05/07/2026
Der JUPP ist tot.
Jetzt endgültig. Jedenfalls sieht es im Moment danach aus.
Schon in der letzten Juni-Woche wurde er zu Grabe getragen. Genauer gesagt: entsorgt. Bühnenbild, Requisiten, Kostüme – alles weg. Anschließend saßen das Ensemble, sein Erschaffer Herbert Knorr und der JUPP-Wiederaufnahme-In-Szene-Setzer Thos Renneberg beim Beerdigungskaffee zusammen.
Es wurde getrauert. Ein bisschen jedenfalls.
Denn nach seiner Premiere 2023 folgte ein gutes Dutzend Aufführungen – viele davon vor ausverkauften oder nahezu vollen Häusern. Nach einem nicht ganz einfachen Start haben Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer mit ihm gelacht, gesungen und das Emscherland auf eine ganz besondere Weise erlebt. Stehende Ovationen waren keine Seltenheit.
Ganz kampflos wollte der JUPP allerdings nicht gehen. Er hat sich bis zuletzt mit Händen und Füßen gewehrt.
Fast wäre sein Ende nämlich ziemlich unwürdig ausgefallen: Mit vollgepacktem Sprinter und mehreren Autos stand das Bestattungskommando vor dem Wertstoffhof in Gelsenkirchen – und genau vor seiner Nase ging das Tor zu.
Hitzefrei. Zwei Minuten zu spät. Wochenlange Terminabsprachen und logistische Vorbereitungen – Sprinter mieten, Lager kündigen, Räumung organisieren und vieles mehr – schienen auf einen Schlag für die Katz. Nein: der Hitze zum Opfer gefallen.
Das Ensemble war geschockt. Herzinfarkte konnten knapp vermieden werden.
Für einen kurzen Moment standen die Stürmung und Besetzung des Wertstoffhofs oder alternativ die Entsorgung des JUPP im Kanal zur Debatte. Zum Glück bekam das Bestattungskommando seinen Adrenalinspiegel wieder unter Kontrolle. Es blieb bei diesen absurden Gedanken.
Wie auch immer.
Letztlich bekam der JUPP doch noch das würdige materielle Begräbnis, das er verdient hatte – auf dem Wertstoffhof in Bottrop.
Die Fotos zeigen seinen letzten Weg: das Ausräumen des Lagers an der Heilig-Kreuz-Kirche, wo er noch im Frühjahr vor vollem Haus gefeiert wurde, die letzte Fahrt zum Wertstoffhof und schließlich den gemeinsamen Beerdigungskaffee.
Zu sehen ist das Ensemble, das sich liebevoll um die „Entsorgung“ des JUPP gekümmert und anschließend bei Kaffee und Kuchen noch einmal gemeinsam seiner gedacht hat.
JUPP-Erfinder Herbert Knorr dankte allen Beteiligten noch einmal für ihre JUPP-Treue und betonte hier gegenüber fb: „Ich habe den JUPP zwar erfunden – gelebt hat er erst durchs Ensemble. Ihr habt ihm Gesichter und Stimmen gegeben, Herzblut und unendlich viel Spielfreude geschenkt. Danke!"
Ein besonderer Dank gilt außerdem Norbert Labatzki für den herzlichen Beerdigungskaffee im Schloss Stolzenfelz – ein wunderbarer Ort und absolut empfehlenswert. Gedanke sei auch noch einmal allen Unterstützern des JUPP, in diesem Jahr ausdrücklich emschertainment, Emschergenossenschaft sowie Stiftung Schalker Markt.
Das dürfte nun der letzte Post vom oder zum JUPP gewesen sein. Es sei denn … er steht eines Tages doch noch einmal auf.
Beim JUPP weiß man ja nie!
Fotos: privat und Reinhold Krossa