Albertinum

Albertinum Museum für die Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart // Staatliche Kunstsammlungen Dresden

2021 entbrannte eine breite öffentliche Debatte, nachdem bekannt geworden war, dass die Staatlichen Kunstsammlungen Dres...
20/08/2026

2021 entbrannte eine breite öffentliche Debatte, nachdem bekannt geworden war, dass die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Werktitel überprüft und in 143 Fällen problematische Begriffe angepasst, ersetzt oder markiert hatten. Die Auseinandersetzung berührte grundlegende Fragen nach historischer Sprache, Diskriminierung und institutioneller Verantwortung.

Im Albertinum betraf dies auch dieses Gemälde von Max Slevogt. Ein früherer Titel mit N-Wort wurde durch den Titel „Ein Junge namens Mursi“ ersetzt. Recherchen des Museums zeigten, dass der frühere Titel nicht vom Künstler selbst stammte, sondern aus dem Kunsthandel übernommen worden war – eine im 19. Jahrhundert verbreitete Praxis.

Dieses Thema – als eines von vielen – ist Teil der „Streit“-Vitrine des aktuellen Projekts „Albertinum befragen“ in unserer Sammlungspräsentation.

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In 2021, a broad public debate erupted after it became known that the Staatliche Kunstsammlungen Dresden had reviewed artwork titles and adjusted, replaced, or marked problematic terms in 143 cases. The debate raised fundamental questions about historical language, discrimination, and institutional responsibility.

At the Albertinum, this also concerned a painting by Max Slevogt. A former title containing the N-word was replaced by „Portrait of a Boy Named Mursi“. Museum research showed that the earlier title did not originate with the artist, but came from the art trade – a common practice in the nineteenth century.

This topic – as one of many – is part of the „Controversis“ display in the current „Questioning the Albertinum“ project within our permanent collection presentation.

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Max Slevogt (1868-1932), Bildnis eines Jungen namens Mursi / Portrait of a Boy Named Mursi, 1914 © Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Streit hat keinen guten Ruf. Dabei ist er eine der zentralen Ressourcen der Demokratie. Sie lebt nicht vom Konsens, sond...
18/08/2026

Streit hat keinen guten Ruf. Dabei ist er eine der zentralen Ressourcen der Demokratie. Sie lebt nicht vom Konsens, sondern davon andere Meinungen aushalten, zu argumentieren, zu widersprechen, Kompromisse zu verhandeln. Demokratie ist kein Zustand, sondern eine Praxis – ohne Dissens nicht denkbar.

Im Albertinum wurde und wird viel gestritten, ob in Veranstaltungen, im Gästebuch, oder auch im direkten Gespräch mit BesucherInnen: Über die Präsenz von Kunst aus der DDR in der Sammlungspräsentation. Über den Umgang mit diskriminierenden Werktiteln. Über das Gendern. Über die museale Haltung im Gaza-Krieg. Über „politische Zeichen" im Museum – gemeint ist die Ukraine-Fahne in der Hand der monumentalen David-Skulptur im Eingangsbereich.

Doch Streit braucht Regeln: gegenseitigen Respekt, die Bereitschaft zuzuhören – und den klaren Rahmen des Grundgesetzes. Innerhalb dieses Rahmens muss Auseinandersetzung möglich bleiben. Museen gehören zu den wenigen Orten, an denen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Prägungen und Überzeugungen überhaupt noch physisch aufeinandertreffen. Insbesondere im Osten Deutschlands, wo die breite kulturelle Bildung aus DDR-Zeiten noch nachzuwirken scheint und viele Menschen selbstverständlich regelmäßig ins Museum gehen. Dieses Potenzial ist kostbar – und gefährdet. Wo der Austausch abnimmt, wächst die Vereinfachung.

Wenn wir das ernst nehmen, dann dürfen wir Streit nicht vermeiden. Auch wenn er anstrengend ist und manchmal weh tut. Und wir sollten ihn sichtbar machen. Nicht nur Ergebnisse zeigen, sondern Prozesse. Nicht nur Konsens, sondern auch Konflikt. Und wir müssen mutig bleiben.

Das Museum ist kein neutraler Ort.

Aber es kann ein offener sein: einer, der nicht vorgibt, alle Antworten zu kennen, sondern Fragen stellt – und aushält, dass es Widerspruch gibt.

Eine Zusammenstellung vergangener und aktueller Streit-Themen findet sich derzeit in unserer Sammlungspräsentation, in der wir das „Albertinum befragen“.

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Gefördert von Outset Contemporary Art Fund

Die Kunst Christa Jeitners (*1935) fächert sich in verschiedenen Themen und Gattungen auf, doch wird dabei dem Material ...
11/08/2026

Die Kunst Christa Jeitners (*1935) fächert sich in verschiedenen Themen und Gattungen auf, doch wird dabei dem Material Textil immer Vorrang gegeben. Die Künstlerin nutzt es, um ihre persönlichen Lebenserfahrungen auszudrücken, die sie mit humanistischen Ideen verbindet. Die Knoten, Schnüre und Taue erzählen von nationalistischen Verbrechen oder beziehen sich auf die einflussreichste Lebensperiode Jeitners in Polen. Die jüngst mit Unterstützung von MUSEIS SAXONICIS USUI - Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e.V. von der Künstlerin erworbene „Dreiflügelige Säule“ (1978-80) – auf unterschiedliche, zarte und zugleich robuste Weise gewebt und geknotet – erinnert an bewegte Flügel, während die Säule durch das steile Herabhängen evoziert wird. In der Zusammensetzung der Materialien und dem dadurch entstehenden Nebeneinander von Flächen, die in entgegengesetzte Richtungen des Raumes ausgreifen, zitiert die Künstlerin den Dresdner Hermann Glöckner (1889-1987) und dessen komplexe „Faltungen".

In den Jahren zwischen 1980 und 1986 entstanden plastische Arbeiten aus Tauverknotungen, der Zyklus mit dem Titel „Takelwerk". Drei davon – „Fender“ (1980), „Bündel“ (1981) und „Kleiner Tampen oder Bienenkönigin in Verehrung von Joseph Beuys“ (1981) – gelangten als Schenkung von Petra Pfeiffer 2025 in das Albertinum. Mit diesen Arbeiten nimmt Jeitner eine besondere bildhauerische Position ein, die über die Verwendung herkömmlicher, also traditioneller Materialien hinausgeht. Es sind einzigartige Knotenplastiken, in denen sie vorgefundene Taue und Stricke zusammenbringt. Dabei wird die Kenntnis der Technik des Seilerhandwerks, der Kenntnis von Makramee- und Schifferknoten ersichtlich, in denen der Fender, also in diesem Fall das verknotete Seil oder das gerollte und zerschlissene Tau zugleich zum neuen Gegenstand aufgebaut wird.

Christa Jeitner (*1935) steht stellvertretend für eine Künstler*innen-Generation in der DDR. Die kulturpolitische Verschlossenheit des Landes forderte viele Künstler*innen dazu auf, den Blick auf die liberaleren Nachbarländer auszurichten. Polen der 1960er und 1970er Jahre, wo sich auch Christa Jeitner zu jener Zeit aufhielt, fungierte als solcher Anker für die experimentfreudige und – je nach Möglichkeit – internationale Kunst. Mit nur wenigen Künstler*innen wie der Alternativtheaterregisseur Jerzy Grotowski oder die Textilkunst-Pionierin Magdalena Abakanowicz wurde der kreative Nährboden für den Ostblock vorbereitet. Der Mauerbau bedeutete zwar eine Isolation, aber auch eine neue Wegfindung. Christa Jeitner erinnert sich: „Zur einen Hälfte künstlerisch geprägt von Westberlin, danach zur anderen von Polen, konnte ich mich innerhalb des Systems, in dem ich mich nach dem Mauerbau vorfand, nur unabhängig verhalten, zu welchem Preis auch immer.“

Besonders für die weiblichen Protagonistinnen war es wichtig, ihre Identifikation in einer entindividualisierten Gesellschaft (wieder) zu etablieren. Die verschiedenen Formate wie Mail Art, Performance oder Experimentalfilm wurden ausprobiert. Auch der Bezug auf die mythologischen Figuren von Medea oder Cassandra verstärkte die weibliche Selbstbestimmung im Kampf gegen das Kollektive. Die Wertschätzung dieser Bestrebungen wird jedoch erst im nächsten Jahrhundert zur Geltung kommen.

Dank der großzügigen Unterstützung von MUSEIS SAXONICIS USUI - Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e.V. gelangten insgesamt vier Werke von der Künstlerin Christa Jeitner (*1935) in das Albertinum. Es handelt sich um die Schenkung von Petra Pfeiffer 2025 von drei Arbeiten aus ihrem Zyklus „Takelwerk“ (1980-1986) – „Fender“ (1980), „Bündel“ (1981) und „Kleiner Tampen oder Bienenkönigin in Verehrung von Joseph Beuys“ (1981) – sowie um die angekaufte Garnverknotung „Dreiflügelige Säule“ (1978-80). Die Werke sind seit Kurzem in der Skulpturenhalle im Albertinum zu sehen.

– Christa Jeitner erhält den diesjährigen Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg für ein Lebenswerk. Dieser Preis ist mit 15.000 dotiert. Der seit diesem Jahr erstmals neu konzipierte Kunstpreis des Landes Brandenburg in den Kategorien Ehrenpreis, Einzelpreise sowie Nachwuchsförderpreis wird am 6.9. im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst | Dieselkraftwerk Cottbus verliehen und geht neben Christa Jeitner an fünf weitere PreisträgerInnen. Der Preis richtet sich an Künstlerinnen und Künstler, die mit ihrer Arbeit die herausragende zeitgenössische Kunstlandschaft Brandenburgs repräsentieren und eine starke Verbindung zum Land aufweisen – durch Wohnsitz, Atelier oder künstlerisches Schaffen.


Als Caspar David Friedrich seinen „Tetschener Altar“ schuf, wollte er sich mit dem aufwendigen Werk bewusst in der Dresd...
04/08/2026

Als Caspar David Friedrich seinen „Tetschener Altar“ schuf, wollte er sich mit dem aufwendigen Werk bewusst in der Dresdner Kunstszene positionieren – und auch provozieren. Erstmals in der Kunstgeschichte verwandte Friedrich für ein Andachtsbild eine reine Landschaftsdarstellung. Für die erste öffentliche Präsentation verwandelte er sein Atelier im Dezember 1808 in einen sakralen Raum und sorgte damit für heftige Diskussionen innerhalb der Kunstwelt. 1809 kaufte Gräfin Brühl das Werk – und hängte es in ihr Schlafzimmer in Schloss Tetschen/Dēcín.

Erst knapp 100 Jahre später war es wieder öffentlich zu sehen. Seit 1906 wird Friedrichs Altar in Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen präsentiert und entsprechend vielfältig interpretiert: als nationales Symbol, als Vorläufer des Impressionismus oder der Moderne, als Instrument der Nationalsozialisten, als Zeugnis humanistischer Traditionen, als Touristenmagnet oder Meisterwerk des weltweit renommierten Künstlers.

Zeitgeschichte und Präsentationsform schreiben sich in die Wahrnehmung von Kunstwerken ein und werfen Fragen auf: Welche dieser Geschichten erzählen wir im Museum? Was sehen wir heute, wenn wir vor Friedrichs „Tetschener Altar“ stehen? Und was werden Menschen in 50 Jahren darin sehen?

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Gefördert von Outset Contemporary Art Fund

Die „Kniende“ von Wilhelm Lehmbruck war nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem vielschichtigen Symbol geworden und stand be...
30/07/2026

Die „Kniende“ von Wilhelm Lehmbruck war nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem vielschichtigen Symbol geworden und stand bei ihrer Präsentation auf der documenta 1 in Kassel (1955) für Menschlichkeit und Erneuerung. Heute steht die „Kniende“ exemplarisch für die Geschichte der modernen Kunst in Deutschland und erinnert zugleich an die innovative Ankaufspolitik der Kunstsammlungen Dresden vor dem Zweiten Weltkrieg. Als zentrales Werk im Albertinum verweist sie auf die künstlerische Aufbruchsstimmung der Moderne und auf deren gewaltsame Unterbrechung im Nationalsozialismus. Ihre Rückkehr macht sichtbar, dass unsere Sammlungsgeschichte auch eine Verlustgeschichte ist. Diese Lücken zeigen, wie tief politische Eingriffe in künstlerische Freiheit wirken können – und wie sehr Sammlungen von historischen Umbrüchen geprägt sind.

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The “Kneeling Woman“ by Wilhelm Lehmbruck had become a multi-faceted symbol after the Second World War and it stood at documenta 1 in Kassel (1955) as a symbol of humanity and renewal. Today, the “Kneeling Woman“ stands as an exemplary figure in the history of modern art in Germany and simultaneously recalls the innovative acquisition policy of the State Art Collections Dresden before the Second World War. As a central work in the Albertinum permanent collection, it points both to the artistic spirit of renewal of modernism and to its violent interruption under National Socialism. Its return makes clear that our collection’s history is also a history of loss. These gaps demonstrate how profoundly political interference in artistic freedom can affect it – and how deeply collections are shaped by historical upheavals.

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Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), Kniende / Kneeling Woman, 1911 (Steinguss / Cast stone 1920) © Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die Rückkehr der „Knienden“ von Wilhelm Lehmbruck markierte 1994 den ersten Rückerwerb eines 1937 von den Nationalsozial...
28/07/2026

Die Rückkehr der „Knienden“ von Wilhelm Lehmbruck markierte 1994 den ersten Rückerwerb eines 1937 von den Nationalsozialisten in Dresden als „entartet" beschlagnahmten Werkes. Anders als in Westdeutschland, wo man bereits nach 1945 begann, die durch die Beschlagnahmungen entstandenen Lücken zu schließen, konnte dies in Ostdeutschland erst nach der Friedlichen Revolution 1989 einsetzen. Doch die Finanzierung solcher Rückerwerbungen stellte schon damals einen erheblichen Kraftakt dar.

Die „Kniende“ war von den Nationalsozialisten verkauft worden und gelangte in das Chrysler Museum of Art (Norfolk, VA, USA). Als 1993 die Nachricht von ihrer Versteigerung bei Sotheby's in New York die Dresdner Skulpturensammlung erreichte, setzte der damalige Direktor Heiner Protzmann alles daran, sie zurückzuerwerben. Die Finanzierung erfolgte durch die Kulturstiftung der Länder, den Ernst von Siemens-Kunstfonds und durch Mittel des Freistaates Sachsen.

Seitdem ist die Skulptur wieder Teil der Sammlungspräsentation im Albertinum und steht derzeit in der Skulpturenhalle im Fokus unseres Projektes „Albertinum befragen“.

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Gefördert von Outset Contemporary Art Fund

2010 wurde dieses Gemälde als geraubtes Kunstwerk identifiziert. Es gehörte bis April 1938 den in Wien lebenden jüdische...
23/07/2026

2010 wurde dieses Gemälde als geraubtes Kunstwerk identifiziert. Es gehörte bis April 1938 den in Wien lebenden jüdischen Schwestern Rosauer, wie es einem sog. Judenvermögensverzeichnis zu entnehmen war. Nachdem die Schwestern in eine Sammelwohnung zwangsumgesiedelt worden waren, wurde das Gemälde im November 1938 durch die Wiener Antiquitätenhändlerin Hildegard Gussenbauer an die Kunsthandlung Julius Böhler in München verkauft. 1940 wurde das Bild dort für die Dresdener Gemäldegalerie erworben. Die älteste der bereits hochbetagten Schwestern, Malvina Rosauer verstarb noch in Wien. Bertha und Eugenie Rosauer kamen 1942 ins Konzentrationslager Treblinka, wo sie ermordet wurden. Im März 2011 erfolgte die Restitution des Gemäldes an die Nachfahren der Eigentümerinnen. Schon kurz darauf konnte es für das Albertinum, wo es aktuell in der Sammlungspräsentation zu sehen ist, zurückerworben werden.

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This painting was identified as looted art in 2010. According to a Directory of Jewish Assets, it had been owned by the Rosauers, a Viennese family of Jewish sisters, until April 1938. After the sisters were forced to move into a collective apartment, the painting was sold in November 1938 by Viennese antique dealer Hildegard Gussenbauer to Julius Böhler’s gallery in Munich. In 1940, the painting was purchased there for Dresden’s Gemäldegalerie. The oldest of the already elderly sisters, Malvina Rosauer, passed away before she could be transported out of Vienna. Bertha and Eugenie Rosauer were transported to the Treblinka extermination camp in 1942, where they were murdered. In March 2011, the painting was restituted to the descendants of the owners. Shortly afterwards, it was bought back for the Albertinum, where it is currently on display as part of the permanent collection presentation.

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Carl Christian Vogel von Vogelstein (1788-1868), Junge Dame mit Zeichengerät - Gräfin Thekla Ludolf, geb. Weyssenhoff / Young Lady with Drawing Utensils - Countess Thekla Ludolf, née Weyssenhoff, 1816 © Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der Wert von Kunstwerken liegt nicht nur in ihrer Ästhetik, sondern auch in ihrer Bedeutung als Zeugnis der Geschichte. ...
21/07/2026

Der Wert von Kunstwerken liegt nicht nur in ihrer Ästhetik, sondern auch in ihrer Bedeutung als Zeugnis der Geschichte. Im Rahmen der sog. Provenienzforschung befasst man sich mit der Herkunft von Kunstwerken, deren Eigentümern und Besitzern. Historische Inventarbücher werden gewälzt, Ankaufsdokumente, Briefe und Rechnungen in Archiven gesucht. Auch die Betrachtung der Rückseiten von Gemälden rückt in den Fokus der Museumsarbeit. Es geht darum, Aufkleber und Aufschriften zu finden, die neben Archivalien Auskunft zur Herkunft der Bilder geben können. Kunstwerke können im Laufe der Jahre auf die verschiedenste Art ihren Besitzer wechseln: durch Verkauf, durch Schenkung, durch Beschlagnahmung, durch Raub – oder durch Restitution.

Beschäftigt man sich damit, ist viel über die Biografie der einzelnen Objekte, über die Geschichte der eigenen Sammlung und über persönliche Schicksale und die großen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts zu erfahren. Bis heute haben Fragen nach Besitz und Herkunft von Kunstwerken eine politische, rechtliche, moralische und emotionale Dimension. Für manches Kunstwerk sind lückenlose Auflistungen zur Herkunft möglich. Bei etlichen Objekten gelingt es trotz intensiver Bemühungen nicht, alle Vorbesitzer und die genauen Erwerbungsumstände herauszufinden.

Im Rahmen des Projektes „Albertinum befragen“ wird die Provenienzgeschichte des Gemäldes „Junge Dame mit Zeichengerät - Gräfin Thekla Ludolf, geb. Weyssenhoff“ (1816) von Carl Christian Vogel von Vogelstein in einer Vitrine nachgezeichnet.

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Gefördert von Outset Contemporary Art Fund

Jürgen Böttcher, dessen Künstlername als Maler dem Dorf seiner Kindheit entlehnt ist, wird heute 95 Jahre alt! Er studie...
08/07/2026

Jürgen Böttcher, dessen Künstlername als Maler dem Dorf seiner Kindheit entlehnt ist, wird heute 95 Jahre alt! Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden von 1949 bis 1953 bei Wilhelm Lachnit Malerei und gab anschließend als freischaffender Künstler Zeichenkurse an der Volkshochschule. Hier unterrichtete er den jungen Ralf Winkler (A. R. Penck), Peter Makolies, Peter Graf und Peter Herrmann, die er in den Jahren maßgeblich prägte und mit denen er die Künstlergruppe „Erste Phalanx Nedserd“ begründete. Sowohl die Gruppe als auch Strawalde selbst waren von der Mitte der 1950er Jahre geführten Formalismusdebatte betroffen, sodass er 1955 ein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam begann und sich dem Dokumentarfilm widmete.

Das Gemälde „Mutter mit Kind“ entstand im Jahr nach der Aufnahme des Studiums und spiegelt das große künstlerische Vorbild Strawaldes in jenen Jahren wider: Pablo Picasso. Zudem kann das Werk als zeitgenössische Interpretation einer christlichen Ikonografie verstanden und die Mutter als Maria gesehen werden. Stawaldes Gemälde ist aktuell in der Sammlungspräsentation des Albertinum zu sehen und wir gratulieren herzlich zum Geburtstag!

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📷 Strawalde, Mutter mit Kind, 1956, Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Emilie Lachaud de Loqueyssie war, wie viele Künstlerinnen ihrer Zeit, vor allem als Porträtistin und Kopistin von Werken...
02/07/2026

Emilie Lachaud de Loqueyssie war, wie viele Künstlerinnen ihrer Zeit, vor allem als Porträtistin und Kopistin von Werken Alter Meister tätig. Ihr Mädchenporträt wurde nicht gezielt für die Dresdner Sammlungen erworben, sondern kam in Folge der Enteignung mobilen Eigentums in Schlössern, Herrenhäusern und anderen Immobilien in den Jahren 1945/146 in die Sammlungen. Das Gemälde wurde bisher noch nie im Albertinum ausgestellt und blieb daher bis 2025 unrestauriert. Im Rahmen des Projektes „Albertinum befragen“ ist es aktuell in unserer Sammlungspräsentation zu sehen.

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Like many female artists of her time, Emilie Lachaud de Loqueyssie worked primarily as a portraitist and copyist of works by the Old Masters. Her portrait of a girl was not acquired specifically for the Dresden collections, but came into the collections as a result of the expropriation of movable property from palaces, manor houses and other properties in 1945-1946. The painting has never before been exhibited at the Albertinum and therefore remained unrestored until 2025. As part of “Questioning the Albertinum”, the painting is currently on display in our permanent collection presentation.

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Emilie Lachaud de Loqueyssie, geb. Hebenstreit (1793-1863), Ein Mädchen mit einem Hund / A Girl With a Dog, 1827 © Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Adresse

Tzschirnerplatz 2
Dresden
01067

Öffnungszeiten

Dienstag 11:00 - 17:00
Mittwoch 11:00 - 17:00
Donnerstag 11:00 - 17:00
Freitag 11:00 - 17:00
Samstag 11:00 - 17:00
Sonntag 11:00 - 17:00

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+4935149142000

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