05/06/2017
Ausstellung „strange kiss“
Die Ausstellung „strange kiss“ stellt zugleich einen feierlichen Abschied von den schönen Räumlichkeiten dar, in denen ich seit Anfang 2015 die Möglichkeit hatte, ungestört und kontinuierlich zu malen. Wie so oft konnte der Erhalt des nostalgischen Flairs der Eimsbütteler Hinterhof-Atmosphäre in zentraler Lage kein starkes Argument sein gegenüber der rentableren Errichtung eines ambitionierten Wohnkomplexes. Bevor ich diese Räumlichkeiten verlasse, möchte ich meine Arbeiten, die in dieser Zeit entstanden sind, der Öffentlichkeit präsentieren - in eben diesen Räumen mit den verwitterten Wänden, den bunt verspritzten Betonböden und der sanft gestreuten Helligkeit der hohen Oberlichter.
Zu sehen sind vor allem Arbeiten aus den letzten zwei Jahren, darüber hinaus eine kleine Auswahl von charakteristischen Werken seit Ende der 90er Jahre bis heute. Sie sollen einen Einblick in die verschiedenen Phasen und Stationen meiner künstlerischen Arbeit geben.
Als Gäste meiner Ausstellung sind die Künstler Penny Monogiou und Enrique Fuentes mit eigenen Arbeiten vertreten.
Der Titel der Ausstellung entstand spontan für ein Bild an dem ich arbeitete, als mich die Nachricht über den Terroranschlag auf das Redaktionsbüro von Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 erreichte. Diese unvorstellbare Tat, derart absurd und kaltblütig, als entstamme sie einem bösen Trickfilm, schlug brachial in die Realität ein und führte uns die Unlösbarkeit ideologisch-religiöser Konflikte vor Augen. Es folgten weitere Ereignisse
und politische Umwälzungen, die uns, gelinde gesagt, „strange“ erscheinen, nämlich befremdlich, verschroben und verdreht. Der Kuss hingegen steht für Nähe, Unmittelbarkeit, Betroffenheit in jeglicher Hinsicht. Die Kombination „strange kiss“ birgt widerstrebende Gefühle in sich: dumpfe Angst, Erstaunen, Neugier und Erwartung – möglicherweise von allem etwas.
- Rouli Lecatsa