27/07/2026
Wer ich bin?
Diese Frage hätte ich früher wahrscheinlich mit meinem Beruf beantwortet.
Heute würde ich sagen:
Ich bin ein Mensch, der das Leben von einer anderen Seite kennenlernen musste.
Der Verlust meiner beiden Kinder hat mein Leben tief verändert. Es gab Zeiten, in denen ich selbst nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Damals habe ich erfahren, dass Trauer kein Problem ist, das gelöst werden muss. Sie braucht Zeit. Sie braucht Raum. Und manchmal braucht sie einfach jemanden, der da ist.
Für mich wurde die Natur zu diesem Raum.
Der Wald hat mir zugehört, ohne Fragen zu stellen. Dort konnte ich weinen, schreien, schweigen und einfach Mensch sein. Niemand hat mich bewertet. Niemand wollte mich verändern. Dort begann ich langsam zu verstehen, dass Trauer nicht verschwindet, sondern dass wir lernen dürfen, mit ihr zu leben.
Diese Erfahrung hat mein Leben verändert.
Heute entstehen gemeinsam mit meiner Frau Birgit auf dem Arte Misia Sinneshof Orte, an denen genau das möglich sein darf.
Wir nennen sie Inselzeiten.
Inselzeiten sind kleine Auszeiten vom Alltag. Geschützte Räume, in denen Menschen nach einem Verlust ankommen dürfen. Ohne Erwartungen. Ohne funktionieren zu müssen. Mit Zeit, Natur, Begegnung und kreativen Angeboten.
Ich sehe mich dabei nicht als jemanden, der den Weg eines anderen kennt.
Ich sehe mich als Türöffner.
Schön ist es, wenn mein Gegenüber seine eigene Tür findet. Hindurchgehen darf und muss jeder Mensch selbst.
Mir geht es nicht darum, Menschen zu sagen, wie Trauer funktioniert.
Ich möchte Räume schaffen, in denen Menschen ihre eigenen Antworten finden dürfen.
Vielleicht braucht unsere Gesellschaft heute genau solche Räume wieder.
Nicht nur für Trauer.
Sondern für das Menschsein.
Wenn Dich diese Gedanken ansprechen, freue ich mich, wenn Du meinen Kanal begleitest. Vielleicht entstehen hier Gespräche, die uns allen helfen, wieder offener über Tod, Trauer, Hoffnung und das Leben zu sprechen.
Herzlich willkommen.
Bernhard Unger