18/11/2024
Der Heimatverein Fürstenau hat zusammen mit Vertretern der großen Kirchengemeinden St. Georg und St. Katharina sowie der Stadt Fürstenau am 9. November, dem Tag des Reichsprogroms, an die Gräueltaten gegenüber den Bürgern jüdischen Glaubens erinnert.
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Heimatvereins Jürgen Schwietert am Haus mit dem ehemaligen Betraum am Schwarzen Weg und einem musikalischen Beitrag durch Manfred Schoop erinnerte Bürgermeister Ernst Ehmke an Details dieses Schreckens in Fürstenau. „In dieser Nacht ist den jüdischen Bürgern ein himmelschreiendes Unrecht widerfahren“, betonte er. Ehmke ging auch auf die Vorkommnisse in Amsterdam, die sich gegen Juden gerichtet haben, ein. „Dem Antisemitismus muss sich unsere demokratische Gesellschaft mutig entgegen stellen. Wir sind alles gefordert. Darum erinnern wir heute an die Geschehnisse von damals, damit sie sich nicht wiederholen“, betonte der Bürgermeister.
Sodann informierten die Pastoren Anke Kusche und Gerd Voßhage sowie Bernd Kruse über die damaligen Geschehnisse. Gebetbücher mit den den Juden heiligen Tora-Rollen sowie das Inventar wurde aus dem Fenster des Frank´schen Hauses geworfen und in Brand gesetzt. Eine Tora-Rolle wurde gerettet und gelang nach Kalifornien in eine Synagoge. „Jeder von uns ist in der nächsten Zeit aufgefordert zu schauen wie er sich verhalte“, so Kruse. Er erinnerte an die Männer und Frauen, die in der Nazizeit den Mut gefunden haben, den Juden zu helfen.
Sodann legten Anwesende Steine der Erinnerung, gekennzeichnet mit den Namen der Ermordeten, neben der von Nicole Klostermann entzündeten Kerze nieder. Die Kerze erhielt Nicole Klostermann von Nachfahren der Familie Frank, die kürzlich in Fürstenau zu Gast waren. Sie habe der Familie versprochen, diese Kerze in jedem Jahr am 9. November im Rahmen der Gedenkveranstaltung zu entzünden.
Zum Abschluss dankte Jürgen Schwietert, Vorsitzender des Heimatvereins, für die Teilnahme und Mitwirkung an der Gedenkstunde. „Danke, seid Menschen“ forderte die 103-jährige Margot Friedländer, Holocaustüberlebende und engagierte Kämpferin für Freiheit und Toleranz nach der Verleihung des Medienpreises Bambi., so Schwietert. Er ging auf die anhaltende Spaltung der Welt, Spaltung Europas ein, dokumentiert in den Kriegen in Europa und im Nahen Osten, indirekt auch im Wirken der G7 und Brics-Staaten. „Kann es noch gelingen diese Spaltung zu beenden oder droht sogar ein Nuklearkonflikt“, hinterfragte er. In Gesprächen in Familien, mit Freunden oder in der Nachbarschaft müsse Verständnis für die Bürger Israels aber auch für die der umliegenden Staaten geweckt werden, müsse Toleranz und Meinungsvielfalt gefordert werden. „Alle Menschen haben ein Recht auf Heimat“, betonte Schwietert. Er forderte dazu auf, Informationen nicht nur einer Quelle zu entnehmen sondern sich vielfältig zu informieren und nicht auf „alternative Wahrheiten“ herein zu fallen.