Die Stadt der verlorenen Utopien besteht wie eine Stadt aus verschiedenen Räumen, in denen neben Videoinstallationen und verschiedenen Spielszenen das Theaterstück „Der Revisor“ von Nikolai Gogol als chorisches Spektakel dargeboten wird. In diesem Stück geht es um eine Stadt in Angst: Ein Revisor ist angekündigt, die Stadt zu inspizieren, und die Stadtbewohner befürchten, ihre bisherige legere Leb
ensweise zugunsten einer rein vernunftgeprägten Gesellschaftsordnung aufgeben zu müssen. In einer vergleichbaren Situation befinden sich heute viele Kommunen, die um den Erhalt ihres Freibades oder der Stadtteil-bibliothek bangen, da angesichts leerer öffentlicher Kassen zuerst bei den „Freizeitbeschäftigungen“ der Rotstift angesetzt wird. Das Theater, als an sich ineffizienter Apparat, gilt bislang als Schutzraum, in dem menschliche Passionen und kulturelle Traditionen doch noch stattfinden können – doch die meisten Menschen bleiben außen vor, wenn sich zwei Prozent der Bevölkerung gegenseitig bespaßen. Aber dafür muss es sich genau diesem „Luxus“ aussetzen, für den in der Leistungsgesellschaft immer weniger Raum ist – ja, ihm Raum verschaffen! Dafür muss sich Theater von seinen Selektions-mechanismen verabschieden. Gerade Menschen, die im System nicht perfekt funktionieren, auch im Sinne von Effizienz, müssen hier vorkommen. Mit möglichst vielen verschiedenen Menschen wollen wir die Stadt der verlorenen Utopien aufbauen und mit Leben füllen! Nicht als Gönner leihen wir diesen Laien unsere Bühne, oder um mit ihren Leidensgeschichten das Theater mit Authentizität anzureichern: Wir sind auf sie angewiesen, nicht bloß damit das Theater seine Legitimation nicht verspielt, sondern um sein einmaliges Potential zu bewahren – damit sie das Spiel, das freudige und unperfekte, nicht auf Effekte abzielende Spiel ins Theater zurücktragen, den Ort, an dem ein Wort, eine Behauptung, Raum und Zeit und feste Rollenvorstellungen aushebeln kann. Der PROTOTYP der STADT DER VERLORENEN UTOPIEN wird momentan auf Kampnagel erbaut. Die Eröffnung, zu der wir Sie schon jetzt herzlich einladen möchten, ist am 6. Stets dem Ort und den Menschen entsprechend rhizomorph wachsend, sollen in Zukunft unterschiedliche Städte der verlorenen Utopien auch auf anderen Bühnen entstehen…
DER UNTERGANG 2 ist eine Produktion von Stefan Kolosko und Kampnagel. Die Stadtmütter und -Mütter sind:
Sarina Abram, Esther Barth, Nicole Böck Dupont, Clarissa Börner, Angela Ender, Nina Ender, Romy Ellrich, Friederike Falk, Tobias Gronau, Jörg Karas, Stefan Kolosko, Dan Thy Nguyen, Astrid Ann Marie Pollmann, Katharina Romanenko, Eva Resch, Ewa Szewczyk, Sandra Willmann.