15/10/2026
Highlight für den und neuer Hingucker für Euch: Biologinnen und Biologen des Kölner Zoo haben einen bedeutenden Erfolg für den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Persischen Leoparden erzielt. Ihnen gelang es im Frühjahr, Weibchen „Mitra“ künstlich mit Sperma von Zuchtkater „Grom“ zu besamen. Vor drei Monaten kam dann ein weibliches Jungtier zur Welt, das jetzt auf den Namen „Arya“ – Persisch für „die Edle“ – getauft wurde.
Das gesunde und muntere Jungtier hat nun die beiden notwendigen Impfungen erhalten und ist grundimmunisiert.
„Arya“ ist daher ab sofort regelmäßig auf der Außenanlage mit ihrer Mutter für die Gäste des Kölner Zoos zu sehen. 💚🥰
Die siebenjährige „Mitra“ lebt seit gut zwei Jahren bei uns, der 13-jährige „Grom“ seit 2022. Da eine natürliche Fortpflanzung ausblieb, wählte das Team um Zoo-Raubtierkurator Dr. Alexander Silwa und Dr. Sandra Marcordes, Tierärztin im Kölner Zoo, den Weg einer künstlichen Befruchtung. Maßgeblich involviert war zudem die Katzen-Reproduktionsspezialistin Dr. Imke Wiemann aus dem Allwetterzoo Münster in Münster.
Dr. Alexander Sliwa: „Die bisher nachwuchslosen ,Mitra‘ und ,Grom‘ sind genetisch ausgesprochen wertvoll für den Bestand dieser Art. Daher haben wir keine Mühen gescheut, um für eine Fortpflanzung der beiden zu sorgen. Wir sind sehr froh, dass uns dies mit dieser Gemeinschaftsleistung von Biologie, Veterinärmedizin und Tierpflege gelungen ist.“
Es ist erst das dritte Mal, dass eine künstliche Besamung bei Persischen funktioniert hat. In gelang dies sogar bereits im ersten Versuch. Der Weg dorthin war allerdings aufwendig, da „Mitra“ ein ungewöhnlich scheues Tier ist. Unsere Tierpflegerinnen konnten zwei Jahre bei ihr keine sichere Rolle, wie Biologen den Östrus bei nennen, erkennen. Durch Beobachtung und regelmäßiges Dokumentieren gelang es, „Mitras“ Östrus mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen und die künstliche Besamung starten zu können.
Am 9. April wurden dem Kölner Leopardenkater „Grom“ in Narkose zunächst Spermien entnommen. Diese wurden anschließend von Dr. Wiemann aufbereitet und in einer zweiten, daran anschließenden Narkose der Leopardin in katzenspezifischer Position injiziert. Als die normale Rolle ausfiel und die Hormonuntersuchungen aus den Kotproben eine Trächtigkeit bestätigten, waren sich die Kölner Katzenexperten sicher, dass der Versuch Erfolg hatte und machten alles für die Geburt in einer Wurfkiste im Absperrgehege mit Kameraüberwachung bereit. „Mitra“ versorgte „Arya“ zur Freude des gesamten Zoo-Teams von Beginn an umsichtig und fürsorglich.
„Mitras“ und „Groms“ Gene sind besonders wertvoll, da beide von Eltern stammen, die kaum in den Zuchtlinien europäischer Zoos vertreten sind. „Mitra“ kam vor zwei Jahren aus dem Tierpark Nordens-Ark, Schweden, auf Empfehlung des Koordinators des Europäischen Erhaltungsprogramms (EEP) für diese Art in den Kölner Zoo. „Grom“ stammt aus Sotchi, Russland – einem Land, mit dem beim Thema Erhaltungszucht momentan nicht mehr kooperiert werden kann. „Grom“ wurde dort von Hand aufgezogen und zeigt leider daher kein artspezifisches Sozialverhalten. Bevor der Kater 2022 nach Köln kam, hatte er sieben Jahre in einem französischen Zoo mit einer älteren Leopardin zusammengelebt, nicht gedeckt und somit nicht für Nachwuchs gesorgt. „Grom“ zog nach Köln, um ihn mit der dortigen Expertise behutsam für eine künstliche Besamung zu trainieren.
Zoos verfolgen einen klaren Plan
Der Kölner Zoo hatte bereits 2022 versucht, das ältere der dort lebenden Leoparden-Zuchtweibchen, die inzwischen 18-jährige „Azisam“, zu besamen. Es stellte sich allerdings heraus, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits unfruchtbar war. 2025 wurden „Groms“ Spermien von Frau Dr. Wiemann verwendet, um die Persische Leopardin „Nahla“ im zu besamen. Dies gelang im zweiten Versuch und führte im Juli 2025 zur Geburt von Weibchen „Shirin“. „Grom“ ist also inzwischen Vater von zwei weiblichen Jungtieren. Die Zucht mit ihm soll fortgesetzt werden.
Wissenschaftlich geführte Zoos leisten diese Anstrengungen, um in Zukunft Tiere im Ursprungsgebiet der Persischen Leoparden rückführen zu können. Dr. Alexander Sliwa: „Es ist ausgesprochen wichtig, dass das relativ kleine EEP-Zuchtprogramm für Persische Leoparden genetisch vielfältig gehalten wird. Nur so kann eine potenzielle Auswilderung von Tieren in den Ursprungsgebieten künftig auch mit einer hohen genetischen Vielfalt starten. Es wäre die Krönung all unserer Arbeit.“ Der EAZA - the European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) ist der einzige Kontinentalverband, der ein Zuchtprogramm für diese Leopardenunterart führt, die später einmal für solche Wiederansiedlungen und Bestandsaufstockungen dienen können. Die Zooverbände anderer Erdteile tun dies noch nicht. Sliwa: „Daher sind ,Mitra‘ und ,Grom‘ und unsere Arbeit hier in Köln so wichtig für den Erhalt dieser wunderschönen Katzen.“
Höchste Zeit für den Leopardenschutz
Dass es dringend notwendig ist, die Naturbestände bei dieser Art zu stärken, zeigt folgende Zahl: Biologen schätzen, dass es nur noch rd. 1.000 wildlebende Persische Leoparden gibt. Die meisten davon, ca. 600, leben im Iran. Früher reichte das Verbreitungsgebiet des Persischen Leoparden von der östlichen Türkei bis in den Westen Pakistans. Grund für den Rückgang der Populationszahlen und der territorialen Verbreitung sind menschliche Einflüsse wie die Lebensraumzerstörung oder die Wilderei, auch deren Beutetiere, sowie die Tötung von Leoparden in Vergeltung und auch nur in Erwartung von Viehschäden.
• Der Persische Leopard wurde 2023 von der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet (Endangered) eingeschätzt. Der Kölner Zoo hält derzeit vier Tiere dieser Art.
• Die Expertise der Zoologischen Gärten bei der Tierhaltung ist dabei die entscheidende Grundlage für diesen Erfolg. In wissenschaftlich gestalteten, naturnahen Gehegen können die Tiere artspezifisches Verhalten ausleben. Spezialisierte Tierärztinnen und Tierärzte, engagierte Kuratoren, Pflegerinnen und Pfleger sorgen nicht nur für optimale Ernährung und medizinische Versorgung, sondern auch für das psychische Wohlbefinden der Tiere.
• Das Europäische Erhaltungsprogramm (EEP) für die stark bedrohten Persischen Leoparden umfasst derzeit nur 99 Tiere. 61 davon sind Männchen, also der überwiegende Teil. Umso schöner ist es, dass in Köln nun ein Weibchen zur Welt gekommen ist.
Fotos: Hans Feller