Zur freundlichen Erinnerung

Zur freundlichen Erinnerung Studentenphotographien aus alten Zeiten. Teilweise gehen die Bilder dann auch durch Tausch oder Verkauf an andere Sammler oder an die jeweiligen Verbindungen.

Seit einigen Jahren sammle ich historische Studentenphotographien, insbesondere solche, auf denen Angehörige von Studentenverbindungen zu sehen sind. Ich habe mir aber zur Gewohnheit gemacht, von allen Bildern auch aussagekräftige Ablichtungen zu behalten. Hier nun eine Auswahl. Die Alben werden ständig ergänzt. Die Erstellung der Texte erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen, in der Regel nach de

n online und in der einschlägigen Korporationsliteratur verfügbaren Informationen. Wer zusätzliches Wissen zu den Abbildungen oder Korrekturen zu den Angaben beisteuern kann ist herzlich aufgerufen, mir diese zukommen zu lassen. Ach ja, der Titel dieser Seite leitet sich von der gängigen Widmung auf der Rückseite der Portraits her, denn diese endete in der Regel mit den manchmal auch abgekürzten Wörtern "...zur freundlichen Erinnerung!"

Viel Spaß beim Stöbern!

Portrait-Doppel: stud. med. Arno Kindler als Angehöriger des Universitäts-Sängervereins zu St. Pauli Leipzig - heute Lei...
09/09/2026

Portrait-Doppel: stud. med. Arno Kindler als Angehöriger des Universitäts-Sängervereins zu St. Pauli Leipzig - heute Leipziger Universitätssängerschaft zu St. Pauli in Mainz.

Das Kniestück wurde 1883, das Brustportrait 1882 dediziert. Es handelt sich um schöne Belege dafür, daß man als Student damals nicht nur einmal ins Photostudio ging und im Kreise der Bundesbrüder, Kommilitonen, Verwandten, Freunde und Bekannten ein reger Tausch solcher Bilder stattfand.

Kindler wurde 1861 in Sayda im Osterzgebirge geboren. Sein Vater Karl Heinrich war Beamter für Grundbuchangelegenheiten. Arno hatte mindestens zwei Brüder: Hugo (geb. 1859) und Camillo (geb. 1874), die als Studenten auch dem Leipziger Paulus beitraten und beide später Richter wurde.

Die drei besuchten interessanterweis - teils parallel - verschiedene Gymnasien, wie das in Freiberg, die Thomasschule in Leipzig, das Gymnasium zum Heiligen Kreuz in Dresden oder das Gymnasium Dresden Neustadt.

Beruflich war Arno Kindler als Arzt in Rodewisch, Schneeberg, Marienberg und zu Beginn der 1920er in Flöha tätig. Er ist vermutlich vor 1928 verstorben, da er im Gesamtverzeichnis der Alten Herren der Deutschen Sängerschaft 1928/29 nicht mehr aufgeführt wird.

Portrait-Doppel: Lorenz Süßmann – Corps Bavaria WürzburgDie Photographien zeigen den Medizinstudenten 1882 als Renonce (...
08/09/2026

Portrait-Doppel: Lorenz Süßmann – Corps Bavaria Würzburg

Die Photographien zeigen den Medizinstudenten 1882 als Renonce (links) und als Corpsburschen. Der damaligen Mode der sehr hochgeschlossenen Sakkos geschuldet, wird das Couleurband schon fast am Hals getragen. Auf beiden Bildern erkennt man eine Krawattennadel, die wohl mit einem kleinen Wappenschild, vielleicht mit Verbindungsfarben und/oder Zirkel verziert ist. Auch die ziemlich kleinen Mützen waren damals modern.

Geboren wurde Süßmann 1861 als Sohn eines Lederhändlers in Bamberg. Dort besuchte er die „Königliche Studienanstalt“, besser bekannt unter dem seit 1890 geläufigen Namen „Altes Gymnasium“ (heute Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg.

1882 wurde er bei Bavaria recipiert. Seine Dissertation „Beitrag zur Casuistik der angeborenen Rechtslagerung des Herzens“ erschien 1887 in Erlangen. Damals war er bereits Arzt in seiner Vaterstadt, wo er 1913 verstarb.

Süßmann war Beteiligter in einem recht großen Mensurenprozeß, welcher ihm vier Monate Festungshaft einbrachte.

Im Sommersemester 1883 kam es in Würzburg nach einer Mensur zu einer Pistolenforderung eines der Paukanten vom Corps Bavaria (Eugen Lennig aus Philadelphia/U.S.A.) gegen den Unparteiischen von Moenania (Ernst Moschel aus Germersheim). Letzterer verstarb an einer tödlichen Wunde, welche er im folgenden Duell erhalten hatte. Im Rahmen der Untersuchungen „unternahm die Polizei einen schuftigen Streich“, wie es der Chronist des Corps Rhenania nannte: man beschlagnahmte – angeblich im Rahmen einer Haussuchung bei einem Chargierten der Nassovia – die S.-C.- und Ehrengerichtsprotokolle, sowie Paukbücher.

Die Strafen für die dadurch ans Licht gekommenen Zweikämpfe fielen mit 12 Tagen bis zu 5 Monaten Festung sehr unterschiedlich aus. Die Zumessung richtete sich nach der Zahl und Schwere, also auch daraus, ob Schläger-, Säbel- oder Pistolen die jeweilige Waffe waren. Die vier Monate für Süßmann resultierten aus vier Vergehen, darunter eine Partie Schläger mit dem verblichenen Morschel.

Die Berichterstattung zu dieser Angelegenheit war sehr umfangreich und detailliert. So wurden z. B. in der Augsburger Abendzeitung im Bericht über die Urteilsverkündung alle Angeklagten mit Name, Herkunftsort, Studienfach und Corpszugehörigkeit aufgelistet. Der Vater des verstorbenen Moschel, der selbst in den 1850ern beim mit Bavaria befreundeten Corps Baruthia in Erlangen aktiv war, wandte sich in einem offenen Brief an die Würzburger Corps und beklagte sich über die nach seiner Ansicht irregulären Abläufe in der ganzen Sache. Wie bis heute immer sind die Zeitungsberichte allerdings mit Vorsicht zu genießen. Dort wurde z. B. unwidersprochen das Argument des Vaters aufgenommen, daß Lennig gar nicht immatrikuliert gewesen sei und nie bei Bavaria hätte aufgenommen werden dürfen. Dieser findet sich aber u.a. in den heute online zugänglichen Studentenlisten 1880 und 1882 der Würzburger Universität...

Lennig, floh in die Schweiz, was Moschel sen. zu Recht kritisierte, da sich Schützen bei solchen tödlichen Vorfällen in der Regel sofort den Behörden stellten. Die Eidgenossen lieferten ihn nicht an Bayern aus, weil das entsprechende Abkommen mit dem Deutschen Reich bei Duellvergehen nicht griff. Er beging zwei Jahre später in Zürich Selbstmord.

https://www.fallrecht.ch/c1009252.pdf

Das schöne Couleurbild zum Sonntag: Karl Randel, Sängerschaft Fridericiana Halle.Christian Andreas Heinrich Karl Randel ...
06/09/2026

Das schöne Couleurbild zum Sonntag: Karl Randel, Sängerschaft Fridericiana Halle.

Christian Andreas Heinrich Karl Randel wurde 1874 in Leopoldshall als Sohn eines Kaufmanns geboren. Der Ort im Anhaltinischen war erst 20 Jahre zuvor auf dem Gebiet der Gemeinde Neundorf gegründet worden, nahm aber durch die örtliche Stein- und Kalisalzindustrie einen rasanten Aufschwung. Ein Jahr vor seiner Geburt erlangte Leopoldshall die Selbständigkeit.

Als weiterführende Schule besuchte Randel das „Pädagogium zum Kloster Unserer Lieben Frauen“ in Magdeburg. Nach der Reifeprüfung zu Michaelis 1894 immatrikulierte er sich gleich für evangelische Theologie in Halle und wurde als einer von 16 Füchsen beim Studentischen Gesangverein Fridericiana aktiv.
Die Fridericiana zählte damals 50 Aktiven am Ort (Burschen und Füchse – ohne Inaktive!).

Die einem Bundesbruder zu Weihnachten 1896 dedizierte Photographie ist insofern interessant, als die Verbindung erst im Januar d. J. den studentischen Dreifarb anlegte. Zuvor trug man lediglich eine einfarbige blaue Unicolorenmütze,

Corps Bavaria Erlangen – Pauktag in Wellerstadt 1892Wie damals bei allen Erlanger Verbindungen üblich, focht man in den ...
04/09/2026

Corps Bavaria Erlangen – Pauktag in Wellerstadt 1892

Wie damals bei allen Erlanger Verbindungen üblich, focht man in den Dörfern des Umlandes. Man versuchte so, der Verfolgung durch Polizei und Universitätsbehörden zu entgehen, waren Mensuren doch offiziell verboten.

Dem Ansinnen, bei diesen „Exkursionen“ in die Umgebung nicht allzu auffällig zu erscheinen, ist wohl auch der Umstand geschuldet, daß man nicht die typische Couleurmütze, sondern zivile Kopfbedeckungen trug. Dies ist auch auf anderen zeitgenössischen Bildern zu sehen, wo im Sommer der Strohhut eine beliebte Alternative war. Im Februar erkennen wir auch einige Pelzmützen, leider nicht im richtigen Winkel um sicher sagen zu können, ob es sich vielleicht um die damals auch in Erlangen getragenen Pelztönnchen handelt. Die Herren von der örtlichen Einwohnerschaft tragen diverse andere Modelle. Man erkennt denke ich Strickmützen, Filzkappen und -hüte und auch ein sog. „Krätzchen“, also eine an sich militärische Kopfbedeckung.

Die wohl der Bauern- und Handwerkerschaft zugehörigen Männer, die eine interesante Rahmenerzählung für die Photographie bilden, machen um die 10% der damaligen männlichen Bevölkerung Wellerstadts aus, das heute ein Ortsteil von Baiersdorf ist. In knapp 40 Häusern lebten damals um die 200 Einwohner. Die einzelnen Typen ähneln denen, die man bis vor einigen Jahren noch in jedem fränkischen Dorf antreffen konnte. Die - je nach Tätigkeit in unterschiedlichen Farben gehaltenen - Schürzen, waren fester Bestandteil der Arbeitskleidung. Ein Brauch, wie man ihn heute noch z. B. aus Südtirol kennt.

Die Studenten tragen die für Akademiker damals gängige Alltagskleidung, der Sekundant dazu die - wie damals üblich - nur recht spärliche Schutzausrüstung. Bei ihm erkennt man auch die Trageweise des Bierzipfels, die ein recht deutlicher Hinweis auf dessen möglichen Ursprung als Anhänger/Chatelaine an der Taschenuhr(kette) ist, der das Herausziehen derselben erleichtern sollte.

Man beachte übrigens das schicke Innenfutter des Mantels rechts...

Die namentlich genannten Studenten können über Bildvergleiche größtenteils sicher identifiziert werden. Es handelt sich um:

Steger, Johann (links mit Korbschläger, später Oberamtsrichter in München, rec. 1891; verstorben 1957)

Heydolph, Hans („Schreibfuchs“, später Landgerichtsdirektor in Weiden, rec. 1889; verstorben 1933)

Hahn, Robert (mit dunkler Pelzmütze, nach unten gebeugt, Corps Baruthia, später Arzt, rec. 1891; gefallen 1915)

Angerer, Eugen (im Sekundantenwichs, später Rechtsanwalt in Nürnberg, rec. 1890; verstorben 1912)

Schreiber (mit heller Pelzmütze, in den Kösener Corpslisten 1910, 1930 und 1960 nicht erfasst)

Meyer, Bernhard (dunkle Pelzmütze, Dr. med. in Stuttgart-Gaißburg, rec. 1892; 1944 bei einem Luftangriff getötet)

Thoma, Julius (ganz rechts, Oberamtsrichter in Aichach/Oberbayern, rec. 1892; verstorben 1955)

Grüße aus der Milchstraße: Fritz Schunack, Sängerschaft Arion Leipzig, im Jahre 1903.Schunack wurde 1878 als Sohn eines ...
03/09/2026

Grüße aus der Milchstraße: Fritz Schunack, Sängerschaft Arion Leipzig, im Jahre 1903.

Schunack wurde 1878 als Sohn eines Oberlehrers in Borna geboren. Er besuchte Gymnasien in Bautzen und später in Zittau, wo sein Vater Direktor der höheren Mädchen und der 1. Bürgerschule wurde. Nach dem Theologiestudium und der Ordination 1906 wirkte er als Pfarrer in Tirpersdorf, Seifertshain (mit Filialkirche in Fuchshain) und Tuttendorf. Er wurde 1941 emeritiert und verstarb 1952.

Das Gebäude des Photostudios Schröder in Zittau aus dieser Zeit existiert übrigens auch heute noch.

Manchmal gibt es Photographien, wo man sich einfach gerne rein- bzw. dazusetzen möchte, oder?Corps Bavaria Erlangen - ve...
31/08/2026

Manchmal gibt es Photographien, wo man sich einfach gerne rein- bzw. dazusetzen möchte, oder?

Corps Bavaria Erlangen - vermutlich zum 100. Bundesfest 1921 aufgenommen.

Das schöne Couleurbild zum Sonntag: Heinz Niehoff, Corps Suevia Heidelberg. Niehoff stammte aus Burscheid im Rheinisch-B...
30/08/2026

Das schöne Couleurbild zum Sonntag: Heinz Niehoff, Corps Suevia Heidelberg. Niehoff stammte aus Burscheid im Rheinisch-Bergischen Kreis und studierte Rechtswissenschaften. Gefallen 1945 in Ostpreußen.

Bin ich der einzige oder geht es auch anderen so: es gibt Kleidungsstücke, die eigentlich zum Kanon der Herrengarderobe ...
28/08/2026

Bin ich der einzige oder geht es auch anderen so: es gibt Kleidungsstücke, die eigentlich zum Kanon der Herrengarderobe gehören, die man aber noch nie besaß bzw. getragen hat?

Für meine Person wäre dies die Strickkrawatte, von der wir auf diesem um 1923 entstandenen Bild dreier Aktiver des Corps Guestphalia Heidelberg gleich zwei sehen. Sie passen auch völlig in diese Zeit, waren die 1920er doch die Ära, in der solche Modelle bei weniger förmlichen Anlässen einen kleinen Siegeszug antraten. Links noch ein klassisches Modell aus Seide mit der perlenbesetzten Krawattennadel, wie sie z. B. mein Vater in den 1950ern noch als Konfirmationsgeschenk erhalten hat. Rechts nicht wie ich zuerst dachte eine Krawattenklammer, sondern wohl auch eine mehr verspielte Krawattennadel, die ein Hufeisen und eine Reitgerte zeigt.

Beim links stehenden und bei dem sitzenden Herren erkennt man auch, daß der Hosenbund damals generell sehr hoch angesetzt wurde. Die sog. „Leibhöhe“ war bis in die 1950er viel länger als im heutigen Schnitt. Apropos Hosenbund: Rätselhaft ist mir immer noch, was der Herr rechts dort trägt. Einen seltsamen Gürtel oder eine Art Leibriemen?

Irgendwie mutet auch der Anzug links etwas unpassend groß an, aber was soll's. Schauen wir mal, ob man in 100 Jahren Bilder von uns als Aktive „seziert“ und sich fragt, was man 1989 so für komische Sachen trug... Ach ja, ich hatte damals übrigens eine knallrote Lederkrawatte...

Zwei Füchse der Turnerschaft Cimbria Bonn mit ihrem Dobermann-Hund – Bild von 1906.Man beachte die jeweils fast waagrech...
26/08/2026

Zwei Füchse der Turnerschaft Cimbria Bonn mit ihrem Dobermann-Hund – Bild von 1906.

Man beachte die jeweils fast waagrechte Trageweise von Band und Uhrenkette bei den beiden Herren. Beide tragen das Band auch sehr hoch, so daß man fast vermuten könnte, daß es beim Sitzenden links und rechts unter der Achsel klemmt... Dieses „Phänomen“ findet sich auf alten Studentenbildern immer mal wieder. Meine Vermutung geht dahin, daß man es so trug, damit man es auch bei einem geschlossenen Sakko mit kleinem Ausschnitt zwischen der Revers noch gut sehen konnte.

1903 "verdoppelte" man das Haus der Skull & Bones in Yale und setzte zwischen Alt- und Neubau einen neuen Eingangsbereic...
25/08/2026

1903 "verdoppelte" man das Haus der Skull & Bones in Yale und setzte zwischen Alt- und Neubau einen neuen Eingangsbereich. In dieser gestalt hat sich das Gebäude bis heute erhalten.

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