17/06/2026
47 SAITEN – ein Abenteuer. Heute Abend widmen wir uns ab 19:30 im Alten Bundesrat der Harfe. Wir bewegen uns dabei durch eine französische Klangwelt zwischen 1907 und 1928: Impressionismus, Pariser Salons, neue Lust an Farbe und Licht. Debussy und Ravel beherrschen das Feld, doch in ihrem Windschatten wirkte eine Schar feiner Komponisten. Die Besetzung mit Flöte, Harfe und Streichern ist kein Zufall, sondern der Inbegriff dieses schwerelosen Sounds: Harfe und Flöte rufen Arkadien auf, Faune, Nymphen und Götterbilder – eine Antike voller Duft und Wärme.
Jean Cras, dessen Werke den Abend rahmen, war Marineoffizier und Komponist mit bretonischem Herzen. Vieles schrieb er auf See; für seine Kajüte erfand er sogar ein Schiffsklavier. Sein Streichtrio von 1926 ist keine trockene Konstruktion, sondern atmende Natur: Man hört die Weite des Meeres und die Melodien seiner Heimat.
Ladislas de Rohozinski, aus polnischem Adel stammend und in Paris ausgebildet, sog die Atmosphäre des Vorkriegs-Paris in sich auf. Seine Suite brêve wirkt wie eine Folge musikalischer Postkarten: Licht und Schatten, ein Spaziergang durch den Jardin du Luxembourg, das Flirren über der Seine.
Camille Saint-Saëns ist der vertraute Reiseleiter. Seine Fantasie op. 124, 1907 an der Riviera entstanden, zeigt den französischen Altmeister hellwach und neugierig: Klassische Eleganz, Salon, Fauré und ein Hauch Impressionismus verbinden sich zu Sinnlichkeit.
Am Ende bündelt Cras’ Quintett alle Farben des Abends. Flöte und Harfe gewinnen durch die Streicher orchestrale Tiefe; bretonische Herkunft, Reiseeindrücke, Rhythmen und Melodien verschmelzen. Im dritten Satz liegt nächtliche Stille über dem Ozean, im Finale weht frische Brise: Tanz, Glitzern, Licht – und unendliche Weite.
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(Gekürzter Text von Tilmann Böttcher)