Anna Genger

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Was ist Asphalt Adel? Ich habe die Frage nicht selbst beantwortet, sondern dem Kiez das Wort gegeben: Dichtern, Wirtinne...
14/10/2026

Was ist Asphalt Adel? Ich habe die Frage nicht selbst beantwortet, sondern dem Kiez das Wort gegeben: Dichtern, Wirtinnen, einem Pastor und den Paradiesvögeln der Reeperbahn. Dies ist der erste Teil, die Straße bei Tag. Die Nacht folgt.

Meine Mutter hieß Regis. In ihrem Heimatdorf, so erzählt es die Familie, trug eine Nonne diesen Namen, und eigentlich is...
13/10/2026

Meine Mutter hieß Regis. In ihrem Heimatdorf, so erzählt es die Familie, trug eine Nonne diesen Namen, und eigentlich ist es ein Männername. Meine Mutter behauptete gern, sie sei die einzige Frau auf der Welt, die so heißt. Nomen est omen, sagte sie, und war überzeugt, dass diese eigenwillige Wahl ihrer Eltern sie zu dem gemacht hatte, was sie war: skurril, stark und unbeugsam.

Regis ist lateinisch und bedeutet „des Königs“. Vielleicht wusste sie früher als ich, woher ASPHALT ADEL kommt.

Am 25. Mai 2014 besuchten wir mein ehemaliges Kindermädchen. Es war ihr Geburtstag, sie wurde an diesem Tag 79 Jahre alt.

So hat sie mich erzogen: gerade, aufrecht, unbequem. Ihre Sätze klingen bis heute in mir nach, in jeder Zeile, die ich schreibe.

Regis Genger, 25. Mai 1935 – 23. Dezember 2025.

Wir lassen uns nicht unterkriegen.

12/10/2026

Dieses Video ist keine Aufrechnung. Das Leid der Menschen in Gaza ist real, und nichts in diesem Text soll es kleiner machen.

Mich beschäftigt etwas anderes: Warum bewegt uns das eine Unrecht so sehr, während anderes beinahe unbemerkt geschieht?

In El Fasher wurden Menschen getötet, weil sie Zaghawa oder Fur sind, und kaum jemand kennt den Namen dieser Stadt.

Mitgefühl, das nur dort erwacht, wo gerade alle hinsehen, verdient eine ehrliche Prüfung. Ich stelle diese Frage zuerst mir selbst.

„Wir müssen Partei ergreifen. Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer.“
Elie Wiesel, Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises, 1986

What is a cynic? A man who knows the price of everything and the value of nothing.— Oscar Wilde, Lady Windermere’s FanHo...
12/10/2026

What is a cynic? A man who knows the price of everything and the value of nothing.
— Oscar Wilde, Lady Windermere’s Fan

Horse skulls, blue ink, a commission that was never settled. Years later I look at them without bitterness. The price stayed unpaid; the value stayed in the work.

Pferdeschädel, Blau auf Knochen. Heute sehe ich sie mit Abstand an, und ich bin frei.

08/10/2026

Dankeschön für einem wunderschönen Abend im geliebten Boxkeller. Die von die Queen of liebevoll und durchdacht geplante Lesung einer spektakulären Autobiografie einer außergewöhnlichen Dame des Viertels: Manuela Freitag. Es war mir eine große Ehre dieser iconographischen Frau und ihrer Geschichte meine Stimme verleihen zu dürfen.
Es geht weiter mit aufregenden Projekten!!! Am Samstag bin ich Lübeck beim und es wird wild, spektakulär und Bahnbrechend.

07/10/2026

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“
— Václav Havel

Auf Postkarten steht gern: Alles wird gut. Der Satz verspricht nichts und behauptet doch alles. Er ist ebenso einfältig wie sein Gegenteil, denn beide ersparen uns das Denken. Das Leben schuldet uns keine Antwort, schon gar keine sofortige. Es ist ein Abenteuer, moralisch anspruchsvoll genug, um uns bis zum letzten Tag zu beschäftigen.

Ich verlange nicht, dass alles gut wird. Ich verlange, dass es interessant bleibt und lebenswert, und dass wir unterwegs etwas Gutes für andere tun. Die Utopie vom guten Ausgang ist so tröstlich, wie sie absurd ist, und sie ist eine Beleidigung unser aller Intelligenz.

Il faut cultiver notre jardin.

06/10/2026

Jemand hat mich gefragt, woher wir wissen wollen, dass Gott nichts gegen Trans hat. Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Aber ebenso wenig weiß irgendjemand das Gegenteil.

Was immer das Göttliche sein mag, es bewegt sich jenseits dessen, was unser Verstand ermessen kann. Es wäre anmaßend anzunehmen, es ordne die Welt nach denselben Kategorien wie wir, nach Mann und Frau, nach richtig und falsch, nach jenen, die einen Platz in der Arche finden, und jenen, die untergehen sollen.

Wer Gott die eigene Meinung unterstellt, macht ihn klein.

Darin liegt für mich die eigentliche Sünde.

Wo Licht ist, ist auch Schatten.
Beides gehört zur Schöpfung, und jede menschliche Verfasstheit gehört dazu.

Der freie Wille ist uns nicht gegeben, damit wir einander aussortieren, sondern damit wir Fragen offen lassen können.

In den jüdischen Lehrhäusern wird seit Jahrhunderten gefragt, widersprochen und weitergefragt. Der Streit um die Schrift gilt dort als Gottesdienst, und das Ringen selbst ist der Weg.

Der Mensch dagegen verliert sich immer wieder in der Sehnsucht nach Gewissheit, in der Religion wie in der Politik und im eigenen Familiengefüge, in diesem unstillbaren Wunsch nach einem glücklichen Ende. Nicht ohne Grund hat man die Religion das O***m des Volkes genannt, dort, wo sie nur noch beruhigen soll.

Die Unsicherheit aber ist kein Makel, den es zu tilgen gilt. Sie gehört zu uns wie der Atem.

Vielleicht beginnt der Glaube genau dort, wo wir aufhören, alles beantworten zu wollen.

***r

06/10/2026

Man kann einen Menschen mit sehr sanften Worten verachten. Mit gefalteten Händen, mit Segenswünschen, mit einem freundlichen Gruß zum Schluss.

Auch hier auf St. Pauli gibt es einen, der sich für besonders fromm hält. Einer trans Frau schrieb er, sie sei gewollt und geliebt, ABER die LGBTQ-Szene sei „dämonisch und tut dem Vater weh“. Die Farben des Regenbogens passten nicht so ganz auf die Bibel.

Der Regenbogen war das erste Zeichen, das Gott nach der Sintflut an den Himmel setzte, als Versprechen an alles, was lebt. Er gehört niemandem allein und am wenigsten denen, die ihn anderen absprechen.

Ob man ihn Gott nennt, Allah, Jahwe oder schlicht das Leben: Wer uns erschaffen hat, hat dabei keinen Fehler gemacht. Niemand sucht sich aus, wer er ist. Wohl aber entscheidet jeder selbst, wie er einem anderen Menschen begegnet.

Eine Liebe, die ein Aber kennt, ist keine Liebe. Wer einen Menschen dafür verachtet, wie er geschaffen wurde, versündigt sich an der Schöpfung selbst. Und wer dazu schweigt, spricht den Segen mit.

Das ist kein Glaube. Das ist eine Todsünde.

***r

EMPATHY RAGECollage, DIN A5, 2014Meine Mutter hat gesagt, wer schweigend danebensteht, ist ein Mitläufer.Man kann das Mi...
03/10/2026

EMPATHY RAGE
Collage, DIN A5, 2014

Meine Mutter hat gesagt, wer schweigend danebensteht, ist ein Mitläufer.

Man kann das Mitgefühl in einen Flakon füllen, ihn gut verschließen und auf die Kommode stellen, wo er schön aussieht und niemanden stört. Die Diplomatie hat weiche Hände, und die Ignoranz liegt auf einem bequemen Kissen. Beide schlafen gut.

Manchmal aber springt der Verschluss. Dann riecht es nach Eisen und nach offenem Herzen, und man hört die eigene Stimme lauter werden, als es sich gehört.

Meine Mutter war unbequem. Ich habe diese Stimme von ihr.

Mitgefühl, das schweigt, hat sich bereits entschieden.

01/10/2026

Adresse

Reeperbahn 108-114
Hamburg
20359

Öffnungszeiten

Dienstag 09:00 - 17:00
Mittwoch 09:00 - 17:00
Donnerstag 09:00 - 17:00
Freitag 09:00 - 17:00
Samstag 09:00 - 17:00

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