SonntagsLese

SonntagsLese Gewagt gefragt! Im Gespräch mit interessanten Zeitzeugen SonntagsLese Die Lesebühne mit Balkon. Und Namen. Im Bürgersaal des Rathauses Friedrichshagen.

Einmal im Monat. An einem Sonntag morgen. Immer um elf. Bekannte Gesichter lesen aus ihren Autobiografien, Romanen oder Reportagen.

Freu mich:)
07/10/2025

Freu mich:)

Zum Tod von Urte Blankenstein (Beitrag vom 29. April 2025/ MOZ)Lachen ist die beste Medizin!Von Danuta SchmidtKennengele...
06/05/2025

Zum Tod von Urte Blankenstein (Beitrag vom 29. April 2025/ MOZ)

Lachen ist die beste Medizin!

Von Danuta Schmidt

Kennengelernt habe ich sie, da war ich wohl fünf Jahre alt. „Kennengelernt“. Das muss ich wirklich sagen, denn ich sah sie ja jede Woche und fühlte mich mit ihr sehr verbunden. Das kennt Jeder, Jede, wenn man sympathische Menschen, Gesichter, immer und immer wieder sieht. Einmal in der Woche zum Abendgruß des Sandmännchens trafen wir uns vor der Mattscheibe, damals in den Siebzigern in unserer Neubauwohnung. Ja, sie war bei mir zu Hause! Meine Oma nähte mir Puppenkleider für meine Puppen, Frau Puppendoktor Pille im weißen Kittel hatte die passenden Ratschläge für mich als „Puppenmutti“ und zu allen Lebensthemen. Selbstverständlich. Diese schwarze Brille, wie sie diese aufsetzte, ihr hübsches Gesicht, ihre sanfte, einfühlsame Stimme. Wie sie damals scheinbar leblosen Teddys und Puppen eine Seele gab, sie sogar verletzlich machte, würde ich es heute formulieren, das zog mich als Kind magisch an. "Habt Ihr Ku**er oder Sorgen, dann schreibt gleich morgen an Frau Puppendoktor Pille…" so rief Urte Blankenstein ihre kleinen Fernsehzuschauer von 1968 bis 1988 auf. 20 Jahre lang! Und dann setzte sie ihre große, kluge Brille auf. Später änderte sie diesen Satzteil in „große runde Brille“, da eine Brille ja nicht klug sein könne, wie sie mir fast 50 Jahre später erzählt. Hier wird deutlich, dass dies zwar sprachlich korrekt, doch nicht unbedingt phantasievoll ist und hier wird auch deutlich, was Urte Blankenstein vermochte: die Phantasie ihrer jungen Zuschauer anzuregen, sie aufzumuntern, zu erheitern. Sie nahm ihre jungen Zuschauer in ihrer Sprechstunde sehr ernst, ihre Sorgen und Nöte. Mit ihren geflochtenen Zöpfen erinnerte die dunkelhaarige Schönheit ein bisschen an Pippi Langstrumpf. Doch während Pippis Zöpfe abstanden, sie die Welt auf den Kopf stellte und allerlei Schabernack trieb, schloss Frau Dr. Pille auf eine liebe, fürsorgliche Art Kinder in ihr Herz und spielte sich in die Herzen der Kinder, die heute gestandene Eltern sind.

Schon 1952 strahlte das DDR-Fernsehen künstlerisch erarbeitetes und pädagogisch wertvolles Kinderprogramm aus, das berühmte Sandmännchen ist heute eine Legende. Nach der Wende wurden im vereinten Deutschland fast alle Fernsehlegenden des DDR-Fernsehens totgesagt, tot geschrieben oder vergessen. Auch Urte Blankenstein. Auch ich, die ich 15 Jahre lang Perlen des Fernsehens, des Theaters, Musiker und Schriftstellerinnen öfter auch aus der Versenkung holte, hatte sie nicht mehr vor Augen. Doch dann sah ich sie wieder vor einem Jahr, im Februar 2024 saß sie im MDR Riverboat. Ich erkannte sie nicht, ich sah nur, dass da eine ältere Frau mit rotem Haar und einer wunderbaren Ausstrahlung saß. Als Kim Fisher sie vorstellte und zu stammeln begann, als es ums Alter ging, nahm Frau Blankenstein das Ruder an sich und sagte sinngemäß: „Sagen Sie ruhig, wie alt ich bin: Ich bin 80 und ich fühle mich sehr gut.“ Da sah ich sie also wieder, nun mit rotem statt schwarzem Haar, die Brille weg. Und wieder ein Mensch, eine Frau, die mir ein Vorbild im Älter werden ist, dachte ich.

In diesem Jahr plante ich eine Reihe, sie heißt „Fern Sehen“ in der Berliner Mark-Twain-Bibliothek und ich dachte sofort an Frau Puppendoktor und schrieb ihr eine email. Denn sie hatte mit 81 Jahren eine eigene website. Und ging bereits seit Jahren mit Frosch Quaki quer durch Ostdeutschland auf Tour. Prompt meldete sie sich kurz darauf an meinem Telefon. Ja, ich hatte Frau Puppendoktor an der unsichtbaren Leitung! Ich war glücklich wie lange nicht mehr. Und wir waren sofort verbunden, tauschten uns aus über Frauenthemen, über Kinder, die Schule, die heutige Zeit, das fehlende Miteinander, die hohen und immer höheren Preise, die das gute Leben kostet, über den Kahlschlag in der Kultur. Mitten in der Corona-Zeit 2020 erschienen ihre Lebenserinnerungen fast unbeachtet. Schließlich durften monatelang keine Live-Veranstaltungen durchgeführt werden. Davon erzählte sie mir auch. Wir telefonierten zweimal mehrere Stunden und wurden beide nicht müde dabei. Über die dürren Zeiten in der Kultur sprachen wir immer wieder, denn ich wollte mit ihr Veranstaltungen machen in diesem Jahr, in dem es die Kultur so schwer hat wie gefühlt Jahrzehnte nicht. Öfter sagte sie dennoch: „Wie haben wir es in der Kultur doch so gut! Wir tun, was wir lieben. Und ich kann immer noch Muggen machen, auch mit 80.“ Ja, Muggen wollten wir einige machen, in Marzahn, in Sassnitz und in Prerow.

Schon öfter hatte ich Gäste geladen, die bereits ein reifes Alter hatten: Sigmund Jähn, Gisela Steineckert, Hans Modrow, Täve Schur. Alle, alle kamen sie und daher dachte ich nicht im Traum daran, dass aus unserem Intermezzo nichts werden würde. Wir hatten so viel zusammen vor: Urte schlug ein gemeinsames Kaffeetrinken im Frühling in Köpenick vor, das sei nicht weit von Johannisthal, wo sie in einer kleinen Wohnung wohnte, in der Nähe des ehemaligen DDR-Fernsehens. Wohnen in der Nähe des Arbeitsplatzes war in der DDR ein Prioritätsthema. Wir planten also einige gemeinsame Veranstaltungen, Kaffee trinken, sogar einen gemeinsamen Podcast regte die betagte und zugleich so jugendliche Frau an. Es standen nur Untersuchungen im Raum. Ich machte ihr Mut und in meinem manchmal grenzenlosen Optimismus, gepaart mit ihrer Lebendigkeit, dachte ich nicht in meiner größten Phantasie daran…Dass sie nun selbst Arzttermine in Anspruch nahm, diese quicklebendige Frau, konnte ich also gar nicht richtig glauben. Und auch, als sie mir sagte, dass etwas mit ihrer Herzklappe nicht ok sei, beruhigte ich sie und sagte: Na, das wird schon wieder. Deine Arbeit gibt Dir die Kraft und Spaß! Doch plötzlich musste Frau Pille viele Pillen schlucken, obwohl die Fernsehärztin immer wieder sagte: „Lachen ist ansteckend und die beste Medizin“.

Urte Blankenstein starb am Sonntag. An diesem Tag hätte sie eine Mugge im Theater Ost in Adlershof gehabt. Ausgerechnet in Adlershof! Als ich von ihrem Tod erfuhr, musste ich weinen. Es war ein Trauertag, doch am Ende des Tages konnte ich mich trösten: Vielleicht ist es genau diese Unsterblichkeit, die manche Menschen mit ins Grab nehmen. Eine schöne Unsterblichkeit. Bei unserem letzten Telefonat am 2. April sagte sie: Es ist doch erstaunlich: Ich fühle mich so verbunden mit Dir, obwohl wir uns noch nicht einmal gesehen haben, doch als kennen wir uns schon ganz lange! Ja natürlich liebe Frau Puppendoktor, so ist es ja auch! Und wir werden immer sehr dankbar und glücklich verbunden bleiben über unsere gemeinsam verbrachte Zeit.

Zur SonntagsLese und zum Ende der SonntagsLese nach fast 15 Jahren kommt hier das Interview von Jan Tyrel mit mir. Unser...
20/12/2024

Zur SonntagsLese und zum Ende der SonntagsLese nach fast 15 Jahren kommt hier das Interview von Jan Tyrel mit mir.
Unser letzter Gast, Ilja Richter, war der perfekte letzte Gast: ein Brückenbauer zwischen den Befindungen, ob zwischen Ost und West, Bayern und NRW, Mann und Frau, Jung und Alt, Künstler oder Techniker, live oder virtuell und er reiste zu uns auch gleichzeitig in seine eigene Vergangenheit, weil er in Berlin-Karlshorst geboren wurde...

Ich bin kein bisschen traurig. Alles hat seine Zeit und ich bin gefüllt mit wundervollen Erinnerungen und Erlebnissen (unvergesslich wie so Vieles war Michael Gwisdek als spontane Vorband seines eigenen Auftrittes) Nun habe die Zeichen für den Abschied und etwas Neues erkannt (hoffe ich zumindest:))).

Liebes Publikum, und das SonntagsLese-Publikum wird seit Jahren hoch gelobt von meinen Gästen, bleiben Sie mir gewogen.
Und treu. Wir verbinden uns wieder🥰. Jetzt gehts in eine Ruhe- und Brütephase.

Allen ein friedvolles, besinnliches, erwärmendes Weihnachtsfest!
Ihre/ Eure Danuta

Die Journalistin Danuta Schmidt ist der Kopf vor und hinter der Sonntagslese - Ein Gespräch über Gäste & Lebensläufe

Seit März sind wir nun im Rathaus Friedrichshagen und hatten schon feine Veranstaltungen mit wunderbaren Gästen. Hier ei...
16/07/2024

Seit März sind wir nun im Rathaus Friedrichshagen und hatten schon feine Veranstaltungen mit wunderbaren Gästen. Hier ein aktuelles Interview zum Neustart mit Rückblick und Zuversicht:)

Die Journalistin Danuta Schmidt ist der Kopf vor und hinter der Sonntagslese - Ein Gespräch über Gäste & Lebensläufe

Das war toll wie immer und Danke auch für die schönen Bilder an Stephen Rübsam, den Kulturhaus-Chef!
14/06/2024

Das war toll wie immer und Danke auch für die schönen Bilder an Stephen Rübsam, den Kulturhaus-Chef!

...hier erfährt man mehr über die Entstehung meiner SonntagsLese und meine Thüringer Wurzeln;)
14/06/2024

...hier erfährt man mehr über die Entstehung meiner SonntagsLese und meine Thüringer Wurzeln;)

Viele kennen Danuta Schmidt als Initiatorin, Organisatorin und Moderatorin der SonntagsLese, die sich mittlerweile als Veranstaltungsreihe mit Persönlichkeiten überwiegend aus dem Osten Deutschlands etabliert hat. Schauspieler, Regisseure, Autoren, Architekten und viele mehr waren schon bei ihr zu...

09/06/2024
Zuerst mein Dank an alle Mitwirkenden: an das offene, wache und sehr wertschätzende Publikum, an das Team vom Rathaus Fr...
21/03/2024

Zuerst mein Dank an alle Mitwirkenden: an das offene, wache und sehr wertschätzende Publikum, an das Team vom Rathaus Friedrichshagen für die liebevolle Vorbereitung, an meine Schwester für die schönen Frühlings-Ranunkeln, an Ricarda mit ihren Büchern und natürlich an Andreas Dresen:

Am vergangenen Sonntag war das Debüt der SonntagsLese zurück in Friedrichshagen und im Rathaus. Dort war ich 2017 schon einmal ein Jahr mit Gästen wie Jutta Wachowiak, Jens Weißflog, Friedrich Schorlemmer und Wolfgang Kohlhaase. So moderierte ich auch an und erinnerte an den Drehbuchautor, der auch mit unserem ersten Gast (mein Wunsch) Andreas Dresen drei Filme machte (u.a. "Als wir träumten"). Bei Kohlhaase war es etwas frisch im Saal, worauf er ins Gästebuch schrieb: "Kalte Füße, warmes Herz!"
Nun am Sonntag mit viel Sonne, warmen Füßen und fast heißem:))) Herzen: dieses Mal ein Gespräch ausschließlich auf der Herzebene!!! Das Publikum hat das sehr goutiert, war hin und weg und sehr berührt, ganz selig wie mir etliche danach sagten und schrieben...und wir hatten so viele Themen, dass wir den aktuellen Film "In Liebe, Eure Hilde" nur kurz am Ende ansprachen. Schlau auch, denn ich fragte den wie immer hoch sympathischen Dresen (und nun duzen wir uns auch endlich nach zehn Jahren:))), ob wir dazu nicht ein extra Filmgespräch machen wollen....vielleicht klappt es Weihnachten;)
Er kam als Regisseur wunderbarer, berührender und auch identitätsstiftender Filme, doch vor allem als Mensch.
Danke für diese unvergesslichen Stunden🥰

Am 4. März war Musikerin und Schauspielerin Angelika Mann unser Gast bei der SonntagsLese im Kulturhaus Rüdersdorf. Das ...
19/03/2024

Am 4. März war Musikerin und Schauspielerin Angelika Mann unser Gast bei der SonntagsLese im Kulturhaus Rüdersdorf. Das war ein rührender Moment gleich zu Beginn zur Begrüßung, als ein paar Takte vom Küsschenlied erklangen und das Publikum spontan applaudierte. Es hat mich sofort richtig ergriffen...der Traumzauberbaum...
Toller Vormittag, auch die wunderbare Uschi Brüning, langjährige Freundin kam: Sehen die Grandes Dames nicht super aus?!!!!. Besonders war auch, dass Angelika aus drei Büchern Erinnerungen las: aus ihrem leider vergriffenen Buch, aus Uschi Brünings Buch und auch aus dem Buch von Reinhard Lakomy. Das gab es noch nie in der SonntagsLese.
Vielen Dank für die schönen Bilder lieber Micha Teich!

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