07/05/2020
Hallo Alice Charlotte !
Du bist im letzten Jahr an der TAK. Was fällt dir als erstes ein, wenn du an deine bisherige Ausbildung denkst?
Mein irrsinnig-langer-aufwendiger-und-stressiger Schulweg... und der Weg von tausend Fragezeichen zu doppelttausend Antworten. Meine Ausbildung war und ist bis dato eine unglaubliche Reise. Und ich denke an Joel Pommerat, zweifellos.
Was war dein Traum vor Beginn der Ausbildung und hat er sich bis heute verändert?
Früher wollte ich Schauspielerin werden, weil ich festgestellt habe, dass es mir einfach Spaß macht und mir gut liegt. Mit der Zeit habe ich aber die, für mich, wahre Aufgabe darin entdeckt: ich will Schauspiel nicht nur für mich machen, weil es mir damit gut geht. Ich will es vor allem dazu nutzen, um Menschen zum Fühlen, zur Reflektion und zum Wandel anzuregen. Ich will eine große Verantwortung übernehmen und ja - ich denke gerne groß. Große Bühnen, großes Publikum, große Wirkung.
Was ist die größte Veränderung, die du in den letzten drei Jahren an dir selbst festgestellt hast?
Meine Ausbildung hat mich auf eine intensive Tour durch mich selbst geschickt. Und ja, diese Veränderung verlief sehr holprig und durchwachsen. Es klingt vielleicht an dieser Stelle sehr pathetisch, aber es war eine wahre Odysee. Und ich bin wahrscheinlich noch lange nicht in mir, in meiner eigenen „Heimat“ angekommen. Aber ich kann sagen, dass ich mich zu einer besseren Version von mir selbst entwickelt habe. Das bedeutet für mich, dass ich gelernt habe mit meinen ausgebauten Stärken und mit meinen akzeptierten Schwächen umzugehen. Von Natur aus gehöre ich eher zu den ruhigen und reservierten Menschen; ich habe aber verstanden, dass ich beides darf und sein kann - laut und leise. Erwachsen und kindlich. Naiv und weise.. Ich könnte lauter Antonyme aufzählen. Ich habe gelernt, dass es kein „Richtig“ und kein „Falsch“ geben muss. Dass ich mutig, leidenschaftlich aber vor allem immer authentisch sein will.
Welche Erwartungen hast du an die Zeit nach dem Abschluss?
An mich? Mir Zeit zu nehmen - für mich. Zeit dafür, damit sich diese vier Jahre in mir setzen können. In der Ausbildung habe ich nämlich auch gelernt, dass es manchmal verdammt lange dauern kann, bis der Körper und der Geist etwas verinnerlicht haben. Und mit diesem Wissen will ich vieles ausprobieren und mich herausfordern. Ich will spielen!
Was ist (d)ein bester Tipp für Menschen, die Schauspiel lernen wollen?
Habt keine Angst euch mit euch selbst auseinanderzusetzen. Nehmt Kritik nicht negativ, sieht sie als Möglichkeit sich weiter zu entwickeln UND ihr müsst niemandem irgendetwas beweisen, indem ihr versucht wahnsinnig originell, anders oder besonders zu wirken. Es ist mehr als okay, sich so anzubieten und so zu verkörpern, wie man halt ist.
Worauf freust du dich in der Zeit bis zum Diplom?
Ich freue mich auf die besondere und enge Zusammenarbeit mit meinem Semester und den Dozenten. Es wird alles differenzierter und emotionaler. Ich möchte mit viel Anlauf und Energie nochmal alles geben, lernen was noch zu Lernen gilt und.. ja, im Grunde einfach auf die K***e hauen.
Verrate uns doch ein bisschen über deinen Part in eurer Abschlussinszenierung.
Ich darf dämlich, demütig, depressiv, dramatisch, dezent, damenhaft, derb, despotisch und drollig sein. Und man wird mich in meiner Muttersprache (Polnisch) erleben. Vielleicht tanze ich noch und singe etwas dazu.. Wir sind und werden alle schlicht und ergreifend „Allrounder“ sein.
Welche Frage haben wir dir leider nicht gestellt?
Gute Frage. Ich wurde glaube ich nie großartig nach „meiner Geschichte“ gefragt. Ich konnte unheimlich viel von mir anbieten und mit einbringen aber nach meinem Leben wurde nie wirklich gefragt. Das ist eben das Spannende: man lernt sich echt verdammt gut kennen, aber eben anders kennen, als man denkt.
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Shooting&Cut - Danke an Neue Bilder !