierend.

Text Reinhard Köchl, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 04. Jun 2026 um 07:59 Uhr

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