10/06/2026
Dem neugeborenen Schabrackentapir geht es so weit gut
Wie von uns berichtet, brachte Schabrackentapir Laila vor drei Wochen, in der Nacht zum 20. Mai, ein Jungtier zur Welt. Dem männlichen Jungtier geht es so weit gut, wobei wir trotz aller Freude über den Zuwachs unsere Euphorie weiterhin zurückhalten.
Denn wie ebenfalls bereits berichtet, trägt Laila einen parasitären Erreger in sich, gegen den es kein Medikament gibt. Dieser Erreger wird über Hundekot übertragen, der unentdeckt im Futterheu vorhanden sein kann, wenn Hunde auf Futterwiesen koten. Rinder und andere Wiederkäuer sind vor allem Zwischenwirt dieses Erregers, aber auch Tapire können wie im Fall von Laila Zwischenwirt sein. Werdende Mütter können den Erreger über die Plazenta an das noch ungeborene Jungtier übertragen, der sich dann im Jungtier vermehrt und dieses schwächt, was dann zum Tod führen kann. Auch der neugeborene Schabrackentapir in unserem Zoo weist unter anderem einen unsicheren und eher steifbeinigen Gang auf, was auf eine durch den einzelligen Parasiten zurückzuführende Infektionskrankheit hervorgerufenen wird.
Dennoch schlägt der junge Bulle sich so weit gut, ist sehr aufgeschlossen, trinkt ordentlich und folgt seiner Mutter. Und auch Leila kümmert sich sehr vorbildlich um ihren Sprössling. Wir geben weiterhin unser Bestes und das Jungtier wird intensiv von unseren Zootierpflegern und Zootierärzten überwacht. Darüber hinaus sind wir im engen Austausch mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) bzw. EAZA Ex‐situ Programme für Schabrackentapire, welches innerhalb der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA - the European Association of Zoos and Aquaria) im Tiergarten Nürnberg koordiniert und den zuständigen beratenden Fachtierärzten, um das Jungtier entsprechend unter anderem physiotherapeutisch bestmöglich zu therapieren.
Eine Zucht mit Laila war nicht geplant. Nachdem Laila in ihrem vorherigen Zuhause, dem Zoo Leipzig, bereits mehrfach Nachwuchs verloren hatte, zog sie in Absprache mit dem EEP in unseren Zoo um. Hier sollte Laila gemeinsam mit Schabrackentapir-Opa Jinak leben. Denn bei einer Untersuchung von Jinaks Samenflüssigkeit wurden lediglich inaktive oder missgebildete Spermien nachgewiesen, sodass er als unfruchtbar eingestuft wurde. Daher war Lailas Trächtigkeit eine nicht vorhersehbare Überraschung.
Habt bitte Verständnis dafür, dass wir das Regenwaldhaus, in dem Sumatra-Orang-Utans, Zwergloris und Schabrackentapire leben, zeitweise schließen, um Mutter und Kind Ruhe und Zeit für sich zu geben.
Drückt uns weiterhin und dem neugeborenen Schabrackentapir fest die Daumen! Wir halten Euch auf dem Laufenden!
PS: Der Beitrag zum „Artenschutz-Mittwoch“ entfällt heute.
Foto: Ida Andrae
Text: Marcel Stawinoga/Der Zoolotse