27/01/2026
"Manche Theaterbesuche vergisst man schnell, auch als geneigte Rezensentin. ...
Dieser Abend aber war diametral anders: Er ging unter die Haut, er brannte sich ein. Er blieb hängen– in der Erinnerung, in der Geschichtswahrnehmung, politisch wie gesellschaftlich. Eine eindringliche, intensive Lehrstunde für die Demokratie und gegen Hass und Hetze. ...
„Sophie & Ich“, meisterhaft inszeniert von Annette Greve, erzählt die Geschichte einer Freundschaft, wohlgemerkt einer fiktiven. Was wäre passiert, hätten sich die Sophie Scholl, die später von den N***s hingerichtete Widerstandskämpferin der „Weißen Rose“, und die gleichaltrige Traudl Humps (später verheiratete Junge) getroffen? Damals im Jahr 1936, beim Bund Deutscher Mädel? Traudl wurde später Hitlers Sekretärin– die biografischen Unterschiede der beiden jungen Frauen scheinen zu offensichtlich. Sie hätten sich, so würde man annehmen wollen, nichts zu sagen gehabt. Zu groß das Trennende in Lebensphilosophie, Moral, Haltung, politischer Einstellung. Doch genau hier setzt Autorin Ursula Kohlert an: Sie macht Sophie und Traudl zu Freundinnen. Ein spannendes Theater Experiment, das die verheerende Zeit bis zur Kapitulation in vier Kapiteln beleuchtet: zutiefst menschlich und berührend. ...
Ein Übrigens tun die E-Gitarrenklänge von Thomas Parr. Die Klangkaskaden vervollkommnen den Theaterabend. Sie schaffen atmosphärische Dichte, weil Parr in spürbare Interaktion mit den beiden Schauspielerinnen geht und das Bühnengeschehen dramatisch steigert. Gänsehaut pur!"