12/02/2025
10-jähriges Jubiläum des ‚GLIENICKER HOF’s
Vom baufälligen Denkmal zum pulsierenden Ortsmittelpunkt
Der Verein ‚Rettet den Ortskern Glienicke’ blickt zurück
Eine bierernste Glosse von Clemens Börsch und Dr. Martin Lipp, ROG e.V.
Ein wenig Historie
Das Gehöft Gartenstraße 17 wurde Ende des 1900 Jahrhunderts erbaut und ist der einzige noch vollständig erhaltene von den Bauernhöfen, die sich einst um den Dorfteich gruppierten. Heute im Jahr 2037 wird der Dorfanger zusammen mit den Baudenkmälern Kirche, Schule und Rathaus, sowie den vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten als ein liebens- und lebenswerter Ortskern mit Alleinstellungsmerkmal in Oberhavel wahr genommen. Und man kann es nur als eine glückliche Koinzidenz bezeichnen, dass das 10-jährige Jubiläum des ‚Glienicker Hofs’ mit dem 625-sten Gründungsjahr von Glienicke gefeiert werden kann. Angesichts des regen Publikumsverkehrs, des gut besuchten gemütlichen Wirtshauses mit Biergarten und den zahlreichen Veranstaltungen und privaten Feiern im angeschlossenen Festsaal ‚Tanzboden’, kann sich niemand mehr vorstellen, in welchem desolaten baulichen Zustand sich der Bauernhof befand.
Vorrausgegangen waren jahrelange Querelen wie mit dem Bauernhof verfahren werden sollte. Eine unschlüssige Verwaltung zusammen mit einer gespaltenen Gemeinde-vertretung (GVT) entschied sich gegen den Kauf und eine sukzessive Entwicklung des Gehöfts durch die Gemeinde. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel bot ein Investor an, den Bauernhof gegen Baurecht auf der Streuobstwiese, quasi umsonst zu restaurieren. Dazu wurde ein neuer, wenn auch umstrittener Bebauungsplan und ein Städtebaulicher Vertrag verabschiedet. Im Frühjahr 2025 erfolgte schließlich die Baugenehmigung.
Das entscheidende Jahr 2025
Rückblickend lässt sich konstatieren, dass im Laufe des Jahres 2025 die entscheidenden Weichen für die zukünftige Entwicklung Glienickes gestellt wurden. Neben der neuen GVT hatten dazu nicht unerheblich die Bürgermeisterwahlen im September beigetragen, die überraschender Weise ein parteiloser, aber kompetenter Kandidat in einer Stichwahl gewonnen hatte. Man hatte plötzlich das Gefühl, dass nun vieles möglich schien, was vorher undenkbar war. Aber der Reihe nach:
Task Force ‚Historischer Bauernhof Glienicke’
Die Einrichtung dieser Task Force, die aus Gemeindevertretern, Investor, Architekten, Bauamt und Bürgern bestehen sollte, war eine der Kernforderungen unseres Vereins ROG. Mit einer neuen Initiative im Frühjahr konnten zwar die Zustimmung einiger GVT-Mitglieder erreicht werden, letztendlich führte aber nur ein Machtwort des neuen Bürgermeisters zur Berufung der Kommission, die mit viel Engagement und Ideen den Restaurierungsprozess des Bauernhofs begleitet hatte. Mit dem Investor konnte so eine Einigung über Mischfinanzierung der öffentlichen Nutzung des Bauernhofs aus Kauf, Mietkauf oder Miete durch Gemeinde und Gewerbetreibende unter Ausschluss einer Wohnbebauung erzielt werden. Der Task Force war es auch gelungen, eine bekannte bayrische Brauerei als Betreiber der Gastronomie zu gewinnen.
Obwohl die Bautätigkeiten noch andauerten, aber die Schönheit und Einmaligkeit der bereits restaurierten Gebäude buchstäblich zu Tage traten, wurde auf Antrag des Vereins ROG der Bauernhof in ‚Glienicker Hof’ umbenannt und konnte 2027 anlässlich des Herbstfestes feierlich eröffnet werden.
Neubau Grundschulgebäude (Haus 6)
2025 wird auch deshalb als Schicksalsjahr in den Annalen Glienickes in Erinnerung bleiben, da nach mehreren Sondersitzungen der Gemeindevertretung der Neubau des Grundschulgebäudes Haus 6 beschlossen wurde. Grundlage war die Erkenntnis, dass sich ein modernes pädagogisches Konzept in der alten denkmalgeschützten Schule (Haus 2), beispielsweise die Einrichtung von Ruheinseln für gestresste Schüler, nicht verwirklichen ließe. Allerdings hatten sich die Baukosten von ursprünglich avisierten 18 Millionen Euro durch jahrelange Planungsverzögerungen auf 25 Millionen Euro erhöht, sodass ein Großteil der Kosten über Kredite finanziert werden musste. Die Beantragung von Fördermitteln war entweder vergessen worden oder diese standen nicht mehr zur Verfügung. Trotzdem war es ein erhebender Moment, als am Samstag dem 6. Januar 2029 die Grundschüler als Sternsinger geschmückt in einer eindrucksvollen Prozession ihre neue Schule in Beschlag nehmen konnten.
Der Befreiungsschlag: Alte Schule wird Casino
Schnell stellte sich allerdings heraus, dass sich die Gemeinde mit der Finanzierung des Schulneubaus überhoben hatte, zumal sich die wahren Kosten in der Endabrechnung auf 28 Millionen Euro beliefen. Deshalb wurde eifrig an der Gebührenschraube gedreht, der Grundsteuerhebesatz war längst wieder auf 400 v.H. erhöht worden. Auch gab es für die leerstehende Alte Schule kein Nutzungskonzept und es standen keine Investitionsmittel für eine Renovierung mehr zur Verfügung. Anfangs eine spinnerte Idee, aber der Vorschlag des ROG in der Alten Schule ein Casino zu etablieren, fand bei Gemeindevertretern und Verwaltung sukzessive Gefallen, weil angesichts der immensen Schulden die zusätzlichen Steuereinnahmen lockten. In einem Joint-Venture mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse als Betreiber konnte sich die Gemeinde 55% der Gewinne sichern.
Anfangs von besorgten Eltern als Spielhölle bekämpft, erfreute sich das inzwischen landesweit bekannte Glienicker Casino ‚Old School’ regen Zuspruchs von gut betuchten Besuchern und ließ heimische Gastronomie und lokale Geschäfte regelrecht aufblühen. Nicht zuletzt konnte mit den Einnahmen das renovierte, repräsentative Wohnhaus im ‚Glienicker Hof’ von der Gemeinde käuflich erworben und langfristig für die Nutzung durch den Seniorenclub gesichert werden.
Abb.1: ‚Glienicker Hof’ nach Renovierung (undatierte Aufnahme)
Abb.2: Seit 2030 Quell sprudelnder Einnahmen: Casino Glienicke