08/09/2026
Kesting – Gerda
1920 schreibt sich die 18-jährige Gerda Müller aus Interesse an moderner Malerei an Kestings Dresdner Weg-Schule ein. Neben dem Unterricht übernimmt sie schon früh Büroarbeiten. Zwei Jahre später heiraten Gerda und Edmund Kesting.
Gerda hatte selbst künstlerisches Talent, doch nach der Familiengründung verlagert sich ihr Engagement zunehmend auf das Management der Weg-Schule. Als Tochter eines Kaufmanns ist sie mit Zahlen vertraut, kümmert sich um die Finanzen und trägt wesentlich dazu bei, den Schulbetrieb wirtschaftlich abzusichern. Auch die spätere Ausrichtung auf Werbefotografie geht wohl vor allem auf ihr Drängen zurück, neue Einnahmequellen zu erschließen. Doch Gerda ist nicht nur die Frau hinter den Kulissen. Mit ihrer Mode, ihrem Kurzhaarschnitt und ihrem Auftreten verkörpert sie die „Neue Frau“ der 1920er Jahre – im Ausstellungskatalog wird sie sogar als „Dresdner Role Model“ bezeichnet. Zahlreiche Porträts Kestings zeigen Gerda oder sind von ihr inspiriert.
Um 1930 entstehen „Frau im Spiegel“ und „Gerda im Spiegel“ – einmal Malerei, einmal Fotografie. Zwei sehr unterschiedliche Arbeiten mit demselben Motiv: Gerda!
Edmund Kesting. Avantgardist.
bis 25.10.2026
◻️ Edmund Kesting: Frau im Spiegel, 1930, Gouache auf Karton mit grauem Karton-Rahmen, Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Repro: Anja Elisabeth Witte/Berlinische Galerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
◻️ Edmund Kesting: Gerda im Spiegel, um 1930, Silbergelatineabzug, Privatsammlung, Kat. S. 57
◻️ Gerda und Edmund Kesting, um 1922, Kat. S. 13
Edmund Kesting. Avantgardist.
Hrsg. von Christian Philipsen, Thomas Bauer-Friedrich und Paul Kaiser, dreisprachig (dt./engl./frz.), 288 Seiten, 364 Abb., Leipzig: E. A. Seemann Verlag, 2026
ISBN 978-3-69001-049-8
35 Euro im Museum | 40 Euro im Buchhandel
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Paul Kaiser