09/08/2026
MASTERS OF THE UNIVERSE
(USA, Australien, Kanada, Island, 2026, Regie: Travis Knight)
Fast vier Jahrzehnte hat es gedauert, bis die Masters of the Universe - Fans (ein paar wenige) ihre Helden erneut auf der großen Kinoleinwand sehen durften. Über die Jahrzehnte haben sich immer wieder Gerüchte über einen neuen Film aufgetan, aus denen am Ende nur verworfene Pläne wurden. Dabei war das MotU-Fandom nie am schlafen und hat sich stets über neue Figuren, Comics und Zeichentrickserien gefreut. Zwischen den dominanten Franchise-Giganten wie STAR WARS, HERR DER RINGE oder den zahlreichen Superhelden aus dem Hause Marvel und DC, schien kein Platz für die Abenteuer aus Eternia, die sich ab 1982 mit den ersten Actionfiguren in Millionen von Kinderzimmern zugetragen haben. Und während die Kinder der 80er-Jahre ihre Helden hochgehalten haben, schienen sie für ein neues Publikum nicht mehr zugänglich, was wohl mitunter am Fehlen einer Präsenz im Kino lag.
Dann ging es plötzlich ganz schnell, und 2025 wurde endlich ein neuer MotU-Kinofilm angekündigt. Das Fandom war im Aufwind. Eine der Hauptfragen über die Jahrzehnte war wohl die Frage, wer der neue He-Man, bzw. Prinz Adam werden würde. Einen besseren Darsteller als Dolph Lundgren (hier in einem Kurzauftritt zu sehen) zu finden, sollte doch kein Problem sein, doch mir persönlich ist nie einer eingefallen. Gosling hätte es mal machen können, wie ich finde. Am Ende wurde es Nicholas Galitzine, ein noch recht unbekanntes Gesicht. Nach den ersten Filmminuten hat sich meine Skepsis gegenüber Galitzine schlagartig gelegt, denn sein Schauspiel ist auf seine naive, tölpelhafte Art ganz zauberhaft. Auch Adams Verwandlung in He-Man ist sehr gelungen. Wer einen schwerbepackten Muskelklotz erwartet, muss seine Erwartungen etwas zurückschrauben, denn Galitzine ist auch nach der Verwandlung einfach nur sehr muskulös, aber eben kein undefinierter Berg. Doch He-Man ist natürlich nicht alles, und im MotU-Universum ist er wahrlich nicht meine Lieblingsfigur. Bei einem MotU-Film müssen ganz andere Dinge stimmen, was man mit MASTERS OF THE UNIVERSE 1987 offensichtlich nicht begriffen hat. Doch im 21. Jahrhundert steht es um die technischen Möglichkeiten in Sachen filmischer Darstellung besser, um ein Eternia zu zeichnen, was 1987 unserer Erde weichen musste. Jetzt, beinahe 40 Jahre später, bekommt man ein kunterbuntes Eternia geliefert, was komplett am Rechner entstanden ist. Sehr viel ist hier am Rechner entstanden, was bereits der Trailer verraten hat. Er hat auch verraten, dass das CGI nicht besonders gut aussieht. Und der größte Minuspunkt ist genau in diesen Bereichen zu finden. Besonders Cringer ist ganz übel animiert und hat mich an 2000er-Digital-Tier-Verbrechen erinnert, die ständig über die Leinwand flirrten. Auch der an sich schön designte Beastman ist von den Bewegungen eher rückständiger Natur. Wenig beeindrucken konnte mich auch Castle Grayskull, was immer im Hintergrund untergeht. Doch trotz dieser Schönheitsfehler hat mich das digitale Kostüm schnell nicht mehr gestört, denn in seiner Gesamtheit wirkt der Film wie aus einem Guss. Und ja, es gibt sogar richtige Studiobauten, was immer zu loben ist.
MASTERS OF THE UNIVERSE liefert eine einfache Story, damit auch MotU-Unerfahrene einen schnellen und unkomplizierten Einstieg in das Universum erfahren können. Zwischen den Comics, den Serien und den Filmen hat es nie eine kohärente Ursprungsgeschichte gegeben, an die man sich hier hätte halten müssen. Innerhalb des Universums gibt es immer wieder Abweichungen und Alternativen über die Figuren und der Schauplätze. Für MASTERS OF THE UNIVERSE muss man nichts wissen, um sich hier zurechtzufinden. Für mich ist dieses Konzept vollends aufgegangen, auch wenn ich glaube, dass der Film kaum neue Fans finden wird und lediglich von den alten so verstanden wird, wie er zu verstehen sein sollte: als großer Fan-Service mit ganz viel Spaß. Natürlich kommt es auch hier zu Abweichungen, und vor allem die ewig Gestrigen, die sich über die Hautfarbe– oder Geschlechtsveränderungen der Figuren aufregen, bekommen Futter. Doch wer sich über einen dunkelhäutigen Man-At-Arms oder einen weiblichen Roboto aufregt, darf gerne im stillen Kämmerlein weinen und mit seinen Actionfiguren spielen.
Von den Guten geht es jetzt zu den Bösen, die mich aufgrund ihrer Designs natürlich immer mehr begeistern konnten, egal, aus welcher MotU-Toy-Line sie stammten. Ganz vorn stand für mich Skeletor, der vielleicht erste Totenschädel, der mich in meiner Kindheit fasziniert hat. Da ich kein großer Freund von Jared Leto bin, waren da kurz Befürchtungen, bis mir schnell klar wurde, dass man ihn im Grunde gar nicht sehen würde, denn sein Kopf ist ja ein Totenschädel. Andererseits hat man 1987 mit Frank Langellas Skeletor-Make-up auch bewiesen, dass es einen Mittelweg geben kann. Doch 2026 ist man konsequenter und liefert einen blanken Totenschädel, in dessen Augenhöhlen ein dämonisch rotes Funkeln zu finden ist, was durchaus für Mimik sorgt. Doch trotzdem ist es Leto, und der macht als Herrscher des Bösen, der natürlich völlig überzeichnet ist, großen Spaß. Und was 1987 Meg Foster fabelhaft konnte, kann Alison Brie auf ganz andere Art 2026: eine reizende Evil-Lyn verkörpern. Leider gehen Skeletors Handlanger etwas unter, obwohl sich die Auswahl mit Tri-Klops (kommt leider zu kurz), Spikor (sieht mega aus), Karg (was für eine Überraschung), Goat Man (grenzwertig), Pig Boy (irgendwie niedlich) und Trap-Jaw sehen lassen kann. Einzig Trap-Jaw bekommt zwei große Kämpfe spendiert, aber der sieht auch einfach super aus und entspricht der zu Fleisch gewordenen Version der Zeichentrickfigur. Neben den bereits erwähnten Helden, die auf der Seite von He-Man stehen, tauchen auch Ram Man, Moss Man, Mekaneck und Fisto auf, die sich optisch alle sehr dicht an ihren Actionfigur-Vorlagen halten. Besonders Fisto fand ich sehr gelungen, und noch mehr die beiden Fist-Witze, die für einen FSK ab 12-Film schon ungewöhnlich sind. Etwas fremd erscheint Teela. Sie sieht mehr nach einer Figur aus dem STAR WARS - Universum aus. Nichtsdestotrotz macht Camila Mendes in ihrer Rolle soweit alles richtig. Insgesamt passen die Darsteller hervorragend in ihre Rollen, in denen sie durchaus gute Dialoge zugeschrieben bekommen haben. Heroische und pathetische Sprüche sind durchaus zu finden, doch die werden meistens im Keim erstickt oder durch den nächsten Witz abgelöst, was das Geschehen immer locker hält und nie in eine unangenehme Richtung drängt. Hier ist nichts allzu ernst zu nehmen, ohne dass irgendwas lächerlich wirkt. Aber man ist ja auch in einer Fantasiewelt unterwegs, in der alles möglich ist. Und wenn man das nicht vergisst, dann wird man mit MASTERS OF THE UNIVERSE vielleicht warm und kann über zwei Stunden mächtig Spaß haben, und den hatte ich schon bei der musikalischen Eröffnung, die einen direkt in die 80er-Jahre reißt. Der Score von Daniel Pemberton und Brian May ist wirklich schön und wird immer wieder fein variiert, dazu gibt es den ein oder anderen Song, z.B. von Queen und The Cure.
MASTERS OF THE UNIVERSE ist ein unerwartet schöner Film mit kleinen Mängeln, aber viel größeren Freuden. Ein richtiger Film für Fans.
(Bjoern Candidus)