03/09/2026
Wahl-Baustein KULTUR
Der Vorstand des Vereins "KulturLaden Bockenem e.V." hat den fünf fürs Bürgermeisteramt Kandidierenden angeboten, ihre Meinung zum Thema "KULTUR" zu veröffentlichen. Wir sind den Fünf dankbar für die Antworten. Jeden Tag posten wir hier die Antwort eines oder einer der Kandidierenden. Wer lieber alles in eins lesen möchte, kann gerne um Zusendung des gesamten Wahl-Bausteines Kultur bitten: [email protected].
Und hier die Anworten aus unsere Fragen von JENS Lüer
JENS LÜER ohne Parteizugehörigkeit
1.Welche Bedeutung hat für Sie Kultur allgemein und was meinen Sie, wenn Sie von Kultur sprechen?
Kultur ist für mich die Menge der gelebten Muster unseres Miteinanders. Sie verbindet und grenzt ab, oft im selben Moment. Sie ist der Schatten an der Wand dessen, wie wir sind. Wie wir mit uns und anderen umgehen.
Kultur ist. Sie beschreibt den Zustand. Kulturarbeit und -entwicklung bringt Spannung in die Sache. Auf mich zu schauen, wie ich zu den aktuellen Verhältnissen stehe. Gemeinsam betrachten, was unsere Kultur im Moment bedeutet. In Kontakt zu gehen und zu verhandeln, wie das Menschsein und Miteinander für uns sein sollte.
Zu all dem gehören für mich alle erdenklichen Ausdrucksformen. Von kurzen Blickkontakten über Schrift und Malerei, Handwerk, Musik, Tanz und Gesang. Arbeit. Streit.
Aber auch das, was das Vergangene bewahrt. Mal erinnert, mal mahnt. Traditionen, Architektur, Werkzeuge, Artefakte.
Kultur ist nichts und alles. Die Arbeit mit und an ihr kann mutig, praktisch und relevant sein. Hoffnung, Halt und Orientierung geben.
Oder verspielt und absurd. Keinem Ziel folgen. Ausprobieren, entstehen und sofort wieder zerfallen. Und dabei immer wieder Neues entdecken. Schöpferisch sein.
Für mich muss all das dazugehören und immer wieder neu vereinbart werden. Das braucht es Räume der Begegnung, wie sie unter anderem der KulturLaden bietet.
Wenn ich im Ambergau von Kultur spreche, meine ich Vereine, Fachwerk, Höfe und Teile der Natur, die wir seit Jahrhunderten als schützenswert erachten. Und Freibad-Sommerfeste, Kindergarten-Fußballturniere, Taizé-Andachten, Podiumsdiskussionen, Zauberkünstler, Geburtstage der freiwilligen Feuerwehren, Konzerte, ...
2.Welche inhaltliche, organisatorische und finanzielle Rolle soll Kultur für Ihre zukünftige politische Arbeit im Ambergau spielen?
Eine zentrale Rolle. Ich kenne den Ambergau als eine Kulturregion der Subkulturen. Jeder Ort für sich hat seine Besonderheiten. Zusammengehalten vom Naturraum Harplage-Heber, aber auch durch die kommunale Politik und die Verwaltung der Stadt Bockenem.
All diese Besonderheiten verdienen Würdigung. Gleichzeitig interessiert mich, was den Ambergau zum Ambergau macht. Um unsere Stärke als Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum auch über unsere kommunalen Grenzen hinaus zeigen zu können. Unser Netzwerk zu erweitern, das Miteinander zu stärken.
In den letzten Monaten habe ich gelernt, dass bei all dem vielen Guten etwas zentrale Unterstützung bei der Verknüpfung und der Organisation gewünscht wird. Diese Lücke werde ich schließen. Mit direkter Unterstützung der Verwaltung, aber auch beim Aus-dem-Weg-Räumen von Hindernissen.
Die bisherigen Haushaltsanteile für Kulturförderung sind sehr gering. Vereine tragen die Arbeit nahezu alleine. Ich werde mich für ein verbindlicheres finanzielles Fundament stark machen, Stand heute kann ich jedoch keine genauen Summen versprechen. Aber: ich werde tatkräftig unterstützen, Kreis- und Landesmittel zur Kulturförderung zu sichern und neu einzuwerben. Und für Transparenz und Vernetzung sorgen, wenn Vereine Unterstützer suchen.
Welche bestehenden Vereine, Projekte und Aktivitäten sind aus Ihrer Sicht für das Leben im Ambergau besonders wichtig?
Einiges findet sich weiter oben, anderes fällt mir schwer zu konkretisieren. Denn es ist die Vielfalt der Angebote, die für Stärke sorgt. Von Klassikern wie Fußball und Schützen über Heimatvereine bis Line Dance.
Wenn ich nur auf mich schaue, sind es die Vereine meiner Kindheit und Jugend. Der Tennis Club Ambergau und die Arbeit von DLRG und Poseidon.
Aktuell interessiere ich mich vor allem für die Orte, an denen Verknüpfung stattfindet. Kulturell (wie der KulturLaden), wirtschaftlich (wie der Gewerbeverein "Bockenem mein Ziel") und für das Ehrenamt und Vereine untereinander (die Agentur "Miteinander im Ambergau" e.V.).
Bei Projekten und Aktivitäten: Alles für sich ist wertvoll. Und jedes Projekt oder Vorhaben, das Unterstützung von der Verwaltung oder von mir benötigt, wird gehört und nach Möglichkeit unterstützt.
Welche weiterführenden Ideen haben Sie evtl.?
Ich möchte im Weiteren vor allem verstehen, was wir von anderen Kommunen lernen können. Steht und fällt das Angebot unmittelbar mit dem kommunalen Haushalt oder lässt sich auch strukturell etwas abgucken?
Konkreter ein spontaner Auszug: Eine Sommerbühne auf dem Buchholzmarkt oder als "Wanderbühne", Konzertreihe zur Nachwuchsförderung, moderierte Diskussions- und Talk-Abende, Orte für handwerkliche Gruppen und Kurse, Food-Festivals auf dem Marktplatz, generationsübergreifendes Laientheater, Ausflugsangebote für jung bis alt, ...
3. Wären Sie bereit, die IKV (Interkommunale Vereinbarung Kultur) der Kommunen des Landkreises fortzusetzen? Sie entstand im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt-Bewerbung, vernetzte alle Kommunen des Landkreises und brachte im vergangenen Jahr z.B. das landkreisweite Kulturfestival „KulturRegionale“, an dem sowohl einige Ambergau-Dörfer als auch Bockenem (große Malaktion mit der OS) profitierten.
Ja, dazu bin ich bereit! Der Ambergau braucht mehr, nicht weniger Vernetzung im Landkreis. Und der Landkreis profitiert umgekehrt von unserem kulturellen Angebot.