10/09/2015
Halt finden – Gemeinschaft erleben – Wege entdecken
Grundlagen unserer Arbeit
Die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen heute ist geprägt von immer schneller werdenden Veränderungen. Die Vielfalt von Freizeitangeboten, aber auch besonders die Pluralität der Sinngebungsangebote durch unterschiedliche Kulturen, Religionen und persönliche Lebensentwürfe führen zunehmend zu einer Orientierungslosigkeit. Um eigene Identität zu schärfen, brauchen junge Menschen „Leitplanken“, innerhalb derer sie ihren eigenen Weg finden, ausprägen und verfolgen können. Wir als katholisches Jugendzentrum sehen mit unseren Hauptamtlichen uns als ein persönliches Gegenüber, das den Alltag der Kinder und Jugendlichen mitbestimmen und zum Ansprechpartner bei der Suche nach eben diesen Leitplanken werden kann.
Unser Jugendzentrum versteht sich als eine Art Planbiotop der Diversität unserer heutigen Gesellschaft: Kinder und Jugendliche können hier lernen, in all ihrer Unterschiedlichkeit zusammenzuleben. Sie auf ihrem Weg zu unterstützen, eigene Zugänge zu einer Auseinandersetzung mit ihrer je eigenen Weltanschauung und Religiosität zu finden, ist uns ein wichtiges Anliegen, denn wir sind davon überzeugt, dass nur auf Basis eines eigenen, reflektierten Wertehintergrundes die nötige Sicherheit entsteht, sich auch mit dem Gegenüber wertschätzend auseinanderzusetzen, ohne es als Bedrohung zu empfinden.
In einer offenen Atmosphäre des Willkommenseins stehen Kinder und Jugendliche mit ihrer konkreten Lebenswirklichkeit und ihrem je eigenen Erfahrungshorizont im Mittelpunkt unserer Arbeit. Tief vom Motiv der christlichen Nächstenliebe geprägt und im festen Glauben an eine Kultur gegenseitiger Anerkennung und Menschlichkeit, bieten wir den Kindern und Jugendlichen in jugendgerechten Räumen die Entfaltungsmöglichkeiten, aber auch Reibungsflächen, die sie brauchen, um sich zu mündigen Mitgliedern unserer Gesellschaft zu entwickeln. Auch betrachten wir uns als eine Art Übungsfeld, auf dem sie sich darin erproben können, einen eigenen Beitrag zu einem konfliktfreien, für alle Seiten gewinnbringenden Miteinander zu leisten – ein Geben und Nehmen.
Unser Jugendzentrum – der Standort
Der Standort unseres Jugendzentrums befindet sich mitten im Herzen von Elsdorf, fußläufig zum Schulzentrum. Im unmittelbaren Einzugsbereich findet sich eine große Wohnsiedlung, in der (kinderreiche) Familien mit und ohne Migrationshintergrund in prekären Lebenslagen wohnen. Das Leben vieler Menschen dort ist gezeichnet durch Armut, Suchtproblematik, Arbeitslosigkeit. Wir treffen dort aber auch alleinerziehende Frauen und Männer.
Wer kommt zu uns?
Wir erreichen, das belegen regelmäßige Besucherzählungen, jährlich über 600 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis über 20 Jahren, davon rund 80 % Stammbesucher und gut die Hälfte mit Migrationshintergrund.
Verbindliche, verlässliche Beziehungsangebote und ein zweites Zuhause
Unsere wichtigste Aufgabe ist es, zu verlässlichen und vertrauten Bezugspersonen im Alltag „junger“ Menschen zu werden. Da wir weder ihre Eltern noch ihre Lehrer sind, nehmen wir eine gesonderte Position im Leben unserer Besucher ein, können ihre Anwaltschaft ergreifen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen bei den kleinen und großen Problemen des Alltags, ohne dass ein Abhängigkeitsverhältnis entsteht. Wir beraten, helfen so z. B. beim Verfassen von Bewerbungen, bei Hausaufgaben und fachlichen Schulproblemen und haben immer ein offenes Ohr für die wechselnden Bedürfnisse aller, die sich uns anvertrauen möchten.
Gleichzeitig bieten wir besonders tagesobdachlosen Kindern, deren Eltern ganztägig arbeiten und die also zuhause niemanden haben, der auf sie wartet, eine feste Anlaufstelle mit bekannten Abläufen und eine sichere, vertraute Umgebung, in der sie sich wohl fühlen können.
Gelebte Integration durch gegenseitiges Annehmen in aller Verschiedenheit
Die Andersheit des Gegenübers nicht nur zu tolerieren, sondern ihn in seiner Verschiedenheit wertzuschätzen, ist ein wichtiger Grundaspekt solidarischen Miteinanders. Integration kann nur da funktionieren, wo nicht versucht wird, dem vermeintlich Fremden das Vertraute überzustülpen, sondern man in einen wechselseitigen Dialog tritt. Das passiert in unserer Einrichtung nicht alleine donnerstags beim Frauenfrühstück, an dem regelmäßig Teilnehmerinnen von über 10 verschiedenen Nationen teilnehmen und sich über Kultur, Religion und ihren Alltag austauschen, sondern Tag für Tag in der Begegnung unserer Gäste untereinander: Christen und Muslime, Kinder mit und ohne Migrationshintergrund bereichern sich gegenseitig und erlernen eine faire Auseinandersetzung mit dem Unbekannten.
Chancengleichheit als wichtiger Eckpunkt einer Gesellschaft
Jedes Kind bringt völlig unterschiedliche Voraussetzungen mit, sich weiterzuentwickeln und zu einem mündigen Gesellschaftsmitglied zu werden. Einige davon sind bedingt durch die soziale Struktur, in der sie groß werden, und das leider auch im negativen Sinne: Physische Armut und/oder mangelnder Rückhalt von Zuhause können Teilhabe am sozialen Leben erschweren oder sogar unmöglich machen. Wir reagieren deshalb in unserer Arbeit nicht nur in dem das NOT-wendige tun, wir laden dazu ein, zu entdecken, was der eigene Beitrag zu einem gelungenen Miteinander sein kann.
Durch unseren kostenlosen Kindermittagstisch „EssKultur“ stellen wir sicher, dass bis zu 30 Kinder und Jugendliche in unserer Einrichtung täglich ein warmes, gesundes Mittagessen bekommen – ein Bedarf, der offensichtlich trotz flächendeckender Ganztagsbetreuung noch besteht. „EssKultur“ verweist darauf, dass es nicht allein darum geht, Hunger zu stillen, das Essen in Gemeinschaft mit allem, was dazu gehört, Teil von Kultur ist.
Oftmals nehmen wir kaputte Fahrräder in Empfang, machen sie mit Hilfe unserer Gäste wieder flott und verteilen sie kostenlos an diejenigen, die sich selbst kein Fahrrad leisten können, und steigern somit ihre Mobilität. Generell ist der Großteil unserer Angebote für die Teilnehmer kostenlos, ermöglicht durch die Kommune, den Träger und zusätzliches Fundraising, damit Kinder aus allen sozialen Milieus an ihnen teilnehmen können.
Dass das trotzdem kein Ausschlusskriterium für Qualität sein muss, zeigt unser Bündnis für Bildung „Tanz dich stark!“, bei dem zweimal wöchentlich insgesamt 30 Kinder Tanzunterricht von einem professionellen Tanzlehrer erhalten – auch dieses Angebot natürlich völlig kostenfrei.
Horizonterweiterung durch besondere Erlebnisse
Nur, wer über seinen Tellerrand hinausblickt und seinen Horizont erweitert, kann sich effektiv weiterentwickeln. Gleichzeitig bieten besondere Erlebnisse die Möglichkeit, sich in unvertrauten Situationen zu erfahren, Neues kennenzulernen und über sich hinauszuwachsen.
Regelmäßig versuchen wir, unsere Teilnehmer ein Stück weit aus ihren eingetretenen Wegen zu entführen, sie ihren Alltag vergessen zu machen und spannende neue Dinge für sich zu erleben, etwa während unserer Ferienspiele, konkreter Tagesausflüge etwa auf die Radrennbahn nach Köln, aber auch durch ganz alltägliche Projekte und regelmäßige Sport- und Bewegungsangebote.
Auch als Jugendzentrum schauen wir über unseren Tellerrand – immer wieder fahren wir mit Kindern und Jugendlichen ins nahe gelegene Asylbewerberheim, bringen zu Ostern und Weihnachten Geschenke, bieten unsere Hilfe an und helfen uns damit letztlich selbst in der Erfüllung unseres Auftrags: Kindern und Jugendlichen ermöglichen, auch diese Seite der Wirklichkeit hautnah zu erfahren und ihre eigene Verantwortung für eine bessere Gesellschaft zu erkennen.
Herausforderungen in naher Zukunft
1.Wir nehmen wahr, dass Integration immer noch eine Herausforderung ist. Wenn jetzt mehr Flüchtlingsfamilien im Elsdorfer Stadtgebiet (vorübergehend) wohnen, wird der Handlungsbedarf für die Menschen vor Ort und für alle Verantwortungsträger größer. Das Jugendzentrum bringt hierbei die Pluralitätskompetenz der kirchlichen Trägerschaft ein und wir verstärken unser Programm – von einer Erweiterung unseres Deutsch- und Nachhilfeangebotes über Vernetzungstreffen und schnelle Hilfen bis hin zu grundlegender Willkommens- und Beziehungsarbeit.
2.
3.Wir stellen fest, dass sich die Ganztagsbetreuung in den Schulen ausdehnt. Da sich Schule und Jugendzentrum auf verschiedene Weise den jungen Menschen zuwenden, wollen wir mit den Schulen nach Kooperationsmöglichkeiten suchen. Das Jugendzentrum versteht sich als außerschulischer Lebens- und Lernort für junge Menschen. Selbstverständlich gilt es auch, die Öffnungszeiten an die neue Lebenssituation anzupassen.
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5.Wir betrachten uns als Teil des Gemeinwesens der Stadt Elsdorf und werden uns verstärkt in gemeinsame Projekte einbringen. Als katholisches Jugendzentrum können wir sicher sein, dass unser Träger, der für Werte steht, wertschätzend mit den Werten anderer umgehen kann.
6.
7.Wir sehen, dass unsere Räumlichkeiten am Vormittag nicht genutzt werden und denken daher über weitere Verwendungsmöglichkeiten nach. Wir können uns sogar vorstellen, uns mit Kooperationspartnern zu einem „Familienzentrum“ zu entwickeln.