18/02/2021
Tja ein pferd lässt keine wünsche offen und hat immer neue ideen seinen Besitzer zur weisglut zu treiben
Pferd zu verschenken
Wenn der Reiter so richtig pissig auf seinen Zossen ist, dann überlegt er schon mal, ob man die nicht einfach aussetzen kann (Spoiler: Nein, dummerweise fallen die mehr auf, als ein ausgesetztes Kaninchen - und den Heimweg kennen sie auch). Reiter haben verschiedene Arten, mit denen sie dem Pferd drohen. “Ich verkaufe dich an den Zirkus!” oder: “Wenn du dich nett bist, binde ich dich vor dem Metzgerladen an!” oder: “Benimm dich, sonst kommen die Pferdeprofis!”. Plötzlich erscheint auch ein Export Richtung Belgien denkbar. Oder in die Schweiz. Jedenfalls dahin, wo man Pferde isst. Jeder hat so seine Mittel und Drohungen, bei denen irgendeine Tierschutzmutti einem dann anschließend erzählt, dass man ja sein Pferd abgeben müsse, wenn man so was sagt … blablabla.
Solche Sachen brabbeln wir natürlich nicht einfach so, irgendwas ist vorangegangen. Nichts, wofür das Pferd nichts kann (neue Dinge, unvorhergesehene Sachen), sondern meist Dinge, mit denen das Pferd vorher problemlos zu tun hatte, die aber heute schlimm sind. So was wie: Du bindest es an, putzt es, wie jeden Tag, sattelst es, wie jeden Tag, willst die Trense raufmachen, Pferd reißt Anbindehaken aus der Wand und rennt mit Zügeln überm Kopf und einem Sattel, der nicht festgegurtet ist, davon und macht beides davon kaputt. Das sind so Tage, an denen man sich überlegt, ob man dem Vieh nicht einfach die Freiheit schenken soll. Gleich neben der Autobahn am Besten.
Würden wir natürlich nie tun. Wir sind mehr wie die Muttis die sagen: “Die Mutti geht jetzt nach Hause, Schakkeline.” Stehen aber trotzdem noch drei Stunden herum, bis der Nachwuchs ENDLICH seinen Hintern vom Boden bequemt und mitwackelt. Wir drohen und bellen nur, wir beißen nicht. Und auch, wenn wir danach grummelnd neben dem Vierbeiner stehen, wenn der dann schmusen will - das ist Gebot Nummer 1: Dann schmusen wir ja doch mit dem blöden Vieh. Sagen wir ihm auch. “Du bist ja so ein saudummes Pferd, warum machst du immer nur Blödsinn?” Das Ganze in äußerst einschmeichelndem Babysprech. Klingt ungefähr so: “Huiioooooouschoouiuuuiiiii.”
Zuhause schimpfen wir dann trotzdem über das saublöde Vieh, was einfach so gar nicht kooperativ war. Daheim muss sich der Partner das Geheule anhören, aber auch im gleichen Atemzug: “Aber eigentlich liebe ich das Pferd!”. Lösungen für das Problem möchte der Reiter auch nicht, er will nur bisschen jammern, weil dieses vermaledeite Tier gerade entweder für eine hohe Rechnung gesorgt hat (Tierarzt, Reperatur oder beides) oder für diverse Peinlichkeiten (Nichtstarter, weils nicht auf den Hänger ging, usw.). Denn alles, was das Pferd macht, wird dem Reiter angelastet. “Boah, haste gehört? Die XYZ schafft es nicht mal ihr Pferd zu trensen …”).
Zum Glück verfügen Reiter über einen geistigen Reset Knopf und können am nächsten Tag in der Stallgasse trällern: “Mein Hasenpupsiiiiii~”, wenn sie ihr Pferd sehen. Dann wird es betüddelt und betatscht, liebgehabt und geherzt, als gäbe es kein Morgen. Also, natürlich nur, bis es mal wieder voll über die Stränge schlägt. Die kleinen Schlingel lassen sich nämlich ständig was Neues für den Reiter einfallen. Letzte Woche Sattel kaputtgemacht? Weißte, wie wärs mit einem geilen Feuerwehreinsatz, weil ich in den Graben gesprungen bin?
Foto: War verdächtig lange nicht mehr zu verschenken. Kommt bestimmt bald wieder ...