16/10/2020
Liebe Freunde der gepflegten Ausgeh-Kultur,
das 'Gastro-Netzwerk Darmstadt' hat heute den Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt mit einem offenen Brief bedacht, den wir Euch nicht vorenthalten möchten.
Wir, das sind 80 eigentümerbetriebene Restaurants, Bars & Cafés in Darmstadt.
Wir richten uns gegen die heute verkündeten Maßnahmen, daß Gastronomie bei einer Inzidenz von 50 ab 23:00 Uhr schließen muß.
Wir halten diese Maßnahme für falsch. Sie wird das Problem nicht lösen, sondern verschärfen.
Wer Gastronomie um 23:00 Uhr schließt, 'verschiebt' Gäste in den privaten Bereich / fördert illegale Partys. Also genau dorthin, wo nachweislich die meisten Infektionen stattfinden.
Es gibt in Darmstadt bisher keine einzige nachgewiesene Infektion in einer Gaststätte, wenigstens können wir das für unsere 80 Betriebe sagen.
Viele von uns arbeiten zudem bereits mit HEPA-Luftfilteranlagen, bzw. haben diese geordert, die in einer halben Stunde 90% der Aerosole / womöglichen Corona-Viren aus der Luft filtern.
Kurzum: Gastronomische Betriebe sind (bei Berücksichtigung aller Hygieneauflagen) sicher!
Hier nun dies, was wir heute dem Oberbürgermeister Jochen Partsch geschrieben haben:
Sehr geehrter Herr Partsch,
mit großer Sorge verfolgen die Mitglieder des ‚Gastro-Netzwerkes Darmstadt‘ die steigenden Corona-Infektionszahlen und die daraus auf Bundes-, Länder-, und Kommunalebene abgeleiteten Konsequenzen für die Gastronomie.
Wenngleich in Darmstadt aufgrund der besseren Inzidenz noch keine wesentlichen Einschränkungen für die Gastronomie wie beispielsweise in Berlin, Frankfurt oder München erlassen wurden, befürchten wir, daß dies zeitnah erfolgt.
Wir halten diese Reglementierungen für der Sache nicht dienlich, sogar für kontraproduktiv.
Die Gastronomie arbeitet grundsätzlich mit hohen Hygieneauflagen. Diese wurden am Ende des Lockdowns deutlich verschärft. Abstandsregelungen, Personenerfassung, Maskenpflicht, erhöhte Desinfektionsauflagen, alles das macht Gastronomie zu grundsätzlich sicheren Orten.
Die Mitglieder des ‚Gastro-Netzwerkes Darmstadt‘ stehen darüber hinaus in einem regen Austausch untereinander und bemühen sich intensiv um weitergehende Lösungen für den kommenden Winter.
Viele von uns arbeiten bereits mit HEPA-Luftreinigern, die bis zu 99,5 % der Corona-Viren aus der Luft filtern und abtöten, bzw. haben deren Anschaffung in den kommenden Wochen ins Auge gefaßt.
Gastronomie ist also nicht nur ein grundsätzlich sicherer Ort, sondern trägt auch aktiv zur Verbesserung der Situation bei.
Denn eines ist klar: wer restriktiv unsere Öffnungszeiten auf 23:00 Uhr, bzw. 22:00 Uhr herabsetzt, drängt Gäste in den privaten Raum und folglich dorthin, wo jetzt schon der Schwerpunkt der Virenverbreitung liegt.
Kontrolle ist besser als illegale Partys.
Wir sind uns dessen bewußt, daß es auch in der Gastronomie schwarze Schafe gibt. Das aber darf kein Grund dafür sein, das Gros der Gastronomen mit in die Repression zu nehmen, die sich nicht nur an die Auflagen zum Schutze ihrer Gäste und Mitarbeiter halten, sondern oft sogar mehr leisten als vom Gesetzgeber gefordert.
Statt mit dem Rasenmäher alle Gastronomen in Öffnungszeiten und Alkoholausschank unisono zu beschneiden, empfehlen wir einen Blick nach Italien. Dort hat man eine unseres Erachtens sehr clevere Lösung gefunden, die wir uns auch für Darmstadt wünschen:
Dort sind die Betriebe von den Sperrzeiten ausgenommen, deren Gäste an Tischen sitzen, die also alle entsprechend den Hygieneauflagen und Abstandsregeln notwendigen Erfordernisse erfüllen.
- Beieinanderstehende Gruppen vor gastronomischen Betrieben können somit gesondert verboten werden.
- An Tischen sitzende Gäste können ihre Abende unter garantierten Hygiene-Bedingungen verbringen und werden nicht in den unsicheren Privatbereich ‚abgeschoben‘.
- Gastronomen können ihre teilweise erheblichen Umsatzverluste und die dadurch drohende Gefahren einer Insolvenz verringern.
Einfache Maßnahme, große Wirkung.
Es würde uns freuen, wenn die Stadt Darmstadt gegen den Bundestrend nicht zur Verschlimmbesserung der Situation beitrüge, indem sie in den Chor ungereimter Reglementierungen einstimmt.
Zweckorientierte Lösungsansätze und keine pauschalen Allgemeinverordnungen sind gefragt, die sich (wie im vorliegenden Falle) nicht einmal an objektiven Sachverhalten orientieren:
Die beispielsweise 80 Gastronomen, die sich im ‚Gastro-Netzwerk Darmstadt‘ zusammengeschlossen haben, hatten bis dato keinen einzigen Fall einer nachweislichen Infektion in einer ihrer Betriebsstätten.
Wir würden uns freuen, sehr geehrter Herr Partsch, wenn Sie, resp. die Verantwortlichen des ‚Corona-Rates‘ unsere Anregungen berücksichtigen und idealerweise in Ihre Entscheidungen einfließen lassen würden.
Im Namen des Gastro-Netzwerkes Darmstadt
Stefan Zitzmann