05/07/2021
Interview mit Patrick Arens vom Schaustellerverein Rote-Erde Original:
1.) Wir sind hier wieder auf dem Festplatz Eberstr., warum hat man sich dafür entschieden, obwohl die Fläche geringer ist als letztes Jahr beim FunDOmio an den Westfalenhallen?
Patrick Arens: Nach dem wir letztes Jahr mit FunDOmio versucht haben mehr in Richtung Freizeitpark zu gehen, wollten wir dieses Mal mit der Erfahrung aus anderen Städten wieder zurück in Richtung Kirmes und dazu gehört auch unser Festplatz hier an der Eberstr.
2.) Wie haben sich die hier Teilnehmenden Schausteller zusammengestellt?
Patrick Arens: Der Großteil stammt hier aus Dortmund wie z.B. die Wasserbahn Poseidon, Der Autoscooter und zusätzlich haben wir noch andere Schausteller angefragt ob Interesse besteht.
3.) Wie haben sie die Thematisierung geplant und warum kamen sie zu diesem Ergebnis?
Patrick Arens: Wir wollten dieses Mal zurück zum Ursprung, zurück zur klassischen Kirmes. Aber wollten dennoch einen Wohlfühlort schaffen und haben deshalb einen Großen Biergarten mit vielen Sitzmöglichleiten, dazu noch die Liegestühle zum Entspannen, abgerundet wurde das ganze mit Palmen, die hier auf dem Festplatz aufgestellt wurden.
Welche Rolle spielen eigentlich die Sponsoren bei FreDOlino? Von regulären Kirmessen kennt man das eigentlich nicht, das dort Sponsoren präsentiert werden.
Patrick Arens: Die Kirmes finanziert sich über Standgelder, dass war hier in der Situation nicht möglich. Also haben wir uns entschlossen, durch Sponsorengelder die Veranstaltung bezahlbar zu machen. Ohne die Sponsoren hätten wir mehr als 1€ Eintritt nehmen müssen und dann wird es für eine Familie auch schnell unbezahlbar.
4.) Einige Schausteller sind bekannt von Dortmunder Volksfesten, andere fehlen wiederum, wie z.B. der Break Dancer von Schneider, wie kam es dazu, teilweise auf andere Fahrgeschäfte zu setzen?
Patrick Arens: Schneider hat sich dazu entschlossen, dieses Jahr nicht aufzubauen, sie führen stattdessen Wartungs & Instandsetzungsarbeiten durch. Schneider stand letztes Jahr in Erwitte und hat schlechte Erfahrungen gemacht mit den temporären Freizeitparks.
5.) viele wünschen sich nach Corona im Sommer etwas Ähnliches wie FunDOmio, wo man auch mal Schausteller mit ihren Fahrgeschäften sehen kann, die sonst üblich nicht in Dortmund stehen. Da fallen mir z.B der Hangover, die Konga Schaukel, Apollo 13 aber auch die Wilde Maus XXL ein. Gibt es da eventuelle Bestrebungen für die Zeit nach der Pandemie?
Patrick Arens: Es gab grundsätzlich die Idee einer Sommerkirmes an den Westfalenhallen, doch sind zu dieser Zeit die beliebten und etablierten Volksfeste in Düsseldorf (Rheinkirmes) oder aber auch die Cranger Kirmes in Herne. Dort stehen dann die ganzen Großfahrgeschäfte.
Außerdem gab es beim FunDOmio letztes Jahr bereits Beschwerden wegen des Lärms, obwohl wir bereits um 21 Uhr geschlossen haben.
6.) Durch die Pandemie wurde die Veranstaltungsbranche stark gebeutelt, wie wichtig war FunDOmio im letzten Jahr aber auch die Neuauflage FreDOlino für das überleben der Schausteller?
Patrick Arens: Emotional überlebenswichtig, Finanziell stand am Ende die „null“. Wir hatten ein Etat von 1,3 Millionen Euro zur Verfügung und konnten alle Kosten für Fahrgeschäfte und Mitarbeiter decken und man muss sagen, ohne die Coronahilfen der Bundesregierung hätten wir den Winter nicht überlebt.
7.) Letztes Jahr viel der Weihnachtsmarkt aus, wie dramatisch war die Situation? Sie haben Ja
Mit Grabkerzen an den Standplätzen mehr oder weniger vor dem Aussterben gewarnt?
Es war meine Idee, einmal darzustellen, was passiert, wenn wir Veranstalter nicht mehr da sind, Grablichter haben wir nur genommen, weil es keine andere Möglichkeit gegeben hat.
Der Weihnachtsbaum war halb aufgebaut, die ersten Tannen hingen, dann die Entscheidung den Baum zurück zu bauen, warum?
Patrick Arens: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wir wollten am Ende keine Attraktion bieten, wo sich Menschen ansammeln. Am Ende war der Rückbau die richtige Entscheidung.
8.) Welche Rolle spielte die Politik in Ihrer Situation?
Patrick Arens: Am Anfang war es schwer, klar zu machen, wie unser Standpunkt ist. Bei uns ist es nicht nur irgendein Job, sondern auch Familie, besser gesagt unser Leben. Es waren lange Intensive Gespräche mit Spitzenpolitikern, am Ende lief die Unterstützung gut. Es waren lange und zähe Verhandlungen.
9.) sie haben unmittelbar vor der Pandemie den Festplatz Eberstraße aufwändig Saniert und hätten sich sicherlich gefreut, wenn der Platz dann mit der Osterkirmes 2020 eingeweiht worden wäre. Hat dies die Finanzielle Lage zu Beginn der Pandemie verschärft und wie zufrieden sind sie mit dem neuen Festplatz Eberstr.?
Patrick Arens: Wir mieten den Platz ja nur von der Stadt, sie hat den Umbau Finanziert. Natürlich hat es am Ende gekribbelt und wir konnten es kaum abwarten, Ostern 2020 loszulegen, leider kam die Pandemie dazwischen, es war wie ein Stich in Herz für uns. Dennoch sind wir jetzt sehr zufrieden mit dem Platz.
10.) Für ihre Verdienste während der Corona-Pandemie werden Sie heute vom BSM ausgezeichnet, dürften wir erfahren, wie Ihre Arbeit in einer Zeit ohne Volksfeste ausgesehen hat?
Ich bin ja nicht nur im Schaustellerverein Rote Erde e.V., sondern auch 2. Vorsitzender im Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktleuten (BSM). Ich bin viel durch die Republik gereist und habe auf unsere Situation aufmerksam gemacht, mich mit Spitzenpolitikern getroffen und die Schausteller im Kampf um Unterstützung vertreten.
Vielen Dank an Patrick Arens für das nette Gespräch.