28/03/2024
„Mist, verdammter!“, fluchte ich leise vor mich hin, als ich am Neumarkt aus der Mayerschen lief und über den großen Platz zur Bahn hetzte. Versunken in die vielen mir noch unbekannten Bücher, hatte ich wieder mal die Zeit vergessen. Meine eigene Eile scheuchte ein paar Tauben auf, die kurzerhand über mich hinwegflogen. „Wenn mir jetzt noch eine auf den Kopf kackt, dann ist mein Glück perfekt“, dachte ich. Mein Sarkasmus, der so manche Leute abschreckte, machte selbst vor meinen Gedanken nicht halt. Aber warum war es überhaupt so schlimm, ein paar Minuten zu spät zu kommen? Klar, das machte keinen guten Eindruck – aber dafür einen realistischen. Und wer wusste schon, ob der Mann, der mir gegenübersitzen würde, die ganze Hektik überhaupt wert war?
Na, toll. Alle Bahnen, die überirdisch abfuhren, führten auf die andere Rheinseite und trotzdem musste ich acht Minuten auf die nächste Bahn warten. Typisch KVB. Mein Blick wanderte zu der großen Tafel, auf denen auch die Linien 3 und 4 angezeigt wurden. Eine Bahn fuhr in zwei Minuten. Bis ich unten auf dem Bahnsteig angekommen wäre, würde mir die Bahn vor der Nase wegfahren. Aber wehe, man wartete bereits am Gleis, dann konnten sich zwei KVB-Minuten locker auf das Dreifache ausdehnen. Es nützte alles nichts. In 15 Minuten würde ich nicht beim Lommi sein. Ich blickte auf mein Handy, das mir klagend die Uhrzeit anzeigte. Dann würde ich eben zu spät kommen. Sollte ich ihm vielleicht schreiben oder einfach selbstbewusst hineinspazieren als sei nichts gewesen? Warum machte ich mir so viele Gedanken? Klar, Peter sah gut aus – zumindest auf dem Profilbild, aber das konnte auch Fake sein. Nein, es war irgendetwas an der Art und Weise, wie er schrieb, das mich fesselte. Ich konnte gar nicht sagen, was es genau war, aber irgendetwas zog mich in seinen Bann, noch bevor ich ihn kennengelernt hatte. Meine beste Freundin und Mitbewohnerin Jule meinte, es wäre sein Name. Das war natürlich totaler Blödsinn, obwohl ich den Gedanken schon charmant fand. Peter – oder besser gesagt Pitter – kam wahrscheinlich in genauso vielen kölschen Liedern vor, wie mein eigener Name. Aber nur weil Marie und Pitter so gut zusammenpassten, wie A***h auf Eimer, war das kein Grund für meine Nervosität.
Die Linie 7 fuhr ein. Die brachte mich zwar auf die Schäl Sick, wie man in Köln die rechte Rheinseite nannte, aber der Weg von der Haltestelle Deutzer Freiheit war bei der 7 etwas länger als bei den Linien 1 und 9. Egal, Hauptsache, es ging endlich weiter. Es war sowieso cool, dass Peter den Lommi als Treffpunkt vorgeschlagen hatte. Jule und ich wohnten in Deutz und so wäre sie direkt in der Nähe, wenn ich Hilfe brauchen sollte.
„Triff dich auf jeden Fall an einem gut belebten Ort mit ihm“, trichterte sie mir mit Nachdruck ein. Welcher Ort wäre da besser geeignet? Peters Vorschlag machte ihn mehr als sympathisch. Das zeigte, dass er keine schrägen Absichten hatte oder, dass er echt gern Kotelett aß. Denn nirgends gab es bessere als in der Gaststätte Lommerzheim.
„Mist“, fluchte ich erneut, als ich an das Essen dachte, und stürmte aus der Bahn. Beim Lommi konnte man ja nicht mit Karte zahlen. Das fand ich so cool old school, aber gerade kostete es mich weitere wertvolle Minuten. Vielleicht würde mich Peter einladen, aber was, wenn nicht? Und wollte ich das überhaupt? Ich hob schnell etwas Geld ab und erreichte mein Ziel mit achtminütiger Verspätung.
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