02/12/2025
EIN NACHRUF: Das war’s. Für immer. Hans Richter ist tot. Dabei hatten wir noch so viel vor. Aber danke, lieber Hans. Für alles.
Gerade erst war Hans nach 28 Jahren von Barcelona nach Darmstadt gezogen. Es sei an der Zeit, meinte er vor einigen Wochen, “Barcelona war toll, doch es reicht jetzt“. Diesen Entschluss sah er bestärkt durch das Engagement beim Stalburg Theater. Nach zwei eigenen Produktionen bei uns („Leben und sonst gar nichts“ und „Dieter und der Wolf“) trat er im Dezember 2024 fest unserem Ensemble bei. Er brillierte neben Katja Hufgard in „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und neben Christoph Maasch in „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ von Axel Hacke.
So wurde ihm unser Haus schnell zu einer Heimat. Hans vermochte in seiner stillen Art eine unaufdringlich-gewaltige Präsenz auf die Bühne zu bringen, wie man es selten findet. Nicht zuletzt durch ihn wurden beide Stücke zu sensationellen Erfolgen, die unser Haus schmückten und uns stolz machten. Gleichzeitig war er einer der liebenswertesten Kollegen, die man sich vorstellen kann. So wuchtig er auf der Bühne erschien, so zurückhaltend höflich war er privat. Er war einer der wenigen, die nicht lärmen und nicht klappern, sondern schlicht durch ihre Anwesenheit zu überzeugen wissen. Nun fehlt er, wie einer nur fehlen kann.
Für das Stalburg Theater bedeutet Hans’ Tod den Ausfall von ca. vierzig Vorstellungen bis zur Sommerpause 2026, außerdem die Rückvergütung von rund 500 bereits verkauften Tickets. Wie wir das kompensieren können, wissen wir noch nicht. Doch es erscheint uns im Moment noch zweitrangig. Aber es muss weitergehen, und es wird weitergehen. Zumal es ganz gewiss nicht in Hans' Sinn wäre, nun traurig die Flügel zu strecken. „Der Lappen muss hoch“, lautet eine alte Theaterweisheit. Gemeint ist der Vorhang. Wir halten uns dran. Auch wenn es schmerzt. Und auch wenn wir gar keinen Vorhang haben.
📸: Mirella Eckhardt