11/10/2024
Der Kunsthistoriker Josef Busley (1888-1970) studierte und promovierte an der Universität Bonn und war langjähriger wissenschaftlicher Assistent vom Direktor des Kunsthistorischen Instituts, Paul Clemen.
Im Umfeld des Künstlervereins Malkasten lernte er Ilse, die Tochter eines Landgerichtsdirektors, kennen. Das Paar heiratete 1930 und hatte den Sohn Karl-Georg.
Ab 1927 war Busley Leiter der Kultur- und Denkmalpflegeabteilung in Düsseldorf, wurde jedoch 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, da der überzeugte Katholik dem neuen Regime ablehnend gegenüberstand.
Paul Clemen stellte ihn stattdessen bei der Denkmalinventarisation in Bonn an. Während des Krieges war Busley im militärischen Kunstschutz für das besetzte Frankreich tätig.
Ilse Busley fertigte für ihren Sohn ein Tagebuch an, das den Zeitraum November 1944 bis Ende Juli 1945 abdeckt, in dem sie über die Arbeit ihres Mannes berichtet, über die langjährige Freundschaft zu Konrad Adenauer sowie über die politischen und geschichtlichen Ereignisse, die die Busleys miterlebten.
Anfang 1945 zog die Familie von Bonn ins etwa 30 Kilometer entfernte Leubsdorf, wo Busley den Auftrag erhielt, die rechtsrheinischen Bergungsorte für Kunstschätze zu überwachen. Somit erlebten die Busleys den Rheinübergang der Amerikaner beim gegenüberliegenden Remagen Anfang März mit. Busley gelang es durch einen Trick, die noch anwesende SS aus dem Dorf zu locken, denn erst danach konnten weiße Flaggen gehisst werden, wofür man zuvor von der SS erschossen worden wäre.
Ilse Busley gelang es außerdem, da sie Englisch sprach, einige Besitztümer der Familie zu retten – so auch die Tagebücher ihres Mannes –, als sie den Amerikanern erklärte, diese wären vor den N***s versteckt worden, sodass die Soldaten ihr sogar halfen, diese wieder vom Boden aufzusammeln.
Sie wurden (mittels eigentlich verbotener Ferngläser) ebenso Zeuge der menschenunwürdigen Zustände in den Rheinwiesenlagern der Alliierten, denen die deutschen Gefangenen dort ausgesetzt waren. Auch beklagte sich Ilse Busley oft darüber, welches Chaos und welche mutwillige Zerstörungswut die Amerikaner verbreiteten.
Ende März erkundigte sich einer der sogenannten Monuments Men bei den Busleys über den Verbleib der Kunstdepots Aachen, Köln und Bonn, um diese rasch zu bergen. Da Busley nicht da war, gab Ilse die Verstecke u.a. des Dreikonigschreins, des St. Heribertschreins sowie der Türen von St. Maria am Kapitol preis, die in ihrem Versteck in Siegen unter Beschuss standen, so aber sicher geborgen werden konnten.
Ab Mai 1945 wurde Busley von den Amerikanern damit beauftragt, in Bonn ein neues Amt für Kunstschutz und Denkmalpflege zu errichten, sodass die Familie endlich in ihr Bonner Haus zurückkehren konnte. Unter Busleys Arbeit bei der Stadtverwaltung Bonn fiel die Sanierung des Bonner Münsters sowie die Rückführung des Beethovenarchivs und die anschließende Wiedereröffnung des Beethovenhauses.
Frustriert mit seiner Stelle fungierte Busley jedoch ab Ende Juli 45 in seinem alten Job als Referent für Kultur- und Denkmalpflege in Düsseldorf sowie bis 1954 im Kultusministerium.
Kurz vor seinem Ruhestand war Busley bei der Stiftung Villa Hügel in Essen tätig und lehrte in den 50ern an der Universität zu Köln.