06/06/2018
NOrmal LIFE- After a true Story
CIRCO Orfei –
4 Männer die große Nägel in die Erde rammen. Im Rundschlag.
Wie eine synchronisierte menschliche Maschine machten sie das...Fehlerfrei.
Man konnte zusehen wie die Anker in die Erde versanken. Davon bin ich immer aufgewacht.
Als würden sie eine riesige Uhr in die Erde rammen.
Drei Stunden später stand da ein Zirkuszelt. Wir Kinder holten die Sägespäne und streuten sie aus...dafür gab es Freikarten.
Keine 5 Jahre vergingen, da war ich dann beim Circo Orfei in Italien. Alle Artisten haben mich eher als ein Stofftier, das laufen kann, denn als Mensch wahrgenommen.
Wir saßen oft auf dem Manegenrand und sahen den Artisten bei den Proben zu, wie zum Beispiel der Schleuderbrett Truppe „Il Cielo“.
Sie schleuderten sich mit unzähligen Saltos bis fast unter die Zirkuskuppel. Höhepunkt ihrer Darbietung war, dass vier gestandene Männer von einem Gestell runter sprangen und mit voller Wucht einen jungen Mann bis unter die Zirkuskuppel katapultierten.
Dieser wiederum musste eine in der Kuppel hängende Glocke schlagen und wieder sanft auf einer riesigen Matte landen.
Als sie nach mehreren Versuchen, die mehr oder weniger gut gelangen, eine Pause machten, versammelten sie sich alle in der Manege und tranken etwas.
Ich gesellte mich dazu und machte den größten Fehler meines Lebens.
Ich setze mich auf das Schleuderbrett.
Kaum dass ich mich hingesetzt hatte, sprangen auf der anderen Seite zwei Männer mit voller Wucht auf das Schleuderbrett und ich flog in die Zirkuskuppel.
Als ich die maximale Höhe erreichte, sah ich die Glocke und spürte, wie mein Kopf sie schlug. Dann drehte sich mein Körper nach unten.
Einen kurzen Moment lang dachte ich, ich schwebe und bleibe lieber hier oben.
Ich sah nach unten. Sie lachten alle als gebe es kein Morgen.
Arturo, der den Clown spielte, stand noch auf dem Schleuderbrett und lachte so laut, dass er seine Hände zwischen seine Oberschenkel drücken musste, damit er sich nicht in die Hose machte.
Der Zirkusdirektor nahm mit ernster Miene seinen Zylinder vom Kopf, als wollte er sich von mir für immer verabschieden.
Fünf halbn***te albanische Tänzerinnen, die auf den Manegenrand saßen, sprangen auf und tanzten kreischend im Kreis, als sei grade die Vorstellung in vollem Gange.
Die Musiker, die ihre Instrumente in der Manege abgelegt hatten um ihr Pausenbrot zu essen, sprangen ebenfalls auf um ihre Instrumente vor meinem Aufprall zu retten.
Ich hatte derweil die Hosen voll. Am liebsten hätte ich sie alle nass gemacht, aber es waren zu viele. Also befasste ich mich damit zu überlegen, welche Gliedmaßen ich mir brechen soll.
Falle ich nach vorne, breche ich mir die Arme. Vielleicht sollte ich besser grade runterfallen und mir die Beine brechen. Breche ich mir die Arme, dann ist es aus mit dem Job als Trompeten-Clown, breche ich mir die Beine, dann kann ich im Rollstuhl weiter spielen.
Ja, warum nicht, dachte ich, ein Rollstuhl-Clown, der Trompete spielt, ist bestimmt auch lustig.
Ich wedelte mit meinen Armen so schnell wie ein Vogel, damit mein Oberkörper ja oben blieb und ich mir auf jeden Fall die Beine breche. Während die Manege sich mir in Zeitlupe näherte wurde es immer dunkler und immer stiller.
Ich fiel in einen unendlichen schwarzen Tunnel. Ich wachte im Krankenhaus auf und mir wurde klar, es war kein Alptraum, es war bittere Realität. Schlimmer noch, beide Arme und beide Beine waren gebrochen. Alle standen um das Bett herum. Am Fußende der Direktor, der immer noch seinen Zylinder in seiner Hand hielt. Der Clown mit verschmierter Schminke. Die Musiker hielten ihre Instrumente und hatten so ein Grinsen drauf, als freuten sie sich, ihre Instrumente vor meinem Aufprall gerettet zu haben. Nun fingen sie an zu spielen und die Tänzerinnen, die jetzt fast komplett n***t waren, tanzten ums Bett.
Mr. Universum war auch gekommen und hob das Bett mit einer Hand am Fußende hoch.
So hoch, dass ich mit dem Kopf gegen die Rückwand krachte. Der Clown griff in seine großen Taschen und streute Unmengen Konfetti übers Bett.
Alle lachten laut. Plötzlich kam auch der Weißclown rein und es wurde schlagartig still, nur noch die Geige spielte eine Melodie, die nach Mord oder Beerdigung klang. Der Clown hatte statt seiner Trompete eine riesige Spritze dabei und kam langsam auf mich zu.
Dann hatte ich einen Filmriss. Ich muss wohl vor Erschöpfung in Ohnmacht gefallen sein. Als ich wieder aufwachte, lag ich da, alleine, unbeweglich inmitten von buntem Konfetti.
Ich heulte wie ein Kind.
Zwei Jahre später konnte ich immer noch nicht richtig laufen und meine Arme waren immer noch krumm wie Baumäste. Aber immerhin konnte ich meine Hände wieder benutzen.
Ich habe mich selbständig gemacht. Nun repariere ich Beine und Arme, allerdings die von Schaufensterpuppen.
Da kann ich sägen, bohren und hämmern wie ich will, da schreit keiner.