16/11/2023
Der "Bechdel-Test" hilft, Spielfilme bzw. Serien darauf zu überprüfen, ob sie weibliche Figuren ernst nehmen oder ob nur als hübsches Beiwerk einsetzten. Entwickelt wurde der Test von der Cartoonistin Alison Bechdel in den 1980ern. Bechdels Ziel war, darauf hinzuweisen, wie häufig weibliche Charaktere in Filmen weniger komplex (dafür aber klischeehafter) inszeniert werden als männliche Figuren.
Um den Bechdel-Test zu bestehen, muss der Film/die Serie vier Kriterien erfüllen:
👯♀️ Im Film müssen mindestens zwei weibliche Charaktere vorkommen.
✍️ Diese Charaktere müssen Namen haben.
💬 Diese Charaktere müssen miteinander sprechen.
🤡 Ihr Gespräch darf sich nicht ausschließlich um Männer drehen.
Fällt ein Film/eine Serie durch den Test, zeigt das an, dass er/sie Stereotypen reproduziert.
Wenden wir den Bechdel-Test auf die Harry-Potter-Filmreihe an, so besteht sie in einigen Szenen und versagt in anderen. Beispielsweise haben die Filme mehrere weibliche Charaktere, die auch benannt wurden, darunter Hermine, Ginny und Professor McGonagall. Aber: Sie sprechen selten miteinander, ohne dass es um Männer geht. Viele Gespräche in der Serie drehen sich um die Hauptfigur Potter und die Konflikte der männlichen Figuren.
Ein anderes Beispiel: die James-Bond-Filme. Diese bestehen den Test nicht. Während James-Bond-Filme in der Regel viele weibliche Nebenfiguren haben, haben viele von ihnen keine Namen und/oder existieren hauptsächlich im Kontext von Bonds Abenteuern. Es gibt zudem kaum Interaktionen zwischen weiblichen Charakteren, abgesehen von kurzen Szenen in sozialen Kontexten.
Fazit: Der Bechdel-Test ist ein gutes Werkzeug, um einen Hinweis darauf zu erhalten, wie klischeebehaftet weibliche Charaktere dargestellt werden. Allerdings erfasst der Test nicht die Vielfalt und Tiefe weiblicher Rollen. Ein Film kann den Bechdel-Test bestehen und dennoch stereotype weibliche Charaktere darstellen. Umgekehrt können Filme, die den Test nicht bestehen, dennoch starke, vielschichtige Frauenfiguren zeigen. Nichtsdestotrotz hat der Bechdel-Test dazu beigetragen, das Bewusstsein für Geschlechterdarstellungen in der Filmindustrie zu schärfen – und das lieben wir.