27/03/2026
3 Fragen an Reinoldikantor Christian Drengk zur Orgelvesper an Karfreitag✨
- Was war Ihnen für das Konzertprogramm am Karfreitag wichtig?
Christian Drengk: Mir ist wichtig, dem Publikum am Karfreitag durch die Musik Raum zum Innehalten und Nachdenken zu geben – als Ausdruck des Endes der Passionszeit und des Übergangs zur Osterzeit. Zudem lege ich Wert auf ein verbindendes Thema im Programm. In diesem Jahr sind das die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz. Besonders spannend finde ich, wie unterschiedlich Komponisten wie Haydn und Wermann das Thema musikalisch deuten – und wie es jeweils in klassischer und romantischer Stilistik klingt.
- Wie kann man den Klang beschreiben, den die Chaconne aus Bachs d-Moll-Partita entfaltet, wenn sie auf der Orgel erklingt?
Christian Drengk: Auf der Orgel erhält die Chaconne durch die Bearbeitung von Arno Landmann eine neue, romantisch geprägte Klangdimension und erscheint in einem anderen Gewand. Landmann komponiert aus der Tradition von Liszt oder Reger und hat auf der Orgel nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, den enormen harmonischen Reichtum, den Bach in dieses ursprünglich für ein einstimmiges Instrument geschriebene Werk gelegt hat, besonders eindrucksvoll hervorzuheben.
- Was kann uns Musik an diesem stillen Feiertag schenken?
Christian Drengk: Am Karfreitag wird oft Psalm 22 gebetet, der mit dem Aufschrei beginnt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ So still es also gar nicht, auch nicht im Johannesevangelium, wo uns eine dramatische Szenerie begegnet – die Erde bebt, der Tempelvorhang zerreißt, Gräber öffnen sich. Diese aufgeladene Stimmung findet in der Musik ihren Ausdruck und steht zugleich im Kontrast zu Resignation und Verzweiflung, die auch anklingen werden. Um es mit Victor Hugo zu sagen: „Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“
WO: St. Reinoldikirche, Ostenhellweg 2, Mitte
WANN: Karfreitag, 3. April 18 Uhr
Eintritt frei, Spenden erbeten
Foto (c) Johannes Raab