Theater Altes Hallenbad Friedberg / Hessen

Theater Altes Hallenbad Friedberg / Hessen Das Jugendstil-Schwimmbad aus dem Jahr 1909 wird seit 2013 als Kultureinrichtung genutzt.

eine Gastveranstaltung in unserem Haus WZ vom 3.9.26 - Seite 28 / Kulturbühne Kammerchor „Cantus firmus Wetterau“ beeind...
03/09/2026

eine Gastveranstaltung in unserem Haus

WZ vom 3.9.26 - Seite 28 / Kulturbühne Kammerchor „Cantus firmus Wetterau“ beeindruckt im Alten Hallenbad

„Heut ist so recht ein Tag der Freude!“

Friedberg – Romantische Chormusik: Was könnte mehr zu Herzen gehen? Es ist diese unvergleichliche Symbiose aus kindlich überschäumender, inniger Freude an der Natur und Sehnsucht nach dem Unendlichen, überschattet von Wehmut und letztlich auch Trauer über die Vergänglichkeit allen Lebens.

Wer sich dieses Erlebnis am letzten Sonntagabend gönnen mochte, brauchte seine Schritte nur ins Theater Altes Hallenbad zu lenken. Hier erwartete ihn bzw. sie der durch zahlreiche Auftritte wohlbekannte Kammerchor „Cantus firmus Wetterau“ mit einem wunderbaren Programm.

„Sechs Lieder im Freien zu singen“, Felix Mendelssohns op. 61, machten den Anfang. Schon nach wenigen Minuten hatte sich der Große Saal in einen klingenden Zaubergarten verwandelt.

„Und frische Nahrung, neues Blut / saug ich aus freier Welt; / wie ist Natur so hold und gut, / die mich am Busen hält! ... Aug, mein Aug, was sinkst du nieder? / Gold‘ne Träume, kommt ihr wieder?“ So heißt es in den letzten Zeilen von „Auf dem See“ nach Goethes Gedicht.

Drei weitere Lieder des Zyklus sind Vertonungen von Gedichten Heinrich Heines aus seinem „Buch der Lieder“. Hier wird die Ambivalenz der romantischen Gefühlswelt mit Händen greifbar, zumindest, wenn sie so professionell und empathisch zum Klingen gebracht wird wie vom „Cantus firmus“-Chor.

Worin liegen die Stärken dieses kompakten, rund 30-köpfigen Klangkörpers? Vorab ist es die präzise, klar verständliche Diktion, die jedes Mitlesen im Programmheft erübrigt. Fast ein Drittel des Chors stellen die Sopranistinnen. Dass sie das Gesangsgeschehen trotzdem zu keinem Zeitpunkt dominieren, dass alle vier Stimmlagen ausgewogen, „auf Augenhöhe“, zusammenwirken, ist das große Verdienst von Chorleiter Michael Muche.

Für manch ältere Gäste des kurzen, aber desto intensiveren Konzerts vielleicht ungewohnt: In krassem Kontrast zur zauberhaft entrückten Musik agiert als „poetischer Brückenbauer“ der bekannte Poetry-Slammer Thorsten Zeller.

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass auch Felix’ vier Jahre ältere Schwester F***y eine Tonsetzerin von hohen Graden ist und ihr Stern bis heute nichts von seiner Leuchtkraft verloren hat.

Die kongeniale Interpretation ihrer sechs „Gartenlieder“, op. 3, durch „cantus firmus“ führte dies im Alten Hallenbad klar vor Augen. Vor allem die Sopranistinnen sind hier gefordert und werden der Herausforderung voll gerecht.

Auch F***ys Vertonungen (u. a. dreimal Eichendorff) zeichnen sich durch eine wunderbare „Melange“ grundverschiedener Stimmungen aus. Es ist eine Klanglandschaft mit weiten Ausblicken in eine verheißungsvolle Ferne. Den heimischen Garten lässt sie dabei weit hinter sich …

Antonín Dvořák war sechs Jahre alt, als Felix und F***y 1847, viel zu früh!, diese Welt verlassen mussten. Dass er zumindest teilweise noch in romantischen Spuren wandelt, erhellt aus seinem fünfteiligen Zyklus „In der Natur“, op. 63.

Seinen Liedern fehlt die Tiefe und Komplexität der romantischen Tongemälde. Sie feiern das Leben, fern von Melancholie oder gar Todessehnsucht. Hier lautet die Devise: „Heut‘ ist so recht ein Tag der Freude!“ Gleiches galt für die beglückende Stunde mit „Cantus firmus“ und Thorsten Zeller.

Lang anhaltender Applaus wird mit Elgars „Oh, wild west wind“ belohnt.
GERHARD KOLLMER

20/08/2026

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.friedberg.hessen

Was macht das Leben lesenswert? Gibt es ein Nachwort, wenn die Tinte ausgeht? Können bedruckende Erinnerungen verblassen...
14/08/2026

Was macht das Leben lesenswert? Gibt es ein Nachwort, wenn die Tinte ausgeht? Können bedruckende Erinnerungen verblassen?

Im fünften Stück «Jenseitig» nimmt sich das Duo OHNE ROLF https://ohnerolf.ch/de/ den grossen Fragen an. Mit seinen Plakaten werden urmenschliche Themen zu leichtgeblätterter, absurder Komik.

Ein überraschender Balanceakt zwischen Diesseits und Jenseits.

Wer dabei sein möchte kommt am 19.09 - 19.30 zu uns ins ALTE HALLENBAD
das Ticket dazu gibt es hier
https://www.reservix.de/tickets-ohne-rolf-jenseitig-christof-wolfisberg-jonas-anderhub-in-friedberg-theater-altes-hallenbad-am-19-9-2026/e2564488

......  Ergänzt wird das Programm (am 14. und 15.8.) durch weitere Konzerte im Theater Altes Hallenbad und ....... WZ vo...
08/08/2026

...... Ergänzt wird das Programm (am 14. und 15.8.) durch weitere Konzerte im Theater Altes Hallenbad und .......

WZ vom 8.8.26 - Seite 25 / Friedberg / Bad Nauheim

Friedberg – Wenn Rock ’n’ Roll auf dem Elvis-Presley-Platz erklingt, historische US-Fahrzeuge durch die Innenstadt rollen und Fans aus aller Welt nach Friedberg kommen, dann ist wieder Elvis-Weekend. Vom 13. bis 16. August erinnert die Kreisstadt gemeinsam mit Bad Nauheim an den wohl berühmtesten Soldaten, der jemals in Friedberg stationiert gewesen ist. Mit Konzerten, Führungen, Ausstellungen und zahlreichen Mitmachangeboten verbindet das Wochenende die Geschichte von Elvis Presley mit einem abwechslungsreichen Kulturprogramm für Besucher jeden Alters.
Musik, Tour und Exponate

In den Ray Barracks leistete Elvis zwischen 1958 und 1960 seinen Militärdienst. Bis heute zieht diese enge historische Verbindung Fans aus vielen Ländern in die Wetterau und macht das Elvis-Weekend zu einem festen Termin im Veranstaltungskalender. „Das Elvis-Weekend zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie lebendig Geschichte sein kann. Friedberg bewahrt die Erinnerung an einen besonderen Teil seiner Stadtgeschichte und verbindet sie mit einem vielfältigen kulturellen Angebot, das Menschen aus nah und fern zusammenbringt“, betont Bürgermeister Kjetil Dahlhaus.

Eröffnet wird das Elvis-Weekend am Donnerstag, 13. August, um 19 Uhr auf dem Elvis-Presley-Platz. Auf die offizielle Begrüßung durch Dahlhaus und seinen Bad Nauheimer Amtskollegen Klaus Kreß sowie Vertreter des Elvis-Presley-Vereins folgt der inzwischen traditionelle gemeinsame musikalische Auftritt der beiden. Anschließend sorgen die „German Elvis Tribute Artists“ für den musikalischen Auftakt des Wochenendes.

Am Freitag stehen Geschichte und Erinnerung im Mittelpunkt: Die GI-Blues-Tour führt zu den Orten, an denen Elvis während seiner Militärzeit seinen Alltag verbracht hat. Im Wetterau-Museum lädt die Ausstellung „Amerikaner in Friedberg“ mit historischen Exponaten, Fotografien und einer Elvis-Fotobox zum Entdecken ein. Bereits am Nachmittag nimmt Kevin Löhr mit seinem Programm „Elvis the Passion“ das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise durch die Karriere des King – von den Rock-’n’-Roll-Hits der 50er Jahre bis zu den großen Konzertmomenten der 70er. Am Abend sorgen die „Silverballs“ während des Feierabendtreffs auf dem Elvis-Presley-Platz für die Stimmung, während Oliver Steinhoff im Theater Altes Hallenbad mit „Elvis: Die Story“ das Leben des King auf die Bühne bringt.

Der Samstag bietet das umfangreichste Programm. Neben Bustouren durch die ehemaligen Ray Barracks erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit Boogie-Woogie, Rock ’n’ Roll und einer großen Tanzparty auf dem Elvis-Presley-Platz. Ein Höhepunkt ist der Zwischenstopp der Classic-Car-Parade in der Wolfengasse mit zahlreichen amerikanischen Oldtimern.

Ergänzt wird das Programm durch weitere Konzerte im Theater Altes Hallenbad und die große Elvis-Show „Rio – The Voice of Elvis“ in der Stadthalle. In der Altstadt laden die „Elvis-Oasen“ und der „Checkpoint Elvis“ dazu ein, Friedbergs Elvis-Geschichte auf spielerische Weise zu entdecken.

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WZ vom 6.8.26 - Seite 21 / Kulturbühne Verehrung für Giora Feidman im Alten HallenbadDer Maestro und die KlarinetteFried...
06/08/2026

WZ vom 6.8.26 - Seite 21 / Kulturbühne

Verehrung für Giora Feidman im Alten Hallenbad
Der Maestro und die Klarinette

Friedberg – Respekt, Giora Feidman! Respekt vor der Lebensleistung, der menschlichen und künstlerischen. Diesen Respekt, den, mit den Worten des Maestro, „viele Leute in ihrer Bedeutung vergessen haben“, brachte ihm das Publikum im ausverkauften Alten Hallenbad in Friedberg entgegen. Sie feierten die Begegnung mit dem 90-Jährigen.

„For a better World“ schrieb Giora Feidman den treuen und neuen Zuhörerinnen und Zuhörern mit seiner Person und seiner Klarinette ins Gedächtnis. Es ist der Titel der Tour und die dritte erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem iranischen Komponisten Majid Montazer. „Er ist Moslem, ich bin Jude, er schreibt, ich spiele. Wir sind Brüder. Alles geht Hand in Hand“, beteuert Feidman und kündigt damit den gleichnamigen Song an.

Der Mann mit der Friedensbotschaft
Der kleine Mann mit der großen Friedensbotschaft lebt die Musik. Das treibt ihn, heiter und bescheiden, auch im 80. Bühnenjahr noch an und hält ihn wach. In Buenos Aires, seinem Geburtsort, stand er mit elf Jahren zum ersten Mal in der Öffentlichkeit, spielte mit seinem Vater Klezmer auf Hochzeiten. Sie ist bis heute seine Seelenmusik geblieben.

Klezmermusik hat das überwiegend ältere Publikum im aha in der Jugend geprägt. Unvermittelt stimmt es bei den ersten Tönen ein in das bekannte „Hevenu Shalom“. Ein Leuchten geht über Feidmans Gesicht, wie später im 90-minütigen Non-Stop-Programm bei dem Traditional „Let’s be happy“ und Leonhard Cohens „Halleluja“. Er dirigiert mal für sich, bis sein Einsatz zum Klavier kommt, mal das Publikum, das ihm folgt.

Majid Montazer ist, wie Feidman, ein musikalischer Brückenbauer zwischen Klassik und den farbenreichen Einflüssen der Weltmusik. Auch in den aus seiner Feder stammenden 18 Stücken hat er Emotionalität und Virtuosität verwoben. Die kleinen, behutsam gesetzten Melodien zelebriert Feidman, wobei das Wechselspiel zwischen Klavier und Klarinette mühelos ineinanderläuft. Itxaso Etxeberria Jaurrieta, die ihn diesmal virtuos und gefühlvoll begleitet, sei für ihn ein Geschenk, bekennt er. Für das Publikum auch.

Die Musik fließt leise aus ihm heraus bei den moderaten Tempi, oder sie ist lustig, listig, lebendig. „Feidmans Happy Clarinet“ beweist das. In anderen Stücken lässt er die Klarinette für das aufmerksame Publikum singen. Der Mann, den Liebe und Leid, Hoffnung und Glaube sein Leben lang begleitet haben, schlägt temperamentvolle Töne an bei „Revolution of Love“. Verbal wird er emotional, wenn er in den kurzen Zwischenmoderationen davon spricht, dass er es nicht verstehen kann, wenn jahrelang Bomben geworfen werden. „Was haben die Menschen im Kopf?“, fragt er und greift sich immer wieder an die Stirn.

Die Musik des Songs „Respect“ spricht die Sprache der Harmonie. So kann es auch gehen. „Light in Darkness“ habe er selbst nach einer Operation erfahren. Es ist ein Solo für ihn und seine Klarinette. Darin beten und danken sie gemeinsam. Im Saal ist es mucksmäuschenstill, die Musik geht zu Herzen. Und dann wiederum tanzt er mit der Klarinette, stubst sie, dass sie vor Vergnügen quiekt. Der letzte Song „Happiness“ erinnert sicher nicht nur ihn an eine vergnügte Kindheit, in der die Töne vor Glück hüpfen und die Melodie so leichtfüßig daherkommt.

Manches ist für ihn mühsamer geworden bei seinen Auftritten, aber wenn er auf seinem Hocker sitzt und das Konzert beginnt, ist er der Alte. Es ist die Kraft der Botschaft, das tiefe musikalische Empfinden, das Einssein mit dem Instrument, die unerschütterliche Hoffnung auf eine bessere Welt, was den Menschenfreund Feidman ausmacht. Das spürt das Publikum und verehrt ihn. Wie oft sagt seine achselzuckende Geste: „Ja, so ist es. Was soll ich sagen?“ Und wie oft, wenn das Publikum mitgeht, strahlt er glücklich wie ein Kind: „Ach, ist das schön!“

Mit Kusshand verabschiedet er sich, nicht um zu gehen, sondern um CDs, Bücher, Programmhefte, Eintrittskarten mit großer, dicker Schrift zu signieren. Beglückte Menschen begleiten ihn zu seinem nächsten Auftritt, einem von 150 im Jahr. Respekt: Maestro Giora Feidman.

VON HANNA VON PROSCH

WZ vom 26.7.26 - Seite 23 / KulturbühneAuf der Suche nach RaymondVON DAGMAR BERTRAMVom Schüleraustausch zum Filmabend: I...
30/07/2026

WZ vom 26.7.26 - Seite 23 / Kulturbühne

Auf der Suche nach Raymond

VON DAGMAR BERTRAM
Vom Schüleraustausch zum Filmabend: Im Alten Hallenbad in Friedberg hat der Dokumentarfilm „8 Sekunden“ das Publikum am Dienstagabend sichtlich bewegt und ergriffen. Der Film erzählt die Geschichte eines französischen Widerstandskämpfers und zeigt, wie Erinnerung über Generationen hinweg lebendig bleiben kann und wie Geschichte weit über den Schulunterricht hinauswirkt.

Friedberg – Aus einem Schüleraustausch der Sankt-Lioba-Schule in Bad Nauheim ist ein französischer Filmabend in Friedberg geworden: Jean-Marie Vinclair hat am Dienstag im Alten Hallenbad seinen preisgekrönten Dokumentarfilm „8 Sekunden“ gezeigt. Ulf Berger, der den Abend in Kooperation mit dem Bürgerforum Friedberg präsentierte, freute sich über den gut gefüllten Saal – mitten in den Sommerferien.

Noch dazu war der Vorlauf recht kurz gewesen. Bei einem Besuch der französischen Familie Vinclair neulich in der Wetterau war die Idee aufgekommen, den Film nicht nur privat zu zeigen, sondern mit anderen zu teilen.

Kriegsgefangenen zur Flucht verholfen

„8 Sekunden“, der auch im französischen Original so heißt, taucht ein in die Familiengeschichte der Vinclairs: in die von Jean-Marie selbst, seines Vaters, seines Großvaters, aber vor allem in die seines Großonkels Raymond. Als Zwangsarbeiter in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs verhalf er rund 150 Kriegsgefangenen zur Flucht. Dafür bezahlte er mit seinem Leben. Er wurde im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee enthauptet. Aus Unterlagen geht hervor: Die Hinrichtung dauerte von der Vorführung bis zur Vollzugmeldung „8 Sekunden“.

Was den Film so eindrücklich macht, sind die sehr persönlichen Gedanken und Gefühle, die Filmemacher Jean-Marie Vinclair mit den Zuschauern teilt. Was ihn so besonders macht, sind Vinclairs Söhne, Terence und James, die sich in dem Film auf die Suche nach ihrem Vorfahren Raymond begeben. Zunächst nicht mehr als ein Name, wird er durch jedes Dokument sichtbarer, bis sie sogar ein Bild von ihm finden – und den Ort, an dem er begraben ist, zurück in seiner Heimat Frankreich.

Die Suche nach Raymond in Archiven und Gedenkstätten in Frankreich und Deutschland wird aus Sicht der Kinder erzählt, die dafür sogar ein Detektiv-Buch anlegen. Doch das schrittweise erlangte Wissen über sein Schicksal ist auch für ihre Eltern neu, den französischen Vater Jean-Marie und die deutsche Mutter Eve. Denn nur durch einen Zufall war Jean-Marie auf den Großonkel gestoßen – in seiner Familie war Raymond totgeschwiegen worden. Was am Ende 78 Minuten auf der Leinwand ausmacht, ist das Ergebnis einer 13-jährigen Recherche.

„Ein ergreifender Film“, sagte Ulf Berger nach der Vorführung im Alten Hallenbad. „8 Sekunden“ mache deutlich, wie man aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen könne. Die Verbindung von deutsch-französischer Geschichte prägt nicht nur den Film und seine Protagonisten. Sie hat auch dazu geführt, dass der Film nach Vorführungen auf über 50 Festivals weltweit in die Wetterau kam: Der Friedberger Geschäftsmann Ulf Berger ist der Austauschvater von Terence Vinclair. Zunächst reiste seine Tochter Hedda im Austausch der Sankt-Lioba-Schule Bad Nauheim mit dem Collège Saint-Pierre Caen in die Normandie, bevor Terence vor drei Monaten zum Gegenbesuch hier war. Beide Familien trafen sich vor Kurzem, und dabei entstand die Idee, „8 Sekunden“ vor Publikum zu zeigen.

In Friedberg vereinen sich vier Passionen

Dass knapp 100 Besucher gekommen waren, um seinen Film zu sehen, nannte Jean-Marie Vinclair „exceptionell“. Er habe ihn schon in vielen Ländern gezeigt, doch hier in Friedberg vereinten sich seine vier Leidenschaften: „Meine Kinder, meine Frau, Kino und Schwimmbad.“

Nach dem Film entstand ein reger Austausch mit den Zuschauern, in beide Richtungen übersetzt von Eve Vinclair-Berkemeier. Sie selbst wurde etwa gefragt, wie die Familie mit der jahrelangen Kamerabegleitung umgegangen sei. Es sei komisch, sagte sie, aber man merke es irgendwann wirklich nicht mehr. Unangenehm sei ihr allerdings gewesen, sich selbst in dem Film zu sehen.

Daran hat ihr Sohn Terence sich inzwischen gewöhnt. Fünfmal schon war er bei Vorführungen von „8 Sekunden“, das mache ihm nichts aus. Seit den Hauptdreharbeiten sind fünf Jahre vergangen. Damals, im Alter von neun Jahren, habe er schon einiges verstanden, heute aber deutlich mehr, sagte Terence. Wie behutsam die Kinder bei ihrer Recherche begleitet wurden, zeigt sich im Film unter anderem im Arolsen-Archiv. Dort wird Terence von einer französischen Mitarbeiterin einfühlsam eine Liste erklärt, aus der hervorgeht, dass alle zwei Minuten ein Mensch erschossen wurde – als Geschenk zu Hitlers Geburtstag. Terence‘ Nachfragen zeigen, nicht nur in dieser Szene, wie unmenschlich das NS-Regime agierte.

Auf Kritik, ihre Kinder mit solch unbegreiflichen Fakten zu belasten, ist Familie Vinclair zwar vorbereitet. Dazu komme es aber selten. Vor allem jüngere Familien seien berührt, wie die Geschichte aufgearbeitet werde. Raymond sei für ihre Söhne von Anfang an präsent gewesen, sagte Vinclair-Berkemeier. „Wir wollten keine Geheimnisse in der Familie.“
Seite 23 / Kulturbühne

WZ vom 11.7.26 - Seite 30 / KulturbühneMusikalischer BrückenbauerVON HANNA VON PROSCHEin Konzert mit Giora Feidman ist m...
11/07/2026

WZ vom 11.7.26 - Seite 30 / Kulturbühne

Musikalischer Brückenbauer

VON HANNA VON PROSCH

Ein Konzert mit Giora Feidman ist mehr als Musik. Wer ihn einmal erlebt hat, bleibt tief berührt. Am 31. Juli kommt der „King of Klezmer“ mit seiner Klarinette in das Theater Altes Hallenbad nach Friedberg.
Feidman ist eine Musikerlegende, ein Mann der leisen Töne und der großen Hoffnung auf eine bessere Welt. 1926 in Buenos Aires als Sohn bessarabischer jüdischer Einwanderer geboren, ging er 1956 in den neu gegründeten Staat Israel. 15 Jahre war er Bassklarinettist im Israel Philharmonic Orchestra. Anfang der 1970er Jahre begann er seine Solokarriere als Klezmer-Musiker und zog nach New York. Inzwischen lebt der 90-Jährige in Israel und Hamburg. Zweimal wurde Feidman mit dem Echo Klassik in der Rubrik „Klassik ohne Grenzen“ ausgezeichnet und mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrt.

In der Stille zwischen den Tönen findet das Herz Frieden.
Giora Feidman

Mit einem außergewöhnlichen Programm, das an die beiden vorhergehenden Alben und Tourneen in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Majid Montazer anknüpft – „Friendship“ (2022) und „Revolution of Love“ (2024) – und seinem Klavierpartner macht er die verbindende Sprache der Musik erlebbar. Für die Kulturbühne hat er ein exklusives Interview gegeben.

Maestro Feidman, Sie haben im Frühjahr Ihren 90. Geburtstag gefeiert. Woher nehmen Sie die Energie für diese Tournee?
Musik ist für mich mehr als Klang – sie ist mein Lebenselixier und meine tiefste Energiequelle. Wenn ich sehe, wie Menschen nach einem Konzert mit leuchtenden Augen und offenen Herzen hinausgehen, weiß ich, warum ich diesen Weg gehe. Diese Momente geben mir Kraft und treiben mich an, meine Vision weiterzutragen.

Welche Bedeutung hat ein so hohes Alter für Sie?

Ich spüre, dass meine Seele sehr jung ist. Für mich zählt nicht das Alter meines Körpers, sondern meine innere Lebendigkeit. Die Seele kennt keine Zahlen, nur Bewegung, Neugier und Tiefe.
Welche Rolle hat Musik in Ihrer Kindheit in Buenos Aires gespielt?
Buenos Aires hat mich stark geprägt. Besonders das Teatro Colón war ein magischer Ort voller Geschichte und Klang. Dort als 18-Jähriger zu spielen, war mehr als ein Auftritt – es war Teil einer großen musikalischen Tradition. Diese Zeit begleitet mich bis heute.

Als Sie mit 21 Jahren nach Israel kamen, wurden Sie Mitglied des Israel Philharmonic Orchestras und bereisten die Welt. Was hat sie bewogen, eine Solokarriere einzuschlagen?

Der Weg nach Israel war ein innerer Ruf. Ich wusste, dass die Israel Philharmonie einen Bassklarinettisten sucht, und habe mich beworben. Über 15 Jahre durfte ich in einem der großen Orchester der Welt musizieren und meinen Klang entwickeln. Dabei wurde mir bewusst, wie wichtig die jüdische Musik für mich war. Klezmer ist die Sprache der Seele. Und ich wollte mit meiner Musik die Seelen der Menschen berühren.

Mit dem um etliche Jahre jüngeren Komponisten Majid Montazer verbindet Sie schon eine längere, intensive Zusammenarbeit. Was macht sie so glücklich und erfolgreich?

Es fühlt sich fast wie ein Plan an: Majid komponiert, ich spiele. Trotz politischer Spannungen erreichen wir gemeinsam viele Menschen. Über 200.000 Besucher, drei Programme und drei Alben zeigen: Musik baut Brücken. Wir verstehen uns als Botschafter des Friedens.
In schwierigen Zeiten wird die Verantwortung unserer Musik besonders sichtbar.

Giora Feidman
Was ist die Botschaft in schwierigen Zeiten wie heute?

In schwierigen Zeiten wird die Verantwortung unserer Musik besonders sichtbar. Seit jeher gibt es Kriege, doch ich hoffe auf mehr Menschlichkeit. Musik soll berühren, verbinden und Menschen sensibler füreinander machen. Sie kann helfen, wieder mehr zuzuhören und Verständnis zu schaffen.

Von den aktuellen Kriegsereignissen sind Sie beide betroffen: Majid Montazer ist Iraner, Sie ein in Tel Aviv und Hamburg lebender Jude. Glauben Sie, dass Musik auch bei den Verantwortlichen der Konflikte irgendetwas bewirken kann?

Eine Kugel kann man ausweichen, einer Melodie nicht – sie trifft direkt Herz und Seele. Darin liegt ihre Kraft. Musik wurde seit jeher genutzt, um Menschen zu bewegen. Majid und ich wollen diese Kraft nutzen, um Brücken zu bauen und Menschen zu verbinden.

Darf Politik die Musik bestimmen? Ich denke z. B. an die Forderungen von Künstlern, sich zu distanzieren.

Kunst und Kultur sollten unabhängig von Politik bleiben, ebenso Religion und Politik. Wenn Künstler jedoch bewusst politisch agieren oder Veranstaltungen schädigen, kann ich nachvollziehen, dass Konsequenzen gezogen werden.

Kommen wir zu Ihrem Programm. In Ihrem Album „For a better World“ erzählen Sie Geschichten. Welche?
Das Album entstand in einer Zeit anhaltender Spannungen zwischen Israel und Iran. Gerade aus diesem Umfeld heraus trafen sich zwei Perspektiven: der iranische Komponist Majid Montazer und ich als israelischer Bürger, verbunden durch eine gemeinsame Sprache, die keine Grenzen kennt: Musik. Die Stücke des Albums darunter „Song for a Better World“, „Hand in Hand“ oder „Journey for Freedom“ – erzählen jeweils eigene Geschichten, die auch in einem begleitenden Buch weitergeführt werden. Musik und Text greifen ineinander und schaffen einen Raum für Reflexion. Es ist kein lauter Appell, sondern ein bewusster Gegenentwurf: leise, poetisch und klar. Vielleicht liegt genau darin seine Kraft – in einer Zeit, in der Menschlichkeit oft zu leise geworden ist.

Sie werden sicher auch Klezmer spielen?
Natürlich gehören auch Klezmer-Stücke dazu, die das Publikum besonders liebt. Sie bringen Emotion, Tiefe und Lebensfreude ins Programm.

Sie haben einmal gesagt: „Musik beginnt nicht mit dem ersten Ton, sondern mit der Stille davor. Und sie endet nicht mit dem letzten Ton, sondern mit dem Klang der Stille danach.“ Was ist das für eine Stille?
„In der Stille zwischen den Tönen findet das Herz Frieden.“ Diese Stille ist auch im Publikum spürbar – Momente, in denen Musik nachklingt, Herzen berührt und Menschen zum Nachdenken bringt.

Im Alten Hallenbad

Der argentinisch-israelische Klarinettist Giora Feidman wurde 1936 in Buenos Aires (Argentinien) als Sohn jüdischer Einwanderer aus Bessarabien geboren . Er gastiert mit seinem Programm „For a Better World“ am Freitag, 31. Juli, um 19.30 Uhr im Alten Hallenbad in Friedberg. Gemeinsam mit dem iranischen Komponisten Majid Montazer setzt er die musikalische Zusammenarbeit nach den Programmen „Friendship“ und „Revolution of Love“ fort. Im Mittelpunkt stehen Frieden, Menschlichkeit und Hoffnung. Es gibt noch Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen. Weniger anzeigen

Adresse

Haagstraße 29
Friedberg
61169

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