Theater Altes Hallenbad Friedberg / Hessen

Theater Altes Hallenbad Friedberg / Hessen Das Jugendstil-Schwimmbad aus dem Jahr 1909 wird seit 2013 als Kultureinrichtung genutzt.

WZ vom 18.6.26 - Seite 27 / KulturbühneEinzigartige Veranstaltung im Alten Hallenbad mit Jazzpianist Vitalii KianitsyiaE...
18/06/2026

WZ vom 18.6.26 - Seite 27 / Kulturbühne
Einzigartige Veranstaltung im Alten Hallenbad mit Jazzpianist Vitalii Kianitsyia

Einem Konzert im Liegen lauschen

Friedberg – Dieses Angebot gab es im „Theater Altes Hallenbad“ das erste Mal: einem Konzert im Liegen zu folgen. Dafür war der ganze Saal leer geräumt – mit Ausnahme des Flügels in der Mitte. An dem saß der ukrainische Jazzpianist Vitalii Kianitsyia. Um ihn herum lagen wild verstreut etwa 60 Personen auf Decken, Yogamatten oder Liegestühlen.

Mischung aus Freibad und Lagerfeuer

Ein Bild wie eine Mischung aus Freibad und Lagerfeuer. Allein das ist ein Erlebnis. Als dann das Klavier ertönte und der gesamte Klang sich im Raum ungestört entfaltete, entwickelte sich eine sehr besondere Atmosphäre. Eine Stunde lang spielte und improvisierte Kianitsyia am Flügel – alles auswendig und facettenreich, von Pianissimo bis zu lauten Stakkato-Passagen. Da kamen Erinnerungen auf an das legendäre Köln-Konzert von Keith Jarrett. Auch in Friedberg war eine aufmerksame, fast andächtige Stille zu erleben, die – durch keinen Beifall unterbrochen – bis zum letzten Ton anhielt. Alle Beteiligten erlebten den Zauber des ersten Mals – und waren begeistert. Der Pianist strahlte, auch wenn er beim zweiten Konzert des Abends (ebenfalls eine Stunde plus Zugabe) schon einen gewissen Kräfteverschleiß spürte. Die meisten Gäste, der jüngste Zuhörer elf, der älteste 99 Jahre alt, waren sich einig, ein ganz besonderes Konzert erlebt zu haben. Im Liegen zu lauschen ist eben intensiver, emotionaler, als dabei zu sitzen. Vielfach wurde um ein nächstes Liegekonzert gebeten. Das ist auch schon geplant. Im kommenden Juni, dann mit einer Jazz-Violinistin.

■ Heute am Beckenrand

Mit einem Auftritt der Sängerin Estellina endet am Donnerstag, 18. Juni, die Veranstaltungsreihe „Donnerstags am Beckenrand“. Die Künstlerin verbindet in ihren deutsch- und spanischsprachigen Songs Flamenco-Klänge mit Hip-Hop-Elementen und erzählt persönliche Geschichten über Liebe, Glaube und Emanzipation. Beginn ist um 19 Uhr, das Bühnenprogramm startet um 20 Uhr und geht bis etwa 22 Uhr.
PM

WZ vom 17.6.26 - Seite 25 / Kulturbühne Estellina bei „Donnerstags am Beckenrand“ im Alten Hallenbad Wenn Wasser auf Feu...
17/06/2026

WZ vom 17.6.26 - Seite 25 / Kulturbühne
Estellina bei „Donnerstags am Beckenrand“ im Alten Hallenbad

Wenn Wasser auf Feuer trifft

Friedberg – Mit der dritten und letzten Ausgabe der vom Theater Altes Hallenbad veranstalteten und von der Initiative Musik und Kultur auf der Spur geförderten Reihe „Donnerstags am Beckenrand“ findet am 18. Juni ein besonderes Finale statt. Nach einem erfolgreichen Auftakt und einem humorvollen zweiten Abend steht diesmal alles im Zeichen von Feuer, Sinnlichkeit und Leidenschaft. Einlass ist um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr.

Im Mittelpunkt des Abends steht Estellina. Die in Hanau aufgewachsene und in Frankfurt lebende Sängerin und Songwriterin vereint in ihrer Musik Einflüsse aus Hip-Hop, Jazz, Soul und Flamenco zu einem unverwechselbaren Klang. Geprägt von den kulturellen Wurzeln ihrer spanischen Mutter und ihres afroamerikanischen Vaters sowie von Städten im Rhein-Main-Gebiet, die kulturelle Vielfalt aktiv leben und fördern, entwickelt Estellina einen Stil, der Grenzen überschreitet und unterschiedliche Traditionen miteinander verbindet. Ihre Songs erzählen von Identität, Zugehörigkeit und persönlicher Entwicklung – mal kraftvoll und rhythmisch, mal berührend und intim.

Passend zu diesem musikalischen Kosmos wird der Abend von der Flamencotänzerin Anna Castillo begleitet. Die chilenisch-amerikanisch-deutsche Künstlerin, die zwischen Berlin und Barcelona lebt, verbindet in ihrer Arbeit klassischen Flamenco mit zeitgenössischen Einflüssen und künstlerischer Forschung. Wie Estellina bewegt sie sich zwischen verschiedenen kulturellen Welten und macht gerade diese Vielfalt zum Ausgangspunkt ihres Schaffens. So entsteht eine besondere Begegnung zweier Künstlerinnen, die Tradition und Innovation nicht als Gegensätze verstehen, sondern als Inspirationsquelle für neue Ausdrucksformen.

Wie bei allen Veranstaltungen der Reihe verwandelt sich das ehemalige Jugendstil-Hallenbad in eine atmosphärische Lounge, in der Publikum und Künstler einander besonders nahekommen. „Donnerstags am Beckenrand“ lädt dazu ein, Musik intensiv zu erleben, neue Talente aus dem Rhein-Main-Gebiet zu entdecken und den Abend bei Getränken und Gesprächen entspannt ausklingen zu lassen.
PM

WZ vom 6.6.26 - Seite 30 / KulturbühneA ca****la mit AugenzwinkernVON HARALD SCHUCHARDTMit feinem Gespür für Klang, Komi...
06/06/2026

WZ vom 6.6.26 - Seite 30 / Kulturbühne

A ca****la mit Augenzwinkern

VON HARALD SCHUCHARDT
Mit feinem Gespür für Klang, Komik und große Bühnenmomente hat das A-ca****la-Quartett LaLeLu sein 30-jähriges Bestehen im ausverkauften Alten Hallenbad gefeiert: musikalische Parodie, virtuoser Gesang und liebevolle Selbstironie. Das Publikum hat es am Ende nicht mehr auf den Stühlen gehalten.

Friedberg – Vor 30 Jahren gründeten die Hamburger Jan Melzer und Tobias Hanf zusammen mit zwei weiteren Mitstreitern die A-ca****la-Formation „LaLeLu“. Was an der Musikhochschule der Hansestadt begann, wurde schnell zu dem Vertreter einer neuen Stilrichtung: der Music-Comedy.
17 Programme hat die Formation, zu der seit 2008 die Deutsch-Finnin Sanna Nyman sowie seit 2012 Frank Valet gehören, produziert – und tourt damit äußerst erfolgreich durch den deutschsprachigen Raum.

Am Samstagabend war das Quartett mit seiner Jubiläumsshow „30 Jahre LaLeLu“ erstmals zu Gast im seit zwei Monaten ausverkauften „Theater Altes Hallenbad“. Und die vier beginnen den Abend genau so, wie die Fans es erwarten: Aus bekannten Melodien mixen sie mit eigenen Texten ein „LaLeLu-Jubiläumsmedley“, in dem sie sich kurz vorstellen.
„Wir haben schon Beziehungen in die Wetterau“, meint Tobias Hanf, der unter den Besuchern seine Schwiegermutter begrüßt, denn: „Meine Frau stammt aus Büdingen.“ Was folgt, sind mehr als zwei Stunden A-ca****la-Gesang vom Allerfeinsten, gemischt mit Comedy und einigen wunderschönen, ruhigen Momenten.
Dabei beantworten die vier immer wieder „Fragen, die uns in den vergangenen 30 Jahren gestellt wurden“, erklärt Jan Melzer. So werden sie etwa häufig gefragt, woher der Bandname stammt – kennt man „La Le Lu“ doch als Schlaflied, das einst Heinz Rühmann in einem Film sang.

Überraschungen auf der Bühne
Tatsächlich waren die Bandgründer vor über 30 Jahren Fans der Satirezeitschrift „Titanic“, die zum Tod von Heinz Rühmann einen satirischen „Nachruf“ veröffentlicht hatte. Diesen Text hat die Formation zum Jubiläum neu vertont und begeistert damit die Besucher.

Das ist nur eine von vielen Überraschungen. So schlüpft Frank Valet in die Rolle des Radiomoderators von „Frankies Jazz-Truhe“, der Jazz aus den 20er Jahren von „Don Fletcher Henderson“ präsentiert. Den Jazz liefern die vier in einem Sound, wie er in den Anfängen des Radios klang – eine Meisterleistung des Quartetts, die einmal mehr für Begeisterungsstürme sorgt. In ihre finnische Heimat entführt Sanna Nyman die Besucher mit einem selbst geschriebenen finnischen Tango, den die Mezzosopranistin ausdrucksstark singt und dazu mit ihren drei Bandkollegen tanzt.

Ein Lied ganz ohne Text, nur mit Vokalen und Silben, hat Tobias Hanf komponiert. Beim ruhigen „Isländisch Moos“ brillieren die vier mit ihren Stimmen. Dazu hat sich Jonas Schutt, der bandeigene Licht- und Toningenieur, eine besondere, romantische Lichtshow einfallen lassen, die für zusätzliche Begeisterung sorgt.

Seine Koffer nutzt das Quartett für eine mitreißende Percussion-Show voller Überraschungen – selbst die Koffergriffe werden zu Instrumenten. Und dann geben die vier zum Ende des ersten Teils noch einmal richtig Gas: Sie präsentieren mit der Ballermann-Oper „Der Bierkönig“ junge Oper einmal ganz anders. Zu einem Dutzend bekannter klassischer Melodien – von der Papageno-Arie bis zur „Carmina Burana“ – singen sie Texte von Ballermann-Hits wie „Malle ist nur einmal im Jahr“ oder „Zehn nackte Friseusen“.
Politiker parodiert

Ein Beifallssturm begleitet die vier in die Pause. Ebenso schwungvoll beginnt der zweite Teil, den Jan Melzer mit einer Grönemeyer-Parodie eröffnet, bei der sich alle Texte ums Essen drehen. Tobias Hanf schlüpft in die Rolle von Max Raabe, der als „Gastdozent“ über das Sexualleben der Tiere singt. Mit einer grandiosen Trommeleinlage geht die musikalische Erinnerungsreise weiter nach Afrika. In einem Soloauftritt parodiert Hanf ein Dutzend Politiker, aber auch Jogi Löw oder Rainer Calmund. Noch einmal wird es mit der portugiesischen Ballade „Fließe Wasser fließe“ ganz ruhig und getragen, bevor LaLeLu mit einem extralangen Jubiläumsmedley mit 30 Hits – von „Time of My Life“ über „Satisfaction“ bis hin zu „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ – den vorläufigen Schlusspunkt setzt.

Kaum ist der letzte Ton verklungen, springen die Besucher auf und feiern das Quartett, das sich schließlich mit einer Elvis-Zugabe auf Plattdeutsch und „LaLeLu-ja“, einer Adaption von Leonard Cohens „Halleluja“, verabschiedet. Minutenlang singen alle mit, bis die vier schließlich durch den Saal spurten, um im Foyer unzählige Autogramme zu geben, Gespräche zu führen und CDs zu verkaufen. Weniger anzeigen

05/06/2026

WZ vom 5.6.26 - Seite 26 / Kulturbühne

Quartett mit neuer Jazzmusik

Friedberg – Nicht überall, wo Big Band draufsteht, ist auch Big Band drin. So am Sonntag, 7. Juni, um 18 Uhr im Theater Altes Hallenbad. Es werden dann zwar Studierende eines Masterstudiengangs Big Band spielen – aber dieses Semester waren es nur vier, die sich dafür gemeldet haben. Also ist die Formation genau so groß, nämlich ein Quartett. Dennoch wird es ein Gewinn für alle Beteiligten werden. Auf der einen Seite sind es die Studierenden der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) und Jazzstudierende der Hochschule für Musik Mainz. Die machen dieses Projekt zusammen und erarbeiten jedes Semester ein neues Programm. Das wollen die angehenden Profis natürlich aufführen – das „Alte Hallenbad“ ist dafür ein sehr passender Ort und wird dieses Jahr das erste Mal bespielt. Die Besuchenden des Theaters bekommen durch diese neue Kooperation einen Hörkontakt zum Puls des Jazz. Das Ensemble mit Saxofon, Trompete, Gitarre und Bass wird geleitet von dem erfahrenen Berliner Gitarristen, Komponisten und Klangkünstler Peter Meyer. Es wird Kompositionen spielen von ihm und welche der Studierenden.
Karten gibt es im Ticket-Shop an der Burg in Friedberg, unter www.ticket-shop-friedberg.de, an allen bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.

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02/06/2026

WZ vom 2.6.26 - Seite 19 / Friedberg / Bad Nauheim

Ensemble mit neuem Programm

Friedberg – Im Theater Altes Hallenbad spielt am Sonntag, 7. Juni, 18 Uhr, ein Quartett von Studierenden der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt. Das Ensemble mit Saxofon, Trompete, Gitarre und Bass hat in diesem Semester ein neues Programm erarbeitet. Geleitet wird das Projekt von Peter Meyer, einem Berliner Gitarristen, Komponisten und Klangkünstler. Die Formation spielt Kompositionen von Meyer und den Bandmitgliedern.
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29/05/2026

WZ vom 29.5. - Seite 24 / Kulturbühne

Burg macht Theater im Alten Hallenbad

Friedberg – Auch in diesem Jahr führen zwei Leistungskurse des Fachs „Darstellendes Spiel“ am Burggymnasium im Rahmen der Reihe „Burg macht Theater“ ein Stück im Theater Altes Hallenbad auf. Am Dienstag, 2. Juni, um 17 Uhr feiert das von den Schülerinnen und Schülern unter der Leitung von Philip Krause selbst entwickelte Stück „Fühl mal“ Premiere.

Im Zentrum der im Unterricht entstandenen Eigenproduktion stehen Emotionen und die vielfältige Art und Weise, wie Menschen Gefühle wahrnehmen, ausdrücken und verarbeiten. In verschiedenen Szenen setzen sich die Darstellenden mit grundlegenden menschlichen Empfindungen auseinander und bringen diese auf kreative und eindrucksvolle Weise auf die Bühne.

Dabei werden sowohl alltägliche Situationen als auch tiefgehende emotionale Erfahrungen dargestellt, die das Publikum zum Nachdenken und Mitmachen anregen sollen. Die Aufführung von „Fühl mal“ verspricht einen facettenreichen und zugleich persönlichen Einblick in die Arbeit des Fachs „Darstellendes Spiel“ des Burggymnasiums.

Alle Interessierten sind zur Aufführung eingeladen, um sich dann auf eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Gefühle einzulassen.

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WZ vom 22.5.26 - Seite 22 / Kulturbühne Esther Hock und Seung-Yo Cha ernten Ovationen mit großartigem ChansonprogrammFri...
22/05/2026

WZ vom 22.5.26 - Seite 22 / Kulturbühne

Esther Hock und Seung-Yo Cha ernten Ovationen mit großartigem Chansonprogramm

Friedberg – Wenn ein heftig applaudierendes Publikum die Künstlerinnen erst nach drei Zugaben endgültig die Bühne verlassen lässt, dann müssen sie ein sehr gutes Programm geboten haben. Und so war es: Die aus zahlreichen Auftritten in der Region wohlbekannte Sängerin Esther Hock und ihre ebenbürtige koreanische Pianopartnerin Seung-Yo Cha rissen das am vergangenen Sonntagabend in Scharen im Großen Saal des Theaters Altes Hallenbad erschienene Auditorium bei ihrem zweistündigen Chansonabend zu wiederholten Ovationen hin.
Kaum ein Klassiker fehlte auf dieser phänomenalen Reise durch die bunte Welt des französischen Chansons – gewürzt mit einigen deutschen und englischen Ohrwürmern. „Geschichten von der Liebe“: So lautete der Untertitel des Programms im Zeichen der Rose.

„Sous le ciel de Paris“: Unter dem Himmel von Paris gehen die Uhren – zumindest was die Liebe betrifft – offenbar anders. „Ganz Paris träumt von der Liebe“ lässt es auch Caterina Valente aus den 1950er Jahren in unsere nüchterne Zeit herüberklingen. Esther Hock überzeugt vom ersten Lied an mit kraftvoller, geschmeidiger Stimme und gut verständlichem Text. Mit Seung-Yo Cha steht ihr eine empathische Virtuosin zur Seite, die ihr pianistisches Können auch in einigen Soloauftritten unter Beweis stellt – so z. B. mit einem Titel von Erich Wolfgang Korngold und „Autumn Leaves“ von Cole Porter.

Blickt man durch die rosarote Brille, dann ist das oft so trostlos-banale Leben besser zu ertragen. Den melancholischen Unterton in Édith Piafs legendärem „La vie en rose“ bringt Esther Hock in ihrer mit viel Tremolo vorgetragenen Interpretation gut zum Klingen. Überhaupt kostet sie die „Mélange“ scheinbar gegensätzlicher Stimmungen wie Lust, Leidenschaft, Sehnsucht, Trotz, Trauer in Piafs unsterblichen Chansons voll aus. „Je ne regrette rien“: Ich bereue nichts! Ich stehe zu meinem Leben, lasse mich vor allem nicht von verlogenen Moralaposteln abkanzeln.

Zum Weinen schön
Marlene Dietrich ist (erstmals gesungen im Film „Der blaue Engel“ von 1929) mit dem Song „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ nach Friedrich Holländer ins kollektive musikalische Gedächtnis eingegangen. Das gilt zwar nicht für Holländers „Ich weiß nicht, zu wem ich gehör‘“. Aber verstecken muss sich dieser Titel mitnichten hinter dem „Blauen Engel“. Beide Songs changieren zwischen lasziver Halbwelt-Verruchtheit und weiblichem Selbstbewusstsein.

Auch dieser Stimmungslage zeigt sich die bestens aufgelegte Diva im Großen Saal voll gewachsen. „L‘Accordéoniste“ ist die sentimentale Geschichte eines „Freudenmädchens“. Sie erwartet sehnsüchtig die Rückkehr ihres Geliebten, des Akkordeonspielers, aus dem Krieg. Aber sie wird ihn nicht wiedersehen. Das ist zum Weinen schön.
Geradezu herzzerreißend jedoch – und vielleicht das Highlight des ganzen Abends – ist Édith Piafs „Hymne à l‘amour“. Wie in einem Prisma leuchten hier alle Facetten des französischen Chansons auf – wenn auch überschattet von tiefer Trauer. Das Auditorium applaudiert gerührt.

„Unter der Laterne, vor dem großen Tor“ verabschieden sich Lili Marleen und ihr Geliebter. Der „Zapfenstreich“ ruft ihn zurück in die Kaserne zu all den anderen, mit denen er in einen verbrecherischen Krieg ziehen muss – und nicht wiederkehren wird. Dem sentimentalen Lied Lale Andersens lauschten allabendlich Zehntausende deutsche Soldaten an allen Frontabschnitten. Es liegen Welten zwischen ihm und den zu Gehör gebrachten französischen Chansons.

Bewegend klingt der denkwürdige Abend mit einem Schlusswort Esther Hocks über die Himmelsmacht Liebe sowie den heiteren Zugaben „Oh, Champs-Élysées“ und „C’est si bon“ aus.
PM Weniger anzeigen

WZ vom 19.05.26 - Seite 23 / Kulturbühne Amüsanter Abend in AbsurdistanVON HARALD SCHUCHARDTEin grauer Anzug, zwei Holzs...
19/05/2026

WZ vom 19.05.26 - Seite 23 / Kulturbühne

Amüsanter Abend in Absurdistan

VON HARALD SCHUCHARDT
Ein grauer Anzug, zwei Holzstühle: Ulan und Bator haben das Alte Hallenbad in eine Bühne des gepflegten „Undsinns“ verwandelt. Zwischen Sprechgesang, Slapstick und Sprachakrobatik entsteht Kabarett, das bewusst aus dem Rahmen fällt – ein Abend, der jede Logik sprengt.
Friedberg – Seit 25 Jahren sind Sebastian Rüger und Frank Smilgies, besser bekannt als Ulan und Bator, eine feste Größe in der deutschen Kabarettszene. Als „Kabarett aus Absurdistan“ bezeichneten die beiden ihre Show einmal.

Diese Beschreibung trifft auch auf deren aktuelles Programm mit der schon kuriosen Wortschöpfung „Undsinn“ zu. Am Samstagabend begeisterten die beiden „Fast-60er“ bei ihrem dritten Gastspiel im nahezu ausverkauften „Theater Altes Hallenbad“ einmal mehr mit ihrem einmaligen Mix aus Kabarett, Theater, Tanz, Wortwitz und Improvisation.
Ungewöhnlicher Anfang

Überraschend und irgendwie auch improvisiert ist der Auftakt. Noch während im Saal das Licht brennt, die Besucher Platz nehmen oder sich unterhalten, kommen nach und nach zwei Männer im grauen Anzug auf die Bühne und nehmen auf zwei Holzstühlen – den einzigen Requisiten des Abends – Platz. Gelangweilt schauen sie auf die Zuschauer, bis Kultur-AG-Mitglied Harald Schuchardt die Besucher begrüßt und feststellt: „Wir warten noch auf die Künstler.“
Diese „Ignoranz“ der beiden Männer sorgt für erste Lacher, zumal diese mitklatschen und Grimassen schneiden. Kaum hat Schuchardt die Bühne verlassen, verwandeln sich Rüger und Smilgies in die zwei nach der mongolischen Hauptstadt benannten Kunstfiguren, indem sie sich zwei Pudelmützen – ihr Markenzeichen – aufsetzen.
Zwei Stunden lang zelebrieren sie so ihre ganz eigene Welt voller abstruser Ereignisse. Das beginnt schon mit der Feststellung, dass die „Enzym-Wissenschaft“ anhand von gefundenen Wandmalereien festgestellt habe, dass der erste Mensch aus Friedberg stamme und „Mama“ nicht mehr das erste Wort sei, das Menschen weltweit sprechen.

Ob es stattdessen „Hobedio“ oder „debedit“ ist, bleibt offen; das Publikum nimmt den Sprechgesang des Duos jedenfalls sofort auf, spricht und singt lautstark mit. Und schon geht es weiter nach Wacken, wo ein Metalhead im Sturm das Ende der Vorverkaufsschlange sucht.
Mit ihrer Körpersprache, ihrer geradezu genialen Gesichtskomik und den kurzen, oft bewusst kaum verständlichen Dialogen schafft das Duo es locker, dass die Besucher immer wieder Lachsalven auf die Bühne senden. Und wer Ulan und wer Bator ist, das ist schlichtweg irrelevant.

Das gilt auch für die Überlegungen längst verstorbener Dichterfürsten wie Goethe oder Brecht, wer als Nächster zu ihnen „da oben“ kommen solle. Es geht Schlag auf Schlag weiter, die Szenen wechseln scheinbar konzeptlos, oft in einer „Sprache“, die frei erfunden ist und dazu noch absolut synchron vorgetragen wird, wie bei einem Zahnarztbesuch, bei dem sich der Patient auf dem „Behandlungsstuhl“ mit dem Zahnarzt völlig unverständlich, aber intensiv unterhält.

Sie kennen keine Grenzen
Weiter geht es in ein Schloss, wo Durchlaucht von seinem Diener nur noch Gott genannt werden will. Ulan und Bator glänzen zwischendurch mit furiosen und zugleich kuriosen Tanzeinlagen und Gesangsnummern, die sie alle ohne jegliches Playback absolvieren, ob Hip-Hop oder „Sugar Baby“ von Peter Kraus, das allerdings zu „Sugar Daddy“ mutiert.
Die beiden Kabarettisten kennen keine Grenzen, bringen auch das aktuelle Zeitgeschehen in ihr Programm ein. Die stinkenden und kopflosen braunen Aale wurden am rechten Rand geangelt, und bei einem „Schockanruf“ eines angeblichen Polizisten dreht der Opa, der mit einer Geldzahlung seine Enkelin vor einem Gefängnisaufenthalt bewahren soll, den Spieß einfach um.

Das ist skurriler Nonsens auf allerhöchstem Niveau – eben „Undsinn“ – und zugleich höchste Schauspielkunst des Theaterduos, das in diesem Jahr sein „Vierteljahrhundert“ mit einem Jubiläumsprogramm zelebrieren wird. Das würden die von den Besuchern gefeierten zweimaligen Gewinner des Deutschen Kabarettpreises im „schönsten trockenen Hallenbad Deutschlands“ gerne präsentieren. Weniger anzeigen

WZ vom 13.5.25 - Seite 23 / Friedberg / Bad NauheimDie Kabarettisten Sebastian Rüger und Frank Smilgies gastieren am 16....
13/05/2026

WZ vom 13.5.25 - Seite 23 / Friedberg / Bad Nauheim

Die Kabarettisten Sebastian Rüger und Frank Smilgies gastieren am 16. Mai in Friedberg

Ulan und Bator fragen nach „Undsinn“?

Friedberg – Frage an Radio Eriwan: Was hat die Hauptstadt der Mongolei zu tun mit dem „Theater Altes Hallenbad“ in Friedberg? Antwort: Im Prinzip gar nichts, außer dass deren Hauptstadt Ulan Bator heißt und ein Comedy-Duo gleichen Namens am kommenden Samstag, 16. Mai, um 19.30 Uhgr in der Haagstraße auftritt. Damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten, doch halt, vielleicht gibt es noch eine: Ulan Bator bedeutet im Deutschen „Roter Held“, was auf kämpferisches und revolutionäres Potenzial schließen lässt. Da könnte sich ein Kreis schließen, denn kämpferisch ist das Comedy-Duo seit jeher gewesen, und ja, vielleicht auch etwas revolutionär. Halt nur auf seine, etwas spezielle Weise.

Ulan und Bator betrachten das kleine und große Weltgeschehen nämlich aus einer ganz bestimmten Perspektive, aus Absurdistan. Das liegt irgendwo in der Nähe der Mongolei oder so. Ist aber auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass es Ulan und Bator gelingt, die Gegenwart mit all seinen Krisen und Kriegen nicht nur zu ertragen, sondern den bisweilen ins Groteske verzerrten Alltag auch noch komisch zu finden. Einfach ist das nicht, riskant auf jeden Fall. Es gelingt ihnen – meistens. Auf jeden Fall gibt es viel zu lachen, was auch dem Publikum hilft, etwas entspannter seinen Alltag zu bestreiten. Weniger anzeigen

12/05/2026

WZ vom 12.5.26 - Seite 22 / Kulturbühne

Friedberg – „Chanson de la rose – Geschichten von der Liebe“ ist der Titel eines Chansonabends mit Esther Hock am Sonntag, 17. Mai, um 18 Uhr im Theater Altes Hallenbad in der Haagstraße 29. „Padam, padam“, „…je vois la vie en rose“ und „Non, rien de rien, non, je ne regrette rien“ sind unvergessliche französische Chansons der großen Édith Piaf. Deren Lieder fehlen an diesem Abend ebenso wenig wie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ von Marlene Dietrich. Esther Hock bringt die bekannten Chansons mit Leidenschaft und Gefühl auf die Bühne. Gemeinsam mit der Pianistin Seung-Jo Cha gestaltet sie einen Abend voller Lieder über Liebe, Lebenslust und Sehnsucht. Ein Konzert, das Erinnerungen weckt und das Publikum mitten ins Herz trifft. Karten gibt es im Internet über www.reservix.de sowie im Ticket-Shop Friedberg und an allen bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.
PM

Adresse

Haagstraße 29
Friedberg
61169

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