Die Brückenmusik in der Deutzer Brücke (Köln) ist eine der ältesten und bundesweit profiliertesten Konzertreihen für Klanginstallationen und akustische Kunst. Die Deutzer Brücke beherbergt einen äußerst faszinierenden, akustisch geradezu spektakulären Innenraum, der aufgrund seiner architektonischen und klanglichen Besonderheiten bei Künstlern und Besuchern eine besondere Wertschätzung als außerge
wöhnlicher Kunstort genießt. Die Besucher treffen hier auf eigens für diese Räume entwickelte und eingerichtete Arbeiten, die insbesondere klangliche Aspekte und individuelle Hörerlebnisse thematisieren. Physikalische Klang- experimente, verspielte Musikmaschinen- Installationen, herausfordernde Performances und akustische Täuschungen – all dies hat in der über zwanzigjährigen Geschichte der „Brückenmusik“ dort schon stattgefunden. Aber immer wieder aufs Neue ist es für die beteiligten Künstler und Besucher ein ebenso außergewöhnliches wie spannendes Ereignis, der eindrucksvollen Größe des Bauwerks und seiner schieren akustischen Macht zu begegnen.
„Entdeckt“ wurde die Deutzer Brücke bereits 1985 durch den amerikanischen Klangkünstler Bill Fontana, als dieser für seine urbane Klangcollage „Metropolis Köln“ die Domstadt nach geeigneten Orten mit charakteristischen Klängen durchsuchte und dabei auf die Kölner Brücken stieß. Begleitet wurde er vom damaligen Assistenten des WDR 3 Hörspielstudios Peter Behrendsen, der sofort die Idee hatte, den Hohlkörper der Deutzer Brücke als faszinierenden „weltlichen Sakralraum“ auch für andere Projekte zu nutzen. Er gründete daraufhin 1995 die Reihe „Brückenmusik“ als jährliche Veranstaltung der Kölner Gesellschaft für Neue Musik e.V. Seit 2001 fand die Veranstaltung im Verbund mit dem Festival „Romanischer Sommer“ statt. Nach zehn Jahrgängen übergab Peter Behrendsen 2004 den beiden Kölner Klangkünstlern hans w. koch und Jens Brand die künstlerische Leitung, 2013 wurde sie an die Künstlergruppe „Therapeutische Hörgruppe Köln“ übertragen. Die große Anzahl herausragender Klangkünstler, Musiker und Komponisten, die in den letzten 23 Jahren im Hohlkörper der Deutzer Brücke gearbeitet haben, bildet ein eindrucksvolles Spektrum ästhetischer Möglichkeiten der Klangkunst; beeindruckende Ortsklänge, intermediale Raumtransformationen, klangliche und kompositorische Wagnisse sowie akustische Experimente – allesamt geprägt durch die intensive Auseinandersetzung mit diesem außergewöhnlichen Kunst- und Hörort. Das Konzept der Brückenmusik hat auch immer darin bestanden, akustische Störfaktoren – ständig sind “Umwelt- und Hintergrundgeräusche” von Autos, Straßenbahnen und sogar Schiffen in der Brücke hörbar – nicht zu ignorieren, sondern im Sinne der Ästhetik John Cages zum Bestandteil der künstlerischen Prozesse und Werke zu machen. Seit 2017 liegt die Organisation von Brückenmusik bei Heike Ander, Meryem Erkus, Friedemann Dupelius, Theresa Nink, Dirk Specht, Volker Zander und wird veranstaltet von ON - Neue Musik Köln und gefördert durch die Stadt Köln und das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW und der Rheinenergie Stiftung Kultur.